1202 Kilometer mit dem Fahrrad. Durch vier Bundesländer, 14 Städte und an elf Flüssen entlang. Und das als Zwölfjähriger. Finn Verholen schwärmt immer noch von seinem Sommerurlaub, der ganz im Zeichen der Bewegung stand. Von wegen, die Jugend säße nur vor dem Computer oder Fernseher. Mit Vorurteilen dieser Art hat der junge Kleinwenkheimer jedenfalls mächtig aufgeräumt.

"Das hat richtig Spaß gemacht, die Natur von Fahrradwegen aus zu erleben. Nicht zu schnell und nicht zu langsam. Vor allem auf den Bergen der hessischen Rhön waren das sehr schöne Ausblicke", sagt der Siebtklässler am Bad Neustädter Gymnasium, der natürlich nicht allein unterwegs war.

Die Tour geplant hatte Vater Ralf, gebürtiger Rheinländer, der seine Eltern in Oberhausen auf die etwas andere Art und Weise besuchen wollte. Mit dabei war auch Wolfgang Wagner, ein Freund der Familie, Mutter Tanja im Begleitfahrzeug sowie Finns jüngerer Bruder Jann (8), der zumindest Teile der Etappen auf zwei Rädern bewältigte. Über Fulda, Fritzlar und Winterberg führte der erste Teil der Reise an insgesamt acht Tagen in den Ruhrpott. Übernachtet wurde in Jugendherbergen oder Ferienwohnungen. "Eine Unterkunft gebucht hatten wir lediglich am ersten Tag. Wir wollten uns bewusst nicht festlegen, sondern uns unsere Etappen-Ziele erst unterwegs setzen", sagt Ralf Verholen.

Großartig motivieren musste der 52-Jährige den Filius nicht, auch wenn dessen längste Radtour bis dato deutlich kürzer war: 200 Kilometer durch die Rhön. "Am Anfang war ich schon nervös, ob ich das überhaupt schaffen würde. Aber ich habe mich auf diese Tour auch übelst gefreut", sagt Finn, der mit einem Umstand so richtig zu kämpfen hatte: "Jeden Tag um sieben Uhr morgens aufzustehen, und das in den Ferien, war schon echt hart. Andererseits war es beim Fahren in der Früh noch angenehm kühl." Dank der E-Bikes hielt sich der Muskelkater in Grenzen, wobei die motorisierte Unterstützung eher verhalten war aufgrund der begrenzten Energie-Kapazität.

Lob vom Fußballtrainer

Eigentlich war für Finn die Rückfahrt im Auto geplant, doch letztendlich fuhren Mutter Tanja und der jüngere Sohn allein gen Unterfranken. Hieß im Umkehrschluss, dass das Männer-Trio auf der Heimreise deutlich mehr Gepäck am Rad hatte. An sechs Tagen ging es über Monheim, Remhagen, Oberwesel, Frankfurt und Lohr schließlich zurück nach Kleinwenkheim.

Und für Finn damit auch zurück zu seiner Fußballmannschaft. Beim TSV Großbardorf kickt der Zwölfjährige sogar in der Bezirksoberliga. "Für sein Alter ist Finn sehr groß und sehr reif. Der ist schon eine Persönlichkeit; einer, der vorneweg geht und Verantwortung übernimmt, sich auch um Schwächere kümmert", sagt U13-Coach René Schäfer. Der Trainer muss übrigens nicht befürchten, dass sein Schützling komplett aufs Rad umsteigt. "Fußball bleibt die Nummer eins. Aber das Fahrrad hat als Hobby auf alle Fälle aufgeholt."