Vielleicht war es das letzte Mal, dass dieser Vorschlag von der Mehrheit der zwölf Vereine der Tischtennis-Bundesliga (TTBL) und vom Bundestag des Deutschen Tischtennis-Bunds (DTTB) abgelehnt wurde: Der Antrag lautete, dass Weltklassespielern eine Zweifach-Spielberechtigung erlaubt werde. Was zum Beispiel für den TSV Bad Königshofen und seinen ehemaligen Spieler Mizuki Oikawa bedeutet hätte, dass er sowohl für seinen Firmenclub in Tokio als auch für den TSV in Bad Königshofen antreten dürfte.

800 000 US-Dollar Preisgeld

Oikawa sieht genau darin seine Chance, wieder nach Deutschland zurückkommen zu können. Natürlich nicht nur er. Warum zum Beispiel sollte denn ein Kilian Ort nicht in den in Europa spielfreien Monaten in Japan spielen können? Hinzu kommt, dass sich die Strukturen des Weltcup-Zirkus' ganz aktuell hin Richtung Mini-Teilnehmerzahl und Maxi-Gewinnausschüttung verändern. Bei Einladungsturnieren wie dem am Sonntag im chinesischen Macau zu Ende gegangenen spielten nur 16 Spieler um 800 000 Dollar.

Andy Albert ist der Manager des Bundesligisten TSV Bad Königshofen und der Chef-Initiator für Weltklasse-Sport im Grabfeld. Er bewies sich als Visionär, als er vor 13 Jahren zusammen mit Josef Ort in Aussicht stellte: "In die Bundesliga steigen wir selber auf, wenn das die Bedingung ist, dass Kilian Ort nicht den Verein wechseln muss." Damals war Kilian Ort elf Jahre alt und der TSV Landesligist. Er ist Vordenker mit manchen mutigen Projekten, die inzwischen auch in der TTBL umgesetzt werden.

Frage nach der Identifikation

Ein Überzeugungs-Talent ist er auch: Im Beruf als B2B-Manager bei einem Elektrofachhändler für die Märkte Coburg und Lichtenfels sowie als TSV-Manager gegenüber Sponsoren und dem großen Helferteam. Mit seinen Prognosen liegt er auch nicht schlecht: Vor dem vergangenen Wochenende sah er zwei Siege auf das TSV-Konto kommen. Die Mannschaft lieferte sie in Ochsenhausen und daheim gegen Grenzau. Im März dieses Jahres, als er Oikawa wegen der Pandemie auf dessen Bitte hin aus seinem gültigen Vertrag entließ, hatte er fast beiläufig bemerkt: "Ich bin sicher, wir sehen uns wieder."

Das ist zumindest vorerst auf Eis gelegt. Am Rande des Spiels seiner Mannschaft am Sonntag gegen Grenzau erklärte er die Gemengelage etwas genauer. Das Hauptargument gegen die Zweifach-Spielberechtigung bei der TTBL-Umfrage und beim letzten DTTB-Bundestag sähen "deren Gegner darin, dass so die nötige Identifikation mit den Fans nicht zustande kommt. Da musste ich lächeln." Schließlich gehörten zu Identifikation "Spieler, Verein, Mannschaft, Fans, Fanclub, Sponsoren, Umfeld, Helfer, Medien und so weiter".

Man solle doch den Vereinen nicht vorschreiben, was sie unter Identifikation zu verstehen haben und wie man sie erreiche oder nicht. "Da sollte man eher mal nachfragen, wie das bei uns läuft", stellt er seinen Standpunkt klar. "Ich habe ihnen gesagt, Identifikation entsteht, wenn ein bayerischer Verein zwei Spieler aus Bayern, einen davon aus dem eigenen Nachwuchs, im Kader hat wie Bastian Steger und Kilian Ort. Oder wenn man Spieler hat, die schon fünf oder sechs Jahre beim Verein sind." Wie es Filip Zeljko ist oder Mizuki Oikawa war. "Das Publikum selber hat sehr wohl das Gespür dafür. Genau deshalb haben wir auch in normalen Zeiten so viele Zuschauer. Und wenn Mizuki immer nach Wochen oder gar Monaten aus Japan zurückkam, spielte, den Jetlag bekämpfte und gewann oder verlor, dann fragte niemand danach, was er zuvor in seiner Heimat getrieben hat. Ob er nur trainiert oder für einen Klub gespielt hat."

Andy Albert denkt an die Akteure

Albert begründet auch, warum sein TSV dafür war. "Wenn wir in der Bundesliga auf Dauer Weltklassespieler haben wollen, geht das nur über die doppelte Spielberechtigung, denn die müssen ja Geld verdienen." Was die Bad Königshöfer Spieler im Schnitt pro Jahr, erst recht in diesem, beim TSV verdienen, davon allein könne man nicht leben, geschweige denn etwas zurücklegen: "Wenn sie bei zwei Clubs angestellt sind, wäre es natürlich auch für uns leichter. Ich bin überzeugt, dieses Thema kommt irgendwann von ganz allein."Rudi Dümpert