Im aktuellen Lockdown ist es ziemlich ruhig geworden um den Amateurfußball der Region. Daran wird sich zumindest auf den Plätzen so schnell auch nichts ändern. Da kommt die Bekanntgabe des Wechsels von Großbardorfs Top-Torjäger Simon Snaschel beinahe als Paukenschlag daher: Der 30-Jährige schließt sich zur neuen Saison wieder dem TSV Münnerstadt an.

Für Simon Snaschel ist der Entschluss über einen längeren Zeitraum hinweg gereift: "Ab einem gewissen Alter muss man von Saison zu Saison schauen, ob es noch weitergehen soll. Im Herbst war für mich klar, diesen Aufwand nicht mehr betreiben zu wollen. Auf diesem Niveau muss so ziemlich alles dem Fußball untergeordnet werden. Das habe ich jetzt lange genug getan." Snaschel, der aktuell noch in der Münnerstädter Innenstadt wohnhaft ist, lässt in den kommenden Monaten mit seiner Ehefrau ein neues Eigenheim errichten. "Dieses Projekt spielte bei der Entscheidung eine wesentliche Rolle."

Bei den Torjägern ganz vorne

Jetzt geht es für Snaschel aber erst einmal darum, die Spielzeit mit den Grabfeld-Galliern gut zu Ende zu bringen. Der Stürmer belegt derzeit mit 20 Treffern den Spitzenplatz in der Torjägerliste der Bayernliga. "Natürlich würde ich mich über die Torjäger-Kanone freuen. Wichtig ist aber vor allem, die Runde mit der Mannschaft noch ordentlich zu Ende zu spielen. Realistisch betrachtet wird nach ganz oben nichts mehr gehen."

Wenn der vierte Platz behauptet oder gar noch eine Position gut gemacht werden könnte, wäre das für Snaschel ein schöner Erfolg. Der Abschied wird ihm nicht einfach fallen. "Viele Großbardorfer sind mir sehr ans Herz gewachsen. Diesen Mittelweg, ein Dorfverein zu sein, der Bayernliga spielt, den weiß ich ungemein zu schätzen."

Zu schätzen weiß Großbardorfs Teammanager André Betz auch die Qualitäten Snaschels, dessen Abgang für die Grabfelder einen herben Verlust darstellt. "Sicherlich brechen seine vielen Tore weg, noch schwerer wiegt jedoch der menschliche Verlust. Seinen besonderen Humor werden wir alle vermissen." Durch die frühzeitige Bekanntgabe sei jedoch genug Zeit vorhanden, auf den Abgang des Top-Torjägers zu reagieren. Darin könne laut Betz auch eine Chance für einige junge Stürmer liegen.

Herzensangelegenheiten

Nachdem für Snaschel feststand, den Bayernligisten nach der Runde verlassen zu wollen, war die Rückkehr zu seinem Heimatverein im nächsten Schritt zwar keine Selbstverständlichkeit, aber naheliegend. Von der Jugend an bis 2013 und zwischen 2016 und 2018 schnürte er bereits die Fußballschuhe für die Lauerstädter. "Für mich sind der TSV Großbardorf und der TSV Münnerstadt die zwei Herzensvereine, denen ich in meiner sportlichen Laufbahn sehr viel zu verdanken habe. Daher war Münnerstadt die erste Option. Hier habe ich meine Freunde, hier fühle ich mich wohl."

Ausschlaggebend waren auch die positiven Gespräche mit Abteilungsleiter Rainer Schmittzeh und Trainer Goran Mikolaj. "Danach war für mich relativ schnell klar, wohin die Reise nach der Runde gehen wird." Einig wurde man sich auch zügig darüber, worin zukünftig Aufgabenbereiche innerhalb der Mannschaft liegen werden. "Ganz wichtig ist mir, zu betonen, dass ich in erster Linie Spieler sein werde. Darüber hinaus unterstütze ich Goran natürlich sehr gerne, aber ich werde mich primär bestimmt nicht um die Aufstellung kümmern."

Vielmehr sieht Snaschel seine Zuständigkeit in der Kommunikation untereinander und im Mentalen. Der noch amtierende Co-Trainer Michael Knysak wird dem TSV nach der Saison in dieser Funktion nicht mehr zur Verfügung stehen. Nicht nur deswegen freut sich Münnerstadts Abteilungsleiter Rainer Schmittzeh außerordentlich über Snaschels Rückkehr zum Tabellenelften der Bezirksliga Ost. "Simon wird uns mit seinem Torinstinkt und seiner Erfahrung ungemein weiterhelfen. Wir haben viele junge, talentierte Spieler im Kader, da ist sehr viel Potenzial vorhanden."

Ein Charakter, der gut tut

Gerade in den Bereichen Selbstvertrauen, Kommunikation und Torinstinkt sieht Schmittzeh Luft nach oben. "Deshalb wird uns Simon als Goalgetter und als Charakter ungemein guttun, davon bin ich überzeugt." Dass die Zusammenarbeit mit Trainer Goran Mikolaj über die Runde hinaus weitergeführt werde, stand für Schmittzeh nicht zur Debatte: "Einen Trainer dieser Qualität findest du nicht so einfach. Wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Auch Goran freut sich riesig auf die Zusammenarbeit mit Simon."