Kerzengerade steht der künstliche Feuerstein auf dem feinen Abrieb aus Kienspan. Das harzreiche Holz ist eigentlich ideal, damit aus dem Funkenflug eine kleine Feuer-Zunge wird. Soweit die Theorie. Ein paar Stunden zuvor hatte ich den Praxistest noch gemeistert, habe zum ersten Mal eine Flamme mit archaischen Hilfsmitteln und ein paar dürren Zweigen erschaffen. Doch jetzt drohe ich zu scheitern. Minute um Minute vergeht, indem ich den Feuerstein mit einer kleinen Stahlscheibe malträtiere. Immer von oben nach unten.

Die Funken fliegen, aber das Feuer springt im wahrsten Wortsinne nicht über auf das ätherische Kiefernholz. Auch das vertrocknete Gras von einem alten Vogelnest, das wir in der Nähe gefunden haben, und die zarte Birkenrinde taugen nicht als Brandbeschleuniger. Je mehr Zeit vergeht, umso stärker wird der Schmerz im Unterarm. Dazu nerven die Fliegen, die am nahen Wasser in Massen meinen verschwitzten Körper malträtieren.

Da hatte ich sie also: Die Herausforderung der etwas anderen Art, die ich als Sportredakteur gesucht habe. Ein Stresstest für Körper und Geist in unbekanntem Gelände. Keine Halle, kein Sportplatz. Und kein Luxus wie Duschen oder angrenzende Gastronomie. Nicht einmal Handy-Empfang hat unser malerischer Flecken. Dafür immerhin ein fließendes Gewässer und eine große Wiese inmitten einer Waldlichtung. In der Nähe ein Unterstand, der unser Nachtquartier werden wird.