Eine Photovoltaik- und Solarthermieanlage auf dem Dach des Funktionsgebäudes, E-Autos für die Profis, Umstellung auf klimafreundliches Erdgas: Der Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg will bis 2025 klimaneutral werden und unterstützt als weltweit erster Profi-Fußballklub die "Race To Zero"-Initiative der Vereinten Nationen. Für den Klimaschutz setzen sich aber nicht nur die "Großen" ein. Amateurvereine starten immer wieder Projekte, um ihren Teil zur Senkung des -Ausstoßes beizutragen. Auch in Franken.

TSV Großbardorf: Stromtankstelle am Sportplatz

Grün sind die Trikots des TSV Großbardorf aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld. Und "grün" ist auch die Spielstätte des Fußball-Bayernligisten: die Bioenergie-Arena. Ein bemerkenswerter ökologischer Ansatz, der im Grabfeld verfolgt und seit 2012 umgesetzt wird. Also dem Jahr, in dem das 900-Seelen-Örtchen mit nur zwei weiteren Lokalitäten - bei bundesweit 41 Bewerbungen - als Bioenergie-Dorf zertifiziert wurde. Obendrauf gab es 10 000 Euro.

"Der Gemeinsinn in unserer Bevölkerung ist besonders groß, wie auch die Verbundenheit zum TSV", sagt Mathias Klöffel. Der 58-Jährige ist im Vorstand des Sportvereins für die Finanzen zuständig und beruflich mit Energieprojekten vertraut. Der ehemalige TSV-Kicker war eine der treibenden Kräfte beim ambitionierten Projekt, die Tribünenbedachung mit einer Photovoltaik-Anlage auszustatten. Im Jahr produziert die etwa 100 000 Kilowatt Strom und kann etwa 25 Haushalte für ein Jahr versorgen.

Die Kosten für die Dachkonstruktion stemmte der TSV, der die gewonnene Fläche vermietet, für den einmaligen Preis in Höhe von 80 000 Euro. Und zwar an die örtliche Energiegenossenschaft, die das Dach anschließend mit einer Photovoltaik-Anlage ausstattete. Diese wurde wiederum finanziert von 75 Bürgern, vorwiegend Fans, Mitglieder und Sponsoren, die gegen eine Verzinsung Anteile für jeweils 2000 Euro erwarben.

Die Innovation auf dem "Gallier-Campus" geht aber noch weiter. Seit diesem Jahr ist der TSV Großbardorf an das Nahwärmenetz der Energiegenossenschaft Großbardorf angeschlossen und beheizt das Sportheim künftig mit regenerativer Energie. Seit einigen Tagen ist sogar eine Stromtankstelle am Gallier-Gelände installiert, die zusammen mit der Gemeinde, dem Bürgerstromanbieter und dem TSV initiiert wurde. "Bei normalem Trainingsbetrieb ist hier täglich sehr viel los. So haben Spieler, die Eltern von Jugendspielern und auch Zuschauer die Möglichkeit, ihre Elektroautos zu laden", sagt Mathias Klöffel.

HC Bamberg: Tore für den Umweltschutz

Bei den Handballern des HC Bamberg trägt künftig sogar jeder Treffer zum Umweltschutz bei - beziehungsweise jeder vierte. Denn: Pro vier geworfenen Toren der ersten Frauen- und Männermannschaft wird ein Baum oder ein Strauch gepflanzt. Der HC rechnet mit 1100 erzielten Toren, die 275 Bäume ergeben - wenn die derzeit unterbrochene Saison wie geplant durchgezogen werden kann. Gepflanzt werden die Bäume, die von einer Memmelsdorfer Baumschule gespendet werden, auf einem Grundstück in Gundelsheim - dem "HC03-Patzelt-Park". "Wir wollen uns nicht nur im sportlichen, sondern auch im sozialen Bereich engagieren. Die Idee, Bäume für erzielte Tore zu pflanzen, war eine spontane", sagt Kolja Kneuer, Vorsitzender des HC.

