Die Gesundheit steht an erster Stelle. Das sieht auch Markus Winterstein so. Weil es dem Wildfleckener zuletzt nicht gut ging, gibt er zum Jahresende sein Ehrenamt als Kreisjugendleiter auf. Mit ihm gehen die beiden Jugendgruppenspielleiter Michael Moritz und Thomas Habermann. Persönliche Differenzen spielen keine Rolle, wohl aber Corona.

Die Zeiten sind unberechenbar geworden, auch im Jugendfußball. Mal herrscht Stillstand; dann muss es wieder Knall auf Fall vorangehen. "Früher hatten wir fünf bis sechs Wochen Zeit, um Spielpläne zu erstellen. Dann haben die Vereine drüber geschaut und Verbesserungsvorschläge eingebracht. Jetzt muss alles in zwei bis drei Wochen abgewickelt sein", berichtet Winterstein aus dem Alltag während Corona.

Der 44-Jährige koordiniert die Jugend-Kreisliga, kümmert sich um Pokal- und Hallenturniere inklusive Reservierung der Spielorte und Einladung der Vereine auf Fußballkreisebene.

Okay, das alles fällt momentan flach. Aber die Unsicherheit der vergangenen Monate generierte ein riesiges Informationsbedürfnis bei allen Beteiligten. Wintersteins Telefon stand fast nie still. Der Nachrichtenfluss vonseiten der Behörden sei indes mangelhaft gewesen, kritisiert der Wildfleckener. Entscheidende Informationen seien nicht oder nur unzureichend bei der Jugendspielleitung und den Vereinen eingegangen.

Abschied in Wehmut

Dieses Durcheinander, aber vor allem seine angeschlagene Gesundheit, haben Winterstein bewogen, sein Amt aufzugeben. Schließlich muss er auch noch seine Schichtarbeit bei Siemens in Bad Neustadt und den Hausbau stemmen. Da fehlten zuletzt die Entspannungsphasen. "Es fällt mir schwer, mein Amt aufzugeben. Ich habe 15 Jahre viel Spaß gehabt und Freunde gewonnen."

Michael Moritz zeichnete als Jugendgruppenspielleiter für die U13- bis U18-Mannschaften im Fußballkreis Rhön verantwortlich. "Ich bin beruflich sehr eingebunden. Da habe ich das Amt zeitlich nicht mehr hinbekommen", nennt er den Hauptgrund für seinen Rückzug. Der Oerlenbacher arbeitet als Personalentwickler, reist für Seminare viel im Land umher.

"In Corona-Zeiten ist es nicht geregelt wie bei einem normalen Spielbetrieb. Also nicht immer ein bisschen Arbeit, sondern mal nichts und dann wieder alles geballt", stellt auch Moritz fest.

Wie Winterstein betont auch er, dass keine zwischenmenschlichen Probleme den Rückzug begründet haben. "Mit Markus und Thomas habe ich mich brillant verstanden und ergänzt."

Moritz wird dem Rhöner Fußball erhalten bleiben - als Schiedsrichter und Trainer der der SG FC Eltingshausen I/FC Rottershausen II. Auch Winterstein schließt eine Rückkehr auf die Spielleiterebene nicht aus.

Thomas Habermann, der für die E- und F-Jugend sowie die Bambini zuständige Jugendgruppenspielleiter aus Oberstreu, war bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Kandidaten für zwei Posten

Beeinflusste Corona die Entscheidung der drei Jugendleiter zurückzutreten doch beträchtlich, bietet die Pandemie auch eine Chance. Sie gehen in einer Zeit, wo es zuletzt nicht mehr viel zu organisieren gab. So bleibt Zeit, Nachfolger zu suchen.

Rainer Lochmüller, Kreisvorsitzender des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV), dass zwei Kandidaten für die Posten gefunden sind. Am 20. Dezember sollen sie vom BFV-Bezirksverband berufen werden. "Vorher werde ich keine Namen nennen", so Lochmüller.

Dem Vernehmen nach wären die Posten des Kreisjugendleiters und eines der Jugendgruppenspielleiter damit besetzt. Bräuchte es nur noch einen weiteren. Die Neuen einzuarbeiten, dürfte sich Stand jetzt entspannt gestalten. Auch der Fußball steckt ja im Lockdown.