Eine eigenständige Fußballmannschaft hat der SV Dittlofsroda schon lange nicht mehr. Die Heldengeschichten aus glorreichen Tagen werden umso stolzer erzählt. Aber der SV Dittlofsroda lebt nicht nur von und in der Vergangenheit, ist vielmehr ein vitaler Verein und ein elementarer Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Ortstermin mit Marcel Schneider, dem 36-jährigen Sportvorstand des SVD, der ab und zu selbst noch für die Reserve die Schuhe schnürt. Treffpunkt, na klar, ist der Sportplatz. Der Polizeibeamte bei der Bundespolizei in Aschaffenburg lebt mit Frau und Kind schließlich in unmittelbarer Nähe.

Wie schaut aktuell das Vereinsleben bei Ihnen aus?

Marcel Schneider: Ich hatte ja nicht damit gerechnet, dass wir aufgrund der Pandemie in diesem Jahr ein Heimspiel würden austragen können. Ausgerechnet am Kirchweih-Sonntag hatte es doch noch geklappt, was uns alle sehr gefreut hat. Allerdings konnten wir die gewöhnlich sehr gut besuchte Kirchweih nur in reduzierter Form austragen. Unter der aktuellen Situation leidet auch unser Kinderturnen. Hier kümmern sich vier engagierte Mütter um etwa 25 Kinder in zwei altersgerechten Gruppen. Anja Göbel, Nicole Reith-Wehner, Carina Hänelt und Ilona Keil machen das richtig gut, bei ihnen möchte ich mich an dieser Stelle gerne für ihr Engagement bedanken.

Gibt es weitere Abteilungen?

Wir haben auch eine Volleyball-Abteilung. Das ist eine Freizeitgruppe, die sich auf Initiative von Werner Vogt-Kaute gegründet hat und die sogar an Turnieren teilnimmt. Unter normalen Umständen wird immer an Sonntagen in der Dittlofsrodaer Turnhalle gespielt, im Sommer auch im Freien.

Wo feiert man beim SVD glorreiche Siege?

Bei gewonnenen Heimspielen wird unser Sportheim zum Tollhaus. Da sind die Abende oft lang und feuchtfröhlich, nicht selten gemeinsam mit dem Gegner. Da wir im Ort keinerlei Gaststätten haben, ist unsere Sportheim gerade am Freitagabend gut besucht. Hier kommen die Dorfbewohner, aber auch Leute aus den Nachbarorten zusammen. Bei uns wird die Geselligkeit groß geschrieben, da ist jeder willkommen.

Zu Eurer Kirchweih gibt es ja eine ganz besondere Tradition.

Stimmt. Zu Beginn der Kirchweih wird immer ein Schatz ausgegraben, der die 'Kirb' symbolisiert. Zum Ende der Kirb wird in der Nacht wieder ein Schatz irgendwo im Ort vergraben, einer für die Männer und einer für die Frauen. Der ruht dann für ein Jahr bis zur nächsten Veranstaltung.

Euer Sportplatz ist ja durchaus speziell. Welche Fähigkeiten braucht es, um als Kicker seine beste Leistung abzurufen?

Läuferisch starke Mannschaften, die lange Bälle in die Spitze bevorzugen, haben es auf unserem kleinen Platz natürlich schwer. Bei uns kann man als vermeintlich schwächere Mannschaft auch mal kompakter stehen. Technisch versiert zu sein, bringt da natürlich Vorteile. Mehr Tipps gebe ich nicht, da müssen unsere Gäste schon selbst ihre Erfahrungen machen.

Gegen wen waren früher die ultimativen Derbys?

Als ich mit 18 anfing bei uns zu kicken, spielten wir noch gegen die Nachbarvereine aus Wartmannsroth, Schwärzelbach oder Morlesau. Derby-Charakter hatten zum Beispiel aber auch Spiele gegen den SV Pfaffenhausen. Der Trainer oder die älteren Spieler haben immer unmissverständlich darauf hingewiesen, was in so einem Derby auf dem Spiel steht. Da ging es schon im Training etwas härter zur Sache. Jeder war bereit, alles zu geben. Dem ein oder anderen wird in diesem Zusammenhang der Spruch "Ex oder Schwärzelbacher" bekannt vorkommen.

Auf was freuen Sie sich am meisten, wenn die Pandemie vorüber ist?

Mich würde es freuen, wenn alle die Pandemie schadlos überstehen und gesund bleiben. Ich denke, dass wir dann auch mal ein ordentliches Fest im Dorf auf die Beine stellen. Da bin ich mir sogar ziemlich sicher.

Welchen Termin sollten sich die Mitglieder unbedingt vormerken?

Die Jahreshauptversammlung werden wir in diesem Jahr wohl nicht abhalten können, der neue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Ansonsten hoffe ich, dass wir im Juni wieder unser Sportfest samt Saaletal-Pokal durchführen können. Längst rot im Kalender markiert sein sollte bei jedem das zweite Oktober-Wochenende, denn unsere Kirb ist das Highlight des Jahres.

Was hat es mit den Archivbildern auf sich, die Sie uns haben zukommen lassen?

Auf dem Bild der Gründungsmannschaft ist hinten links Franz-Josef Köhler zu sehen, der den SVD wie kein Zweiter im Herzen trägt. Er war auch einer der Mitbegründer des Vereins im Jahr 1978 und ist heute noch bei jedem Heimspiel mit dabei. Die anderen Bilder erinnern an den größten sportlichen Erfolg der Vereinsgeschichte, nämlich an die Meisterschaft in der C-Klasse in der Saison 1997/98. Die Mannschaft um Trainer Gerhard Fischlein, Alfred Müller, Andreas Kisters und Wolfgang Bock war der Wahnsinn.

Zahlen rund um den SV Dittlofsroda

1978 ist das Jahr der Vereinsgründung des SV Dittlofsroda mit seinerzeit 29 Mitgliedern.

128 Mitglieder hat der SV Dittlofsroda aktuell, davon sind 38 Kinder oder Jugendliche.

78 Jahre alt und für das Vereinsleben immer noch unverzichtbar ist Franz-Josef Köhler.

6 Spieler aus Dittlofsroda kicken aktuell in der Spielgemeinschaft mit Gräfendorf und Wartmannsroth,