Die Gemeinde Gundelsheim stellt dem HC das Grundstück für zehn Jahre zur Verfügung. Gepflegt wird es vom Verein und Helfern aus Gundelsheim. Ein Spielplatz und Bänke zum Ausruhen sollen künftig zum Verweilen einladen. "Das schafft der Gemeinde einen echten Mehrwert", sagt Kneuer. Doch die Bamberger verfolgen nicht nur Umwelt-Ziele. "Der Verein soll sich weiterentwickeln, das Umfeld vergrößert und die Jugendarbeit verstärkt werden", führt Kneuer aus. Mit Aktionen wie dieser solle der Handball in der Domstadt bekannter gemacht werden. Mit der Corona-Krise und den beiden Lockdowns im Lokalsport habe das Projekt nichts zu tun.

"Das haben wir schon vorher angeschoben. Aber der Lockdown hilft uns, es schneller umzusetzen", sagt Kneuer. Während Trainings- und Spielbetrieb ruhen, bleibe für anderes mehr Zeit. Und: "Es ist auch eine Möglichkeit, abseits des Sportlichen das Vereinsleben aufrecht zu erhalten." Trotzdem hoffen die Bamberger, dass bald Normalität einkehrt. Schließlich sollen sportliche Erfolge des HC 03 einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

FC Haarbrücken: Das autarke Sportheim

Den leistet auch der FC Haarbrücken aus dem Landkreis Coburg - und wie. Der FCH hat sein Sportheim so modern saniert, dass der Verein in seinem Energiebedarf autark ist. Nahezu das ganze Dach des Sportheimes ist mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet. Für den Strombedarf des FCH ist das mehr als ausreichend. "Nur für unser Flutlicht müssen wir noch Strom beziehen, weil es im Dunkeln natürlich schwierig ist, den eigenproduzierten Strom zu nutzen. Aber da wir mehr produzieren als verbrauchen und den Überschuss ins Netz einspeisen, kann man sagen, dass wir autark sind", sagt Swen Tischer, stellvertretender Vorsitzender des FCH.

Denn: Auch beim Heizen sind die Haarbrückener nicht auf externe Anbieter angewiesen. Sie nutzen die Biogasanlage des benachbarten Landwirtes Holger Gundermann. "Es war seit einigen Jahren geplant, dass wir eine Leitung vom Hof zum Sportheim legen. Im letzten Jahr hat es dann geklappt", sagt Tischer. Insgesamt hat die energetische Sanierung, die vor zwei Jahren begann, rund 60 000 Euro gekostet. "Wir haben sehr viel in Eigenleistung gemacht, deswegen hat es länger gedauert. Unsere Mitglieder haben rund 2000 ehrenamtliche Arbeitsstunden in die Modernisierung gesteckt."

Sein Ziel hat der FC Haarbrücken erreicht: Er wollte bis Sommer 2020 der erste Verein der Region sein, der sich mit Wärme und Strom klimaneutral mit Energie versorgt. Für diesen Beitrag zum Umweltschutz wurde der Klub mit dem LEW-Umweltpreis des Bayerischen Landessportverbundes (BLSV) ausgezeichnet. Der letzte Beitrag soll das aber nicht sein. Der FC Haarbrücken plant bereits das nächste Projekt und will seine Flutlichtanlage mit LED-Lampen ausrüsten. Damit auch in der Dunkelheit der Energiebedarf gesenkt wird.

Bayerischer Landessportverband: Nachhaltigkeit nimmt zu

Dass Vereine auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz achten, sei schon ein paar Jahre zu beobachten, sagt Monika Engelhardt, oberfränkische Bezirksvorsitzende des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV). "Wenn Renovierungen anstehen, wird darauf geachtet, nach den modernen Standards zu sanieren", sagt Engelhardt. Das fange bei vermeintlichen Kleinigkeiten, wie wassersparenden Duschköpfen, an und ende bei Flutlichtmasten mit LED-Beleuchtung. Vereinen, die etwas für den Umweltschutz machen wollen, rät Engelhardt zum Klima-Check des BLSV. "Es gibt eine für Mitgliedsvereine kostenfreie Beratung und wenn die Vereine möchten, kommt ein Energieberater vorbei und schaut sich das Gelände an." Beim Klima-Check werde eine umfassende Bestandsaufnahme der Sportanlage durchgeführt und nach Einsparmöglichkeiten gesucht. Auch während der Corona-Krise habe Engelhardt sanierungsfreudige Vereine registriert.