TSV Farchant - Kissinger Wölfe 2:7 (0:1, 1:2, 1:4).
13 Uhr Abfahrt. Fast 16 Stunden und über 800 Kilometer später wieder zurück. Müde Körper, die da aus dem Bus stiegen, um die letzten Kilometer ins heimische Bett in Angriff zu nehmen. Aber der Trip hatte sich ja gelohnt. Weil die Wölfe in Garmisch den nächsten Dreier auf dem Weg in die Playoffs holten, damit in der Tabelle sogar an den Mighty Dogs aus Schweinfurt vorbeizogen auf Rang zwei, der das erklärte Ziel ist. Entsprechend gut war die Stimmung unter den Spielern und Fans. Erst recht, als Rami Heikkilä eine seiner berühmt-berüchtigten Gesanges-Einlagen zum Besten gab. Vergessen der Stress zuvor, denn der Feierabend-Verkehr hatte die Hinfahrt zum Nervenspiel werden lassen.

"Wir sind erst um 19.30 Uhr in Garmisch angekommen, daher hat das Spiel etwa 20 Minuten später begonnen. Der Gegner wurde entsprechend vorher informiert", berichtet Manuel Wießner vom Fanclub Lenzenberg. Das gute Verhältnis zwischen Spielern und Fans sorgte für Kurzweil. "Einige haben geschlafen oder Musik gehört, die anderen haben sich unterhalten. Erst kurz vor Garmisch haben wir die Gespräche eingestellt, weil sich die Jungs auf das Spiel konzentrieren müssen", berichtet Wießner. 15 Spieler und 15 Fans vertraten das unterfränkische Eishockey im riesigen Olympia-Eissport-Zentrum mit seiner 7000 Zuschauer fassenden, mit mehreren Eisflächen ausgestatteten Arena, in die sich 100 Zuschauer verirrt hatten.
Sportlich ist die Saison gelaufen für den Aufsteiger, der in der Zwischenrunde weiter sieglos ist. Aber allemal zum Stolperstein taugt, wie viele knappe Ergebnisse beweisen.


Chad Evans trifft doppelt

"Die Mannschaft hat das gemacht, was sie machen sollte", sagte Vorsitzender Michael Rosin zur konzentrierten Vorstellung der Nemirovsky-Truppe, die im Auftakt-Drittel vorlegte durch Donatas Vitte. Viktor Ledin erhöhte auf 2:0, ehe Chad Evans das Anschlusstor der Gastgeber mit dem dritten Kissinger Treffer beantwortete. Das Schlussdrittel war dafür eine eindeutige Sache, weil erneut Evans, Roman Nikitin, Rami Heikkilä und Christian Masel auf 7:2 stellten. Ein gebrauchter Tag für die Spieler des TSV Farchant, die Stunden vor der Partie erfahren mussten, dass ihr Trainer Stefan Meyer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung steht.
Den erfreulich deutlichen Pflichtsieg hatte Michael Rosin schnell abgehakt. Die drohende Schließung der Eishalle wird den Wölfe-Boss aber sicher über das Saisonende hinaus beschäftigen. Es sind Tage des Zorns für den 46-Jährigen. "Die Aussage der Stadt, dass die Halle definitiv geschlossen wird, wenn sich kein Investor findet, habe ich aus der Zeitung erfahren. Wir sind bekanntlich in Kontakt mit möglichen Investoren. Dennoch gehört es sich, die beteiligten Vereine vorab zu informieren anstatt uns auf diese Art und Weise vor vollendete Tatsachen zu stellen."

Das Zeichen an die Bürger findet Rosin fatal. "Als Verein wird man für seine ehrenamtliche Arbeit in den Himmel gelobt, hintenrum bekommt man eine reingedrückt. Was soll denn als nächstes geopfert werden? Der Wildpark? Das Hallenbad?" Unterschriften-Aktionen, Demonstrationen oder ein Bürgerbegehren hält Rosin für möglich, "weil wir unserem Verein, aber vor allem unseren Kindern eine sportliche Zukunft bieten wollen". 60 Kinder und Jugendliche hat der Verein mittlerweile unter seinen Fittichen. Und die Landesliga-Mannschaft ist das sportliche Aushängeschild.

"Für mich ist das die beste Mannschaft in der 40-jährigen Eishockey-Geschichte unserer Stadt. Die Truppe hat sich gefunden und verfügt über enorme Qualität", sagt Rosin. Eingeschlagen hat beispielsweise der junge Litauer Donatas Vitte. "Ihn haben wir ablösefrei verpflichten können, weil er in Herford aufgrund der Ausländer-Regelung nicht oft gespielt hat. Das ist ein extrem schneller und dynamischer Spieler." Ebenfalls aus Herford gekommen war der Kanadier Chad Evans, der seine Scorer-Qualitäten immer besser zur Geltung bringt. "Chad muss bedient werden, dann macht er die Dinger auch rein", weiß Rosin. Und: "Jeder macht derzeit seinen Job, mit Ausnahme der Stadt."