Die Zuschauer, die es mit dem Handball-Drittligisten HSC Bad Neustadt-Rhön halten, können sie nicht mehr hören, die "Auswärtssieg, Auswärtssieg"-Gesänge der gegnerischen Fans. Zum vierten Mal in Folge verloren die Rot-Weißen ein Heimspiel, diesmal 23:28 (14:15) gegen Altmeister TV Großwallstadt. Der letzte Sieg, ein 28:25 gegen Bad Blankenburg, datiert vom 14. November, das Saisonziel - ein Platz im oberen Tabellendrittel - gerät mit Leistungen wie am Samstagabend in weite Ferne.

Nach dem Abpfiff war bei HSC-Coach Margots Valkovskis eine gewisse Ratlosigkeit unverkennbar. Die Ansage von HSC-Hallensprecher Andreas Hanshans zu Beginn des Trainergesprächs konnte und wollte ihm nicht gefallen. "Es gehört ja inzwischen bei uns zum guten Ton, den Gästen die Punkte zu überlassen", hatte Hanshans gesagt.
"In der ersten Halbzeit war es ja noch ganz ordentlich", sagte Valkovskis, "aber dann habe ich in der Kabine wohl nicht mehr die richtigen Worte gefunden. Ich nehme die Niederlage daher auf meine Kappe."
Die Gastgeber, die sich für das Unterfrankenderby so viel vorgenommen hatten, kamen schlecht in Tritt und lagen, nachdem sie ihre ersten beiden Würfe nicht unterbringen konnten, zügig mit 0:2 zurück. Dabei überraschte die ungewohnte taktische Maßnahme, dass sofort ein Gegenspieler in Manndeckung genommen wurde. Maximilian Schmitt sollte es vorbehalten bleiben, den Liga-Torjäger Florian Eisenträger auszuschalten. Dies gelang im Prinzip auch ganz gut, aus dem Angriffsspiel heraus konnte Eisenträger das HSC-Tor kaum in Gefahr bringen. Dass er es letztlich, bis zu seinem verletzungsbedingten Aus in der 40. Minute, auf acht Tore brachte, lag daran, dass er sämtliche Konter unterbrachte.

Und davon gab es etliche, was daran lag, dass den Bad Neustädtern viele Fehler im Angriff unterliefen. Da wurden schwache Würfe genommen, ungewohnt viele wurden abgeblockt und technische Fehler zuhauf produziert. Trotzdem vermochten die Rot-Weißen erste Rückstände immer wieder auszugleichen, weil auch die Großwallstädter einige Fahrkarten schossen oder durch Fehlpässe den Ballbesitz verloren. Ihr großer Pluspunkt war der Tatendrang von Dennis Weit, das TV-Nachwuchstalent stieß immer wieder in die Lücken der HSC-Deckung und tankte sich bis zu Felix Schmidl, der ebenso einen gebrauchten Tag erwischte wie Fabian Tatzel, durch.

Die HSC-Verteidigung wusste sich so oft nur mit unfairen Aktionen zu helfen, was die thüringischen Referees gnadenlos ahndeten. Die Überzahlsituationen nutzten die Schützlinge von Heiko Karrer konzentriert aus, um Mitte der ersten Halbzeit aber auch Schwächen zu verraten. Da verloren sie für Minuten den Überblick, was zur erstmaligen Führung der Einheimischen (9:8 /17.) nach einem Tempogegenstoß durch Jan Wicklein führte. Der Rechtsaußen brachte sein Team mit 10:9 nochmals in Führung, verhungerte aber im zweiten Durchgang ebenso wie sein Pendant auf Linksaußen, Felix Wolf, mangels Zuspielen. Sicherheit brachte die knappe Führung nicht ins Spiel der Saalestädter, in den nächsten Minuten gelang den Gästen ein Dreierpack.

Den 10:12-Rückstand beantwortete Franziskus Gerr, der insgesamt wenige Anspiele bekam, mit einem Hattrick zum 13:12-Zwischenstand. Als Jan Wicklein das 14:13 erzielte, schien bei der Heimsieben noch alles im Lot, ehe der TVG durch einen Weit-Treffer ausglich und der HSC nach einem Fangfehler von Gary Hines mit folgendem Eisenträger-Konter doch noch mit Rückstand in die Kabine ging. Nach der Pause fehlte es den Valkovskis-Schützlingen an der notwendigen Präzision im Abschluss. Die zweiten 30 Minuten waren aus HSC-Sicht einfach unterirdisch.

Selbst Überzahlsituationen wurden nicht genutzt, ja man musste sogar Gegentreffer hinnehmen. Verzweiflungswürfe und ein sich nun steigernder gegnerischer Keeper Mile Matijevic verhinderten Torjubel. Der Gegner, der unter anderem auf Spielmacher Niklas Geck verzichten musste, konnte nach Belieben schalten und walten. Das 14:18 zwang HSC-Coach Valkovskis zu einer frühen Auszeit. Der Rückstand wuchs trotzdem, weil nach Zeitstrafen für Hines, der US-Amerikaner - diesmal im linken und rechten Rückraum eingesetzt - wirkte zum wiederholten Male fahrig und mutlos, und Falk Kolodziej, der es ebenfalls an Durchschlagskraft vermissen ließ, die Gäste die doppelte Überzahl konsequent nutzten. Die HSC-Offensive zerfiel jedenfalls in Einzelteile, bis zur 47. Minute (17:23) schaffte sie drei mickrige Tore. Den Vorsprung hielt der Zweitliga-Absteiger, dem insgesamt eine durchschnittliche Leistung genügte, bis zum Abpfiff.
Tore für den HSC: Jan Wicklein (8/2), Franziskus Gerr (4), Maximilian Schmitt (3), Konstantin Singwald (3), Vilim Leskovec (3), Gary Hines (2).