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Trappstadt
Laufsport

Wie die Haßmüllers ihre sportliche Erfüllung fanden

Schlüsselerlebnisse haben Susanne und Tino Haßmüller zum Laufen gebracht. Auf Süßigkeiten will das Paar nicht verzichten. Braucht es auch nicht, weil die Kalorien beim intensiven Training locker abgebaut werden.
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In Fahrt: Tino Haßmüller, hier beim "kleinen Stadtlauf" im Rahmen des Bürgerfestes in Bad Königshofen.
In Fahrt: Tino Haßmüller, hier beim "kleinen Stadtlauf" im Rahmen des Bürgerfestes in Bad Königshofen.
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Ein Ehepaar entfloh der Vergangenheit auf dem Weg zu einem besseren Lebensgefühl: Nichts Dramatisches, kein Flüchtlingsschicksal, sondern nur zwei junge Leute, die irgendwann durch ein Schlüsselerlebnis ihren Lebensstil, ihre Lebensgewohnheiten, Essgewohnheiten änderten, das sportliche Laufen zunächst als Mittel zum Zweck, aber zunehmend als unverzichtbaren Teil ihres Lebens entdeckten. Beide, inzwischen 34, verheiratet seit 2011, fühlen sich in ihrer neuen Rolle als Individual- und gleichzeitig Mannschaftssportler innerhalb der Läufergruppe des SC Ostheim/Rhön, die sie wie eine Läuferfamilie empfinden, pudelwohl.

Dieses Wohlfühl-Empfinden versprühten Susanne (in Bad Königshofen geborene Weber) und Tino Haßmüller aus Trappstadt in einem Gespräch.
"Wir gucken schon ein bisschen nach der Ernährung, klar", räumt Susanne, die Fachverkäuferin in einem Bad Königshöfer Schmuck- und Feinkostgeschäft, ein, relativiert aber: "Es ist nicht so, dass es bei uns keinen Kuchen, nichts Süßes und nichts zu knabbern gäbe. Wir essen das, worauf wir Lust haben." Und Tino, der Disponent in einer Sulzdorfer Büromöbel-Fabrik, fügt hinzu: "Wir achten schon darauf, was wir essen. Trotzdem esse ich immer noch das, was mir schmeckt." Zum Frühstück gebe es Müsli und Vollkornsachen, tagsüber viel Obst und Gemüse, "Fleisch eher nicht mehr so viel, öfters mal Fisch und fleischlos dazwischen. Der Tino hat sonst seine zweieinhalb Schnitzel gegessen. Inzwischen hat er gar nicht mehr das Verlangen danach." Tino nimmt Äußerungen anderer wahr wie "iss mal was, dass du was auf die Rippen bekommst." "Dann antworte ich, dass ich vielleicht mehr als sie esse, nur eben auch mehr verbrenne beim Sport."

Seine rund 70 Kilo verteilen sich auf 1,86 Körpergröße. Susanne hat bei 1,66 rund 55 Kilo. Als sie die Lehre begann, waren es bis zu 75 Kilo. "Dann hat es vom Kopf her Knacks gemacht, ich will so nicht weiter machen." Sie wuchs auf einem Bauernhof auf, "es gab halt doch meist deftiges Essen. Dann stellte ich die Ernährung um und begann mit 16 zu joggen, zwei Mal die Woche. An einem Wettkampf teilzunehmen, dachte ich damals nicht", erinnert sich die Gesamt-Siegerin des Rhön-Grabfeld-Cups 2015 und Zweite 2014.

Dann lernte sie Tino kennen, der damals noch Fußball beim TSV Trappstadt im Mittelfeld spielte. "Zum einen war es das unterschiedliche Ehrgeiz- und Anspruchsniveau von mir und der Mannschaft, zum anderen mein Schlüsselerlebnis, ein Schlüsselbeinbruch im Relegationsspiel gegen Bad Königshofen II", dass Tino nur noch und Susanne auch mit dem Moutainbiking begannen und ins Mountainbike-Team in Burglauer einstiegen. Wettkämpfe in der näheren und weiteren Region machten es notwendig, dass der Trainingsumfang der Haßmüllers immer intensiver wurde.

