Motorsport in Corona-Zeiten? Ein heikles wie aufwendiges Unterfangen. Der Automobil- und Motorsportclub (AMSC) Hammelburg wagte als einer von wenigen bayerischen Clubs den Spagat. Am Ende erntete er mit seinem durchdachten Veranstaltungskonzept Lob und Zustimmung. Organisatorisch und finanziell bedeutet die "neue Machart" indes eine extreme Belastung.

Sportlich bleibt festzustellen: Mit Patrik Dinkel holte sich ein Oberfranke den Gesamtsieg bei der "8. ADAC-Toyo-Tires-Rallye Fränkisches Weinland Hammelburg". Gemeinsam mit Co-Pilot Tobias Glatzel (Ulm) gewann der Coburger im Mitsubishi Lancer Evo 9 RS mit einem Vorsprung von 7,1 Sekunden.

Der Ursprungstermin der Weinland-Rallye lag auf dem 9. Mai. Doch vor viereinhalb Monaten gab es den Pandemie-bedingten Lockdown. Alle Räder standen still. Unbeirrt hielt das Organisationsteam um Leiter Sven Hochwimmer an der Durchführung der beliebten Rallye fest.

Der Phase leichter Resignation folgten bald konzeptionelle Besprechungen und intensive Überlegungen, wie die Veranstaltung in Corona-Zeiten organisiert werden könnte. Ein stimmiges Hygienekonzept war der Schlüssel zum Erfolg.

Maßnahmen zu Infektionsschutz

Neu geschaffen worden sind auf der Basis dieses Infektionsschutzes zum einen die Boxen im Fahrerlager. Rund 500 Eisen mussten geschlagen werden, um für alle Teilnehmer gleichgroße Stellflächen zu schaffen. "Das ist absolut perfekt", urteilt beispielsweise Ralf Hillmann (Ebensfeld), der mit Startnummer eins in den Wettbewerb ging. "Diese Fahrerlagereinteilung sollte unbedingt beibehalten werden - auch nach Corona."

Weitere Neuerungen betrafen das Rallye-Zentrum. Das Betreten war nur mit Mund-/Nasenbedeckung gestattet. Einen zusätzlichen Schutz boten den bei der Dokumentenabnahme eingesetzten Sportwarten Plexiglas-Trennscheiben.

Die Zahl der Personen im Veranstaltungsumfeld auf ein Minimum zu reduzieren, stellte die größte Aufgabe dar. Damit es nicht erst zu unerwünschten Kontakten kam, setzte der AMSC Security-Personal ein und regelte den Zugang zum Gelände restriktiv.

Geringes Zuschaueraufkommen

Längs der drei Wertungsprüfungen bei Machtilshausen, Sulzthal und Lager Hammelburg war es nicht so einfach, das Zuschaueraufkommen zu kontrollieren. Zu den in den Vorjahren festgestellten Massierungen an exponierten Stellen kam es glücklicherweise nicht. Vereinzelte Fan-Gruppen verhielten sich weitgehend vernünftig, so dass die Durchführung der Veranstaltung nie gefährdet war.

ADAC-Gau-Nordbayern-Sportleiter Alfred Thomaka zollte dem Ausrichter ein großes Kompliment. "Was der AMSC hier auf die Beine gestellt hat, sucht im weiten Umkreis Vergleichbares. Vieles, was ich heute hier gesehen habe, ist beispielgebend für anderen Veranstaltungen. Ein großes Kompliment dem gesamten Orga-Team."

Dank sagte Thomaka auch an die Adresse der rund 250 Sportwarte. Viele von ihnen trotzen den ganzen Tag lang Wind und Wetter.

Zum sportlichen Geschehen. Von den 75 in der Rallye-35-Wertung Gestarteten erreichten 66 das Ziel in Wertung. Rallye 35 bedeutet: Die Entscheidung fällt auf Wertungsprüfungen (WPs), die jeder Teilnehmer schnellstmöglich zu befahren hat. Der Coburger Patrik Dinkel mit Co. Tobias Glatzel aus Ulm bewegte den Mitsubishi Lancer perfekt auf den sechs WPs. Am Ende hatte er einen Vorsprung von 7,1 Sekunden auf die Verfolger herausgefahren. Auch auf den Gesamträngen zwei und drei fanden sich Mitsubishi-Lancer-Piloten. Der Regen spielte den Fahrern dieser über 300 PS starken Boliden mit Vierradantrieb klar in die Karten.

