Es war ein Abend, an dem (fast) alle ihren Spaß hatten. Zu einer Zeit, in der der Hallenfußball noch etwas zählte. 850 Zuschauer drängten sich dicht an dicht auf den Tribünen der Bürgermeister-Goebels-Halle, sie ließen sich begeistern von hochklassigem Sport, den sechs Mannschaften zeigten. Die FT Schweinfurt gewann im Januar 2000 die zweite Auflage der Hallengala des VfL Bad Neustadt, setzte sich im Finale 5:3 gegen die DJK Waldberg durch.

Die und der ein oder andere mag an jenem Freitagabend aber auch wegen des Einlagespiels in die Halle gekommen sein. Schließlich war es dem Organisationsteam des VfL um Uwe Lembach und Bernhard Mosandl gelungen, eine der in diesen Tagen schillernsten Figuren des deutschen Fußballs zur Teilnahme an diesem Pausenfüller zu bewegen: Werner Lorant.

Die Idee entstand am Stammtisch

Große Überzeugungsarbeit hatte es nicht gekostet, "Werner Beinhart" Lorant nach Bad Neustadt zu lotsen, erinnert sich Mosandl: "Ich habe ihm gesagt, es geht um eine gute Geschichte. Das hat gereicht." Bei späteren Gesprächen sei es nur noch um Details gegangen. "Ich habe den Hallenfußball gemocht. Bei den Turnieren war immer was los und was geboten", bestätigt der inzwischen 72-jährige Lorant, der heute in Waging am See auf einem Campingplatz lebt, im Gespräch mit dieser Redaktion.

Entwickelt hatten Mosandl und Lembach die Idee der Hallengala am Stammtisch. "Wir waren uns einig, dass wir ein besonderes Turnier anbieten wollen. Mit starken Mannschaften aus der Region, mit Gewinnspielen und mit Prominenten", sagt Mosandl, der selbst als Moderator durch den Abend führte. "Unser Konzept ist von Anfang an aufgegangen." Nicht nur die Tribünenplätze waren begehrt, auch die Plätze im VIP-Zelt, das der Verein bei den ersten Auflagen des Turniers betrieb. "Bis heute ist die Hallengala ein Erfolg", sagt Mosandl, auch wenn sie in diesem Winter wegen der Corona-Epidemie ausfallen wird.

Die Saison 1999/2000 wurde zur erfolgreichsten Bundesliga-Saison für den von Lorant trainierten TSV 1860 München um Welt- und Europameister Thomas Häßler nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft 1966 und dem zweiten Platz im darauffolgenden Jahr. Lorant führte die Löwen nicht nur zu zwei Derbysiegen gegen den FC Bayern, sondern auch auf den vierten Platz der Bundesliga und damit in die Qualifikation zur Champions League.

Von wegen Defensivaufgaben

Lorant war von Lembach und Mosandl als Trainer einer Promi-Auswahl vorgesehen, die mit Ex-Profis wie Dieter Eckstein, Rainer Zietsch oder Reiner Wirsching hochkarätig besetzt war. In anderen Jahren kamen Größen wie der 1974er-Weltmeister Bernd Hölzenbein oder Norbert Nachtweih nach Bad Neustadt. Wenn er schon käme, wolle er auch mitspielen, ließ Lorant im Vorfeld wissen. Und als Mosandl ihn vor dem Anpfiff des 30-Minuten-Kicks nahelegte, Defensivaufgaben zu übernehmen, knurrte Lorant: "Das glauben Sie doch selber nicht."

Sprach's, postierte sich im Angriff und ließ sich von seinen Mitspielern die Bälle auflegen. Gleich sechs Treffer erzielte Lorant beim 11:5 der Promis gegen die Rhön-Grabfeld-Stars, für die der Großbardorfer Wolfgang Schmitt zwischenzeitlich auf 2:5 verkürzte. "Das Spiel war ein Highlight. Wir waren stolz, dabei zu sein", sagt Schmitt. "Lorant hat uns ganz normal behandelt. Wie das bei Fußballern halt so ist." Und als Schmitt einmal im Duell zu spät kam und "ihm ein bisschen eine mitgegeben" hat, akzeptierte Lorant die Entschuldigung und klatschte mit Schmitt ab. "Hinterher ist er gehumpelt. Ich glaube, das hätte nicht sein müssen", erzählt Schmitt.

Lorant übertreibt es mit der Show

Irgendwann übertrieb es Lorant mit der Show. Nach einem Torerfolg wollte er nicht in die eigene Hälfte zurückgehen. Es folgte ein Schauspiel, das nicht jedem gefiel. Schiedsrichter Hans Werner ermahnte und verwarnte Lorant, der damals schon längst den Ruf weg hatte, sich mit Unparteiischen anzulegen. "Geht denn das schon wieder los?", kommentierte Lorant die Entscheidung und ließ nicht locker. "Dann gib mir halt Rot", provozierte Lorant. Hans Werner ließ nicht nicht lange bitten.

Lorants Reaktion? Er nahm dem Schiedsrichter die rote Karte aus der Hand, pfefferte sie ins Publikum - und ging ab. "Daran kann ich mich nicht erinnern", sagt Uwe Lembach. Im Gedächtnis ist ihm aber geblieben, dass sich Lorant bald nach dem Spiel ins VIP-Zelt zurückzog. Das hatten die VfL-Verantwortlichen vor der Halle aufgebaut. Lembach ergänzt schmunzelnd: "Lorant hat dort immer päckchenweise Autogramme unterschrieben und sie nach draußen zu den Fans bringen lassen."

Bis 2 Uhr morgens im VIP-Zelt

Bis 2 Uhr morgens, so ist es überliefert, soll sich Lorant im VIP-Zelt bewirtet haben lassen, bevor er sich auf die Heimfahrt nach München machte. Am nächsten Morgen bereitete er seine Löwen auf das Finalturnier des DFB-Hallen-Masters vor. Es war eben die Zeit, in der der Hallenfußball noch Bedeutung hatte. 1860 München scheiterte im Viertelfinale am Zweitligisten Borussia Mönchengladbach, der das Turnier auch gewann. "Das war damals eine tolle Zeit", schwärmt Lorant noch heute.Daniel Rathgeber