Der silberne Henkeltopf geht nach Mittelschwaben: Der FV Illertissen hat den bayerischen Toto-Pokal-Wettbewerb 2021/22 gewonnen und tritt damit die Nachfolge von Türkgücü München an, das im Vorjahr an gleicher Stelle ebenfalls im Elfmeter-Krimi (8:7) triumphiert hatte. Im Finale 2022 setzte sich jetzt die Mannschaft von FVI-Trainer Marco Konrad in einem Duell zweier Regionalligisten mit 5:4 nach Elfmeterschießen gegen den Ligakonkurrenten TSV Aubstadt durch und sicherte sich damit auch den Startplatz in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokal-Wettbewerbs 2022/23. Nach Ende der regulären Spielzeit hatte es nach Treffern von Kento Teranuma (65.) und einem Eigentor von Alexander Kopf (77.) 1:1 gestanden.

"Wir haben ein vor allem nach der Pause packendes Toto-Pokal-Finale mit einem verdienten Sieger gesehen. Illertissen hatte kurz vor Ende der regulären Spielzeit die Möglichkeiten zum Sieg", sagte Verbands-Spielleiter Josef Janker: "Es war ein toller Rahmen - auch deshalb, weil Aubstadt von einer großen Welle der mitgereisten Fans getragen worden ist. Mit etwas Abstand dürfte man auch in Aubstadt auf eine furiose Toto-Pokal-Saison zurückblicken. Unser großer Dank gilt einmal mehr unserem Sponsor Lotto Bayern, der auch in diesem Jahr wieder ein absolut verlässlicher Partner war und der es uns überhaupt erst ermöglicht, den Toto-Pokal-Wettbewerb in dieser tollen Form auszutragen."

Illertissens Trainer Marco Konrad war nach dem Elfer-Krimi gänzlich aus dem Häuschen: "Was die Jungs heute geleistet haben ist Wahnsinn, darauf bin ich extrem stolz. Ein großer Dank aber geht auch an Aubstadt, das war Fußball, wie man sich ihn vorstellt - und dazu gehören zwei Mannschaften die entsprechend miteinander umgehen."

Enttäuscht und stolz zugleich

"Wir sind natürlich alle mega enttäuscht. Es war ein ausgeglichenes Spiel, bei dem uns am Ende im Elfmeterschießen das nötige Quäntchen Glück gefehlt hat. Auf der anderen Seite bin ich aber auch extrem stolz darauf, was wir geleistet haben", erklärte Aubstadt-Trainer Victor Kleinhenz, der kurz vor dem Anpfiff schon zum Wechseln gezwungen war, weil sich sein Stürmer Michael Dellinger beim Aufwärmen verletzt hatte - mit Verdacht auf Achillessehnenriss. Für ihn rückte der Reiterswiesener Björn Schönwiesner in die Startelf.

In einer ausgeglichenen Partie vor 1620 Besuchern im Ilertisser Vöhlinstadion setzten die Gastgeber bereits nach vier Minuten das erste dicke Ausrufezeichen. Mit den Fingerspitzen lenkte Aubstadts Keeper Lukas Wenzel einen Freistoß von Jannik Ikendo Wanner an die Latte, im Nachschuss setzte Goson Sakai den Ball über den Querbalken. Aber auch die ersten Aubstädter Möglichkeiten ließen nicht lange auf sich warten. Patrick Hofmann verfehlte den Kasten nach acht Minuten per Kopf nur knapp. In der Folge war dann Illertissens Schlussmann Felix Thiel gleich zweimal gefordert und klärte nach Schüssen von Björn Schönwiesner (22. Minute) und Leonard Langhans (31.) jeweils zur Ecke.

Eigentor bringt die Grabfelder zurück ins Spiel

Auch nach dem Seitenwechsel kamen beide Teams weiter zu guten Chancen: Zunächst parierte Thiel überragend gegen den nach einem Musterzuspiel von Patrick Hofmann frei aufs Tor zulaufenden Joshua Endres (52.), im direkten Gegenzug zögerte Kento Teranuma beim Abschluss einen Augenblick zu lange und bekam letztlich nicht ausreichend Druck hinter den Ball (53.). Zwölf Minuten später war Teranuma dann aber zur Stelle, ließ Wenzel nach einem sehenswerten Solo keine Abwehrchance und traf eiskalt zur Illertisser Führung (65.).

Diese sollte allerdings nicht allzu lange Bestand haben. In der 77. Minute brachte Alexander Kopf die Gäste aus Unterfranken mit einem Eigentor zurück ins Spiel. In der Nachspielzeit hätte Teranuma zum Matchwinner werden können, der gleich zweimal die Entscheidung auf dem Fuß hatte, den Ball aber nicht im Aubstädter Tor unterbrachte. So musste die Entscheidung wie bereits im Vorjahr vom Punkt fallen: Hier avancierte Felix Thiel zum Pokalhelden, der die Elfmeter von Christopher Bieber und Max Schebak parierte und damit den Grundstein für den Titelgewinn legte.

"Wir stehen jetzt mit leeren Händen da", sagte Aubstadts Kapitän Ben Müller: "Aber am Ende müssen wir das große Ganze sehen. Wir haben eine riesige Saison gespielt, zwei Drittligisten rausgehauen, da wollen wir in der neuen Spielzeit auch anknüpfen."

Wie bereits in den vergangenen Spielzeiten gibt Lotto Bayern im Rahmen einer Werbeaktion erneut für jeden erzielten Pokal-Treffer ab der 1. Hauptrunde bis zum großen Finale zehn Euro für die BFV-Sozialstiftung. In der vergangenen Saison kamen so 2960 Euro zusammen, die unverschuldet in Not geratenen Mitgliedern der bayerischen Fußballfamilie zugutekommen. In der nun beendeten Toto-Pokal-Runde waren insgesamt 427 Treffer gefallen, der Prämienstand liegt demnach bei 4270 Euro.BFV