Die WP 1 bei Machtilshausen wurde noch bei Trockenheit gestartet. Entsprechend landeten die BMW-Treter Werner Mühl/ Karsten Bendig (Gefrees/Rödental) im BMW E36 M3 und Kai Ottenbacher/Tim Ottenbacher (Wimsheim/Obersontheim) im BMW E36 M3 auf den ersten beiden Plätzen, gefolgt von Dinkel/Glatzel im Lancer Evo. Gerade in Machtilshausen säumten viele gut gelaunte Rallyefans die Straßen.

Oberhalb von Sulzthal war dann ein Rundkurs zu meistern. In WP2 waren Thomas Sobeck/ Siegi Schrankl (Hofolding/ Obing) im Lancer Evo 9 die Schnellsten, gefolgt von den Marken-Kollegen Uli Kübler/ Daniel Hammel (Öhringen).

Einen weiteren Rundkurs hatten die Organisatoren am Hammelburger Lagerberg ausgesucht. Dinkel/Glatzel vor Reindl/Ehrle und Kübler/Hammel lautete die Reihenfolge dieser reinen Lancer-Fraktion.

Bevor das erste Fahrzeug in diese WP starten konnte, gab es eine Verzögerung von 45 Minuten. Grund: ein technischer Defekt an einem Einsatzfahrzeug des Roten Kreuzes. Erst nach Eintreffen des Ersatzfahrzeug durfte die WP gestartet werden.

Rund 20 Minuten später die nächste Unterbrechung. Sebastian Reichel (Himmelkron)/Nadine Raab (Ostheim) flogen mit ihrem Mitsubishi Lancer so derb in den Graben, dass an Weiterfahrt nicht zu denken war. Die Rallye-Leitung brach die WP ab und führte das Starterfeld nach Elfershausen zurück.

Dort folgte mit einstündiger Verspätung nach dem Re-Grouping der Re-Start bei Regen.

WP 4 Machtilshausen ging an die späteren Gesamtsieger Dinkel/Glatzel, während Kübler/ Hammel die WP5 Sulzthal gewannen. Die letzte Bestzeit des Tages holten sich auf WP6 am Lagerberg Dinkel/Glatzel. Beide bauten ihren Gesamtvorsprung weiter aus. Auch diesmal musste die WP am Lagerberg vorzeitig abgebrochen werden, nachdem ein Teilnehmer Öl verloren hatte.

Für alle, die WP3 und WP 6 wegen des Abbruchs nicht fahren konnten, mussten die Auswerter nach einem komplizierten Schlüssel Referenzzeiten auf Basis zuvor erzielter Einzelzeiten errechnen.

Falsche Reifen

Sven Hochwimmer zeigte sich am Ende der Veranstaltung als Organisationsleiter hochzufrieden, haderte hingegen als Fahrer mit seinem Abschneiden. "Ich habe auf die falschen Reifen gesetzt. Das hat mich und meinen Co. Marco Hartung wertvolle Zeit gekostet. Platz elf in der Klasse und Rang 40 im Gesamtklassement liegen unter den Möglichkeiten des Trimbergers.

Michael Mathes (Diebach) und Julius Emmert (Feuerthal), mit einem VW Golf II gestartet, durften sich hingegen über einen Sieg in ihrer Klasse und Gesamtrang 31 freuen.

Aus lokaler Sicht nachzutragen wären noch Thomas Dögel (Nüdlingen) und Sven Greger (Bergrheinfeld). Beide waren mit ihrem Wartburg 353 in der Retro-Wertung gestartet, wo es auf präzises Einhalten der vorgegebenen Sollzeiten ankommt. Mit einer Abweichung von nur 1,11 Sekunden wurden Beide Vierte.