Der große Hammer ist nur eines der vielen Werkzeuge, die Franz Menig seit Tagen in Händen hält. Mal braucht es die reine Muskelkraft, mal technisches Geschick. Der 64-Jährige ist nicht nur der Vorsitzende des RFV Sulzthal, sondern auch gelernter Landmaschinen-Mechaniker und Baumaschinen-Schlosser. Und damit der richtige Mann am richtigen Ort. Am Wochenende finden am Reitsportgelände auf der Steige schließlich die Fränkischen und für den Nachwuchs sogar die Bayerischen Meisterschaften in der Vielseitigkeit statt.

Bereits am Dienstag wurde der Reitplatz für das Springen und die Dressur von einem Fachmann planiert, die meiste Arbeit steckt aber in den mitunter mächtigen Hindernissen. Einige werden renoviert, andere vollkommen neu gestaltet. "Zwei Sattelzüge Altholz mussten wir entsorgen", sagt Franz Menig. Damit vor Ort alles seine Richtigkeit hat, steht der Verein im regelmäßigen Kontakt mit der Gemeinde, dem zuständigen Förster und der Naturschutz-Behörde. Was die Maße der Hindernisse betrifft, hat Geländebauer Bernd Petruschke das letzte Wort. "Die Sicherheitsabnahme nach den Richtlinien der reiterlichen Vereinigung ist bereits erfolgt", sagt Hans-Jürgen Bühner, der im Verein das Leader-Projekt in Sachen Vielseitigkeitszentrum betreut.

Weil vor Ort weder Strom- noch Wasseranschluss vorhanden ist, muss der Verein sich auch in diesem Jahr behelfen mit Energie aus einem Aggregat sowie befüllten Wassertanks. Etwas Entlastung - für Mensch und Tier - hat der Verein durch den Bau einer Zisterne bekommen. "Das hat uns flexibler gemacht. Dennoch hoffen wir, dass es nicht zu heiß wird", sagt Vorstandsmitglied Theresa Schießer.

Ungeachtet der angekündigten Lockerungen für den Wettkampfsport in Bayern werden die Meisterschaften ohne Publikum stattfinden. "Selbst wenn kurzfristig Zuschauer erlaubt worden wären, hätten wir unser Hygienekonzept nicht mehr über den Haufen geworfen", sagt Vorstandsmitglied Theresa Schießer. Pro Reiter sind maximal zwei Begleitpersonen erlaubt, die Kontrolle erfolgt über Einlassbändchen.

Verlassen fühlen müssen sich die Protagonisten dennoch nicht auf dem 25 Hektar großen Reitsport-Gelände. Knapp 200 Anmeldungen sind beim RFV Sulzthal eingegangen. Eine Teilnahme in Aussicht gestellt hatte sogar Andreas Ostholt (Warendorf), doch musste der ehemalige Zwölfte der Weltrangliste (2015) verletzungsbedingt passen. 350 Pferde werden in die verschiedenen Prüfungen geschickt, etwa 50 Vierbeiner haben im Stallzelt eine Übernachtungsmöglichkeit

Viele Helfer im Einsatz

Um die aufwendige Logistik zu stemmen, sind pro Tag 50 bis 60 Helferinnen und Helfer eingeteilt. "Das sind natürlich viele unserer etwa 160 Mitglieder, aber auch viele Bekannte und Freunde, die uns unterstützen", sagt Theresa Schießer. Zum Pflicht-Personal gehören ein Arzt, Tierarzt und Hufschmied sowie für die Verkehrsregelung die Freiwillige Feuerwehr aus Sulzthal und Wasserlosen. Verpflegung vor Ort gibt es in reduzierter Form.

Titelverteidiger mit Anspruch

Als Titelverteidiger in der Teamwertung hatte der RFV Sulzthal das Anrecht, diese Meisterschaften auszutragen. Und auch diesmal erhofft sich der Verein dank einer schlagkräftigen Mannschaft diverse Podestplätze. Gespannt auf die Strecke samt der vielen neuen Hindernisse ist auch Kristina Ehrlich, die wie alle anderen Teilnehmer den Streckenplan vorab zur Verfügung gestellt bekommt. Erstmals in einem solch anspruchsvollen Wettbewerb reitet die 28-Jährige ihr Paradepferd 'Fritzi', ein siebenjähriges Deutsches Sportpferd, eine erst seit dem Jahr 2003 gezüchtete Warmblutpferderasse.

"Ich habe Fritzi, seitdem er zwei ist. Was er kann oder nicht kann, habe ich quasi fabriziert", sagt die Kassiererin im RFV Sulzthal, die ihrem Pferd nach diversen Turnierteilnahmen sowie einem intensiveren Training zuvor in den Tagen vor dem Wettkampf Entspannungsphasen gönnt. "Außerdem bekommt er seit einiger Zeit ein energiereiches Futter, damit er für diese Veranstaltung die nötige Kraft hat."

Wenn möglich, will die gebürtige Werneckerin, die mit Mann und Kind inzwischen im thüringischen Eisfeld nahe Coburg lebt, die Strecke am Freitag ablaufen. "Idealerweise zu der Uhrzeit, an der ich am Samstag im Gelände bin. Ich schaue mir die Hindernisse aus Sicht meines Pferdes an, nämlich frontal. Und suche mir bestimmte Markierungspunkte. Das Hindernis selbst ist dem Pferd egal. Aber es geht um die ganze Umgebung und damit die Wahrnehmung. Für mich selbst ist der Wald an sich eine große Herausforderung, wenn die Bäume an einem vorbeizischen."

Über sechs Minuten im Gelände

Etwa sechs Minuten benötigen die Reiter für den über drei Kilometer langen Geländeritt. "Aufgrund der fehlenden Erfahrung sind für Fritzi vor allem die engen Hindernisse knifflig. Am Freitag soll er entspannt die Dressur gehen, dann spritzig-flott durchs Gelände und am Sonntag mit der nötigen Vorsicht durch den Parcours. Von meiner Seite gibt es keinen Druck fürs Pferd. Ich weiß aber, dass er es drauf hat."

Ablauf Die Veranstaltung beginnt bereits am Freitag ab 15.30 Uhr mit der Dressur. Am Samstag (ab 7 Uhr) steht im Mittelpunkt der Geländeritt, parallel laufen Dressurwettbewerbe. Am Sonntag (ab 7.30 Uhr) endet die Vielseitigkeit mit dem Springen im Parcours. Für Einsteiger (Klasse E) wird ein kürzerer Geländeritt angeboten. Die Siegerehrungen finden aufgrund der Hygienebestimmungen in einer vereinfachten Form statt.

Lokalmatadoren Für den RFV Sulzthal gehen auf der Steige an den Start; Emely Behr, Kerstin Bühner, Dirk Ehrlich, Kristina Ehrlich, Sophia Frank, Isabell Frinker, Antonia Fürst, Kristina Hauck, Anna Laura Herzog, Frank Huyskens, Sophie Kimmel, Martina Kohlhepp, Emil Menig, Helena Preiß, Laura Schaupp, Theresa Schießer, Ronja Schmittfull, Christina Seufert, Nele Vollmuth, Anouk Wächter, Stephanie Wagner.