Das Schlüsselerlebnis zwei zum Durchstarten als Crossläuferin war für Susanne Haßmüller ein sehr schmerzvolles, ja absolut lebensgefährliches. Es war 2010, als die beiden nach einer Überquerung des Großen Gleichbergs auf der Heimfahrt waren und Susanne von einem fremden Radfahrer auf dem Radweg die Vorfahrt genommen bekam, "aufgeladen" wurde, acht Meter durch die Luft flog und mit einem Schädel-Hirn-Trauma per Hubschrauber in die Klinik nach Meiningen kam. "Erinnerungen darüber gibt es für mich keine mehr nach drei Tagen Wachstation. Tino war voraus gefahren. Um ein paar Sekunden hätte es ihn vielleicht erwischt. Ich hätte tot sein oder im Rollstuhl landen können. Wir haben eine harte Zeit durchgemacht. Es waren vier heftige Monate für mich. Es kamen ständig Sachen dazu, wo ich dachte, hej, hättest du doch die Augen zu gelassen. Weil ich aber mal ein ehrgeiziger Mensch bin, war für mich wichtig, dahin wieder zurück zu kommen, wo ich schon einmal war. Familie war da das höchste Gebot. Sie hat mir den Rücken gestärkt und Mut gemacht zum Weitermachen. Ich habe es dann noch ein paar Mal mit dem Rad probiert. Aber die Angst war immer da und die ist ein schlechter Begleiter, so dass ich mich voll aufs Laufen konzentriert habe."

Ein halbes Jahr lang durfte Susanne wegen des Unfalls nicht laufen, nur leicht walken. "Irgendwann hat mich ein Bekannter angesprochen, hopp Susi, wir laufen mal einen Halbmarathon." Seit 2013 ist sie jedes Jahr einen gelaufen, hat sich über 1:39 und 1:35 auf 1:28 Stunden beim Main-City-Lauf in Schweinfurt gesteigert. "Als die Ostheimer Mädels mich fragten, ob ich beim Team-Halbmarathon in Fulda bei ihnen mitmache, bin ich, sind wir zu den Ostheimern gestoßen, zumal sich das Mountainbike-Team in Burglauer mehr oder weniger aufgelöst hatte."
Das Schwärmen der Haßmüllers von ihrer Sportart und Laufgemeinschaft gerät auch nicht in Sachen Trainingsaufwand ins Stocken. Sie betonen, dass es unterschiedlich bei ihnen läuft. "Susi kommt mit weniger zurecht, braucht dafür die Regeneration umso mehr", verrät Tino. "Ich fahre mit zwei Mal wöchentlich intensivem und effektivem Training relativ gut", meint Susanne, "und am Wochenende machen wir dann, wenn kein Wettkampf ansteht, privat noch einen Lauf, manchmal auch bis zu 20 Kilometer. Wenn ich mehr mache, merke ich, dass es der Leistung nicht gut tut." Und Tino: "Ich mache fünf bis sechs Mal die Woche Training, lange Ausdauer- und auch Tempoläufe." Persönliche Trainingspläne haben die beiden nicht, "wir schließen uns da den Ostheimern an, für die Eberhard Helm einen macht."

So richtig definiert sind die sportlichen Ziele des Lauf-Ehepaars nicht. "Für mich ist zumindest so viel klar, dass ich mich angekommen fühle", meint Susanne ganz in sich. "Irgendwann möchte ich mal einen Marathon laufen. Sport gehörte schon immer zu unserem Leben. Er macht einen Teil davon aus, macht Spaß und tut einfach gut. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg, haben ein gutes Mittelmaß gefunden, führen auch deshalb so eine gute Beziehung, weil wir in der Freizeit sehr viel miteinander unternehmen. Das fühlt sich gut an."