Ernüchtert, gleichmütig, perspektiv- und hoffnungslos - so lässt sich die Gefühlslage derzeit bei den Fußballvereinen im Landkreis zusammenfassen. Erst recht, seitdem der Corona-Lockdown bis 18. April verlängert wurde. Eine Miniumfrage zeigt: Die meisten haben nicht mal die Möglichkeit genutzt, unter bestimmten Auflagen zu trainieren. Und immer wieder treibt die Verantwortlichen eine bestimmte Frage um.

"Fünf Personen aus zwei Haushalten - da soll mir jemand erklären, wie ich trainieren soll." Martin Halbig, Trainer des FC Fuchsstadt, klingt schon etwas verzweifelt, als er ans Telefon geht. Seine Landesliga-Mannschaft hat das Training gar nicht erst aufgenommen, obwohl das ab 8. März möglich gewesen wäre.

Theoretisch. Denn die hohen Inzidenzzahlen im Landkreis Bad Kissingen (derzeit 91,1) ließen vernünftiges Üben im Erwachsenenbereich gar nicht zu. Nur bei einem Wert von unter 50 hätten sich zumindest zehn Fußballer zusammenfinden dürfen. Aber nur kontaktfrei.

Für Martin Halbig machte selbst das keinen Sinn. Mit der Möglichkeit seit 22. März, mit Kontakt draußen und durch einen tagesaktuellen Selbst-/Schnelltest abgesichert zu trainieren, beschäftigte er sich gar nicht mehr. "Ich wüsste auch nicht, wer das praktiziert."

Beim TSV Münnerstadt haben laut Abteilungsleiter Rainer Schmittzeh "ein, zwei Mannschaften im Jugendbereich mit dem Training angefangen, es aber schnell wieder eingestellt". Grund: die steigenden Coronazahlen.

Über Schnelltests abgesichert zu trainieren, macht für Schmittzeh keinen Sinn. "Es fehlt die Perspektive, wo die Reise hingeht, wofür man das macht. Von Politik und Bayerischen Fußballverband kommen keine Signale." Zwar hätten die Jungs Bock, wieder auf den Platz zu gehen und gegen den Ball zu treten. Aber ein Wettbewerb sei nicht in Sicht. Die Tendenz der Zahlen spräche auch dagegen.

Auch Kreisklassist VfR Sulzthal hat das Training nicht wieder aufgenommen. Laut Abteilungsleiter Jürgen Schneider sei angedacht gewesen, "mit den Kleinen wieder anzufangen". Doch bei den Bedingungen - ohne Körperkontakt - wäre der Spaß auf der Strecke geblieben.

Der TSV Volkers verfügt über keine Jugendabteilung. Aber auch fürs Männerteam hieß es weiter: Training ausgesetzt. Auch wenn das vielleicht mit vorherigen Schnelltests möglich gewesen wäre.

Lehrer und Schüler wichtiger

Abteilungsleiter Oliver Brust hält es für wichtiger, dass die Schüler in den Schulen getestet und die Lehrer geimpft werden. Und er stellt sich eine Frage, die sich alle Fußballer im Landkreis stellen dürften: Was geschieht mit der ausgesetzten Spielrunde mitsamt dem Ligapokal.

Bis 18. April gelte nun der Lockdown; danach habe der Verband eine Vorbereitungszeit von drei bis vier Wochen zugesichert. Das erste Ligaspiel finde nach der Rechnung Mitte Mai statt. Und Anfang Juni startet die um ein Jahr verschobene EM.

Spiele unter der Woche oder freitags und sonntags, über mehrere Wochen hinweg, hält Brust für "nicht durchführbar". Erst recht, da die Amateurteams ja nach monatelanger Pause vorher kaum trainieren könnten.