Langsam wird es ernst für Timo Pitter mit seinem Plan, als Fußball-Profi Geld zu verdienen. Ende des Jahres beendet der Oberschwarzacher, der einst beim FC 05 Schweinfurt ausgebildet wurde, sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Creighton University in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska. Im Januar, nach seiner letzten Saison im Team der "Blue Jays", nimmt er am so genannten Draft, dem Auswahlverfahren von Jung-Profis, in der amerikanischen Profiliga Major League Soccer (MLS) teil.

"Im Moment", ist Pitter zuversichtlich, "sieht es gut aus, ich habe einen guten Ruf in der Liga, es kommt jetzt auf die kommende Spielzeit an." Wenn er da wieder der beste Vorlagengeber seiner Mannschaft wird und wie 2014 neben der Meisterschaft in der Liga auch in den landesweiten Play-Offs der besten Colleges ins Viertelfinale kommt, dürfte seine Chance, im Profifußball Fuß zu fassen, groß sein.
Zumal dem 22-Jährigen offensiven Mittelfeldspieler nach der vergangenen Spielzeit wieder zahlreiche Ehrungen zuteil wurden, die die Scouts in den USA zur Kenntnis nehmen. Die National College Athletics Association (NCAA), der Dachverband für alle 200 Colleges der ersten Division landesweit, zeichnete ihn als Mittelfeldspieler des Jahres aus. Auch die Fans am College - zu den Spielen im schmucken Uni-eigenen Stadion kommen im Schnitt mehr als 3000 Besucher, zu Spitzenspielen sogar über 10 000 - wählten ihn zum besten Spieler der vergangenen Spielzeit in ihrem Team.

Den Stress gewohnt

Längst ist klar, dass Pitter, der mit einem Sport-Stipendium in Creighton studiert, in den USA seine zweite Heimat gefunden hat. Die Verbindung zwischen akademischer Ausbildung auf hohem Niveau und professionellem Sport wäre in Deutschland unmöglich gewesen. Dass es Stress bedeutet, acht Mal pro Woche zu trainieren, die Spiele zu bestreiten, die teils mehrere Flugstunden entfernt ausgetragen werden und den Anforderungen der Professoren gerecht zu werden, stört Pitter wenig. "Ich bin das gewohnt", erzählt er schmunzelnd, gute Organisation ist alles, schließlich kann man ja auch auf langen Busfahrten oder Flügen lernen statt zu daddeln. Wegen dieses Fleißes schafft es Pitter auch, seinen Bachelor nach sieben Semestern abzulegen.

Der Fußballsport generell ist aufgrund der Erfolge der amerikanischen Nationalmannschaft unter dem deutschen Sommermärchen-Trainer Jürgen Klinsmann im Kommen. Pitters Traum, in das geplante neue MLS-Team in Miami, das der Ex-Profi David Beckham aufbaut, zu kommen, ist nicht unrealistisch. Außerdem profitieren auch die College-Teams von vielen ausländischen Fußballern, gerade aus Deutschland. Pitter ist bei weitem nicht der einzige Deutsche, der Sport und Ausbildung miteinander verbindet. Mit ihm spielen mit Fabian Herbers aus Ahaus und Vincent Keller aus Freiburg zwei Landsleute, sein Trainer Elmar Bolowich ist gebürtiger Mainzer. Die amerikanischen Universitäten bieten pro Sportart meist neun Vollstipendien - bei mehreren zehntausend Euro Kosten pro Jahr ein guter Deal, bei dem allerdings strikt darauf geachtet wird, dass die akademischen Leistungen nicht unter dem Sport leiden.

Ein Deutscher schaffte es übrigens vergangene Saison ins Finale des NCAA-Turniers. Dort verlor der ehemalige Jugendspieler des TSV 1860 München, Leo Stolz, mit seiner in Los Angeles beheimateten Universität UCLA erst im Elfmeterschießen gegen Virginia. Unlängst war Pitter zu Hause in Oberschwarzach, machte ein Praktikum bei einem Schweinfurter Schnellrestaurant, hielt sich fit und stieg danach ins Training ein. Am 28. August ist Saisonstart.

Rückkehr nicht ausgeschlossen

Neben dem Draft in den USA, streckt Pitter auch seine fußballerischen Fühler nach Deutschland aus. Den Weg seines Ex-Vereins FC 05 Schweinfurt verfolgt er genauso intensiv wie den der Kickers. Deren Aufstiegskrimi gegen Saarbrücken sah Pitter im Fernsehen, im Willy-Sachs-Stadion war er, als der FC 05 sich gegen den FV Illertissen im letzten Heimspiel den Klassenerhalt sicherte. "Wenn sich im Winter eine gute Möglichkeit in der Dritten Liga in Deutschland bietet, komme ich vielleicht zurück", so der Oberschwarzacher, der sich auch hierzulande bei Probetrainings empfehlen will.