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Bad Königshofen im Grabfeld
Tischtennis

Salifou wird der neue Oikawa

Bundesligist TSV Bad Königshofen hat den 30-jährigen Franzosen als Nachfolger des abgewanderten Japaners vorgestellt.
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In der kommenden Saison der Tischtennis-Bundesliga wird Abdel-Kader Salifou das Trikot des TSV Bad Königshofen tragen. Rudi Dümpert
In der kommenden Saison der Tischtennis-Bundesliga wird Abdel-Kader Salifou das Trikot des TSV Bad Königshofen tragen. Rudi Dümpert

Der TSV Bad Königshofen lässt die Katze aus dem Sack: Der Franzose Abdel-Kader Salifou hat das Rennen um den durch den Abgang von Mizuki Oikawa freien Platz im Kader gemacht. Manager Andy Albert hat sich lange Zeit gelassen, die Angebote geprüft, Sportliches und wirtschaftlich Vertretbares gegeneinander abgewogen und sich für den 30-Jährigen entschieden.

Dabei bezog Albert auch die Meinung des Stammtrios Kilian Ort, Bastian Steger und Filip Zeljko mit ein, die ihren neuen Teamkollegen aus der Liga und von internationalen Turnieren her gut kennen. "Wir wollten ihn eigentlich unseren Partnern und Fans live präsentieren und bis dahin mit der Bekanntgabe warten", sagt Albert. "Da Abdel aber auf unabsehbare Zeit nicht persönlich hier vorstellig werden kann, wollen wir unsere Fans nicht weiter auf die Folter spannen." Zudem hatte Salifou kürzlich am virtuellen Stammtisch des Fanclubs Ping-Pong-Ultras teilgenommen.

Wer das Heimspiel am 29. September und das Rückspiel am 22. Dezember 2019 gegen den TTC Neu-Ulm gesehen hat, kann sich an den ungeheuer aggressiv spielenden Franzosen erinnern. Beim 3:2-Sieg des TSV in der Hinrunde unterlag Salifou seinem Vorgänger Mizuki Oikawa in einem sensationellen Schlagabtausch mit 10:12 im 5. Satz. Damals hätten beide nicht an die nun erfolgte Entwicklung gedacht. Im Rückspiel (0:3) gewann Salifou gegen Bastian Steger nach Abwehr mehrerer Matchbälle und 4:9-Rückstand im 4. Satz (14:12) im 5. Satz mit 11:9.

Überhaupt weist ihn seine Bilanz der abgebrochenen Saison als Spezialisten mit starken Nerven für Fünf-Satz-Matches aus. Weniger zufrieden dürfte er mit seiner schwachen Einzel-Bilanz (6:11) sein. Die lässt sich umso weniger erklären, weil er den schwedischen Vize-Weltmeister Mattias Falck gleich zwei Mal sowie Bastian Steger (je 3:2), Daniel Habesohn und den Weltranglisten-Sechsten Hugo Calderano (je 3:0) schlagen konnte. Seine überzeugendsten Vorstellungen gab Salifou gegen die beiden Play-off-Teams aus Bremen und Ochsenhausen sowie gegen Bad Königshofen.

In der Weltrangliste schaffte er nie den großen Durchbruch. Seine beste Platzierung erreichte er 2018 mit Rang 83. Heute wird Salifou an 202 geführt. Etwas aussagekräftiger ist sein Q-TTR-Wert, der bei 2441 Punkten liegt. Fünf Mal nahm er für sein Heimatland an Welt-, sieben Mal an Europameisterschaften teil. Mit Neu-Ulm lag er bei Saisonabbruch vor dem letzten Spieltag punktgleich mitBad Königshofen auf Platz 8.

Salifou lebt in Grenznähe zum Saarland und gehört einer Trainingsgruppe in Saarbrücken an, in der auch der Ex-Bad-Königshöfer Darko Jorgic ständiger Sparringspartner ist. Sein Ritual vor jedem Spiel: Er dreht unmittelbar vor Spielbeginn eine Runde in der Box. Und für Tischtennis-Insider: Er spielt die Beläge Bluestorm Z1 auf Vor- und Rückhand sowie das Holz Ovtcharov Senso Carbon.

Als sportliches Vorbild gibt er Michael Schumacher an, als Hobbys Reisen und Kochen. Seine Spielweise bezeichnet er als aggressiv. "Ich bleibe gerne am Tisch und übernehme die Initiative, vor allem mit meiner Vorhand." Auch abseits des Tisches sollte Salifou gut zum TSV passen. Er gilt als "aufgeschlossen, herzlich und fröhlich, immer nett, immer gut gelaunt", so Neu-Ulms Team-Managerin Nadine Berti.

Sein zukünftiger Teamkollege Bastian Steger beschreibt ihn ähnlich: "Ich kenne ihn von internationalen Turnieren. Er ist ein lockerer und witziger Typ, trotzdem sehr professionell und im Spiel höchst konzentriert. Ein Kämpfertyp mit einer super Einstellung, der einen Satz nie verloren gibt. Das wird unseren Zuschauern gefallen, zumal er eine sehr attraktive Spielweise hat und eine extrem starke Vorhand, mit der er unheimlich viel Druck ausüben kann. Er hat ein gutes System, gute Leute geschlagen, was ich auch zu spüren bekommen habe. Er hat ein hohes Maximum und ist ein perfekter Neuzugang, mit dem wir alle viel Freude haben werden."

Im Interview

Ihre Einzel-Bilanz der vergangenen Saison in der Bundesliga lautet 6:11. Sie haben Gegner wie Vize-Weltmeister Falck, den Weltranglisten-Sechsten Calderano, Habesohn und Steger geschlagen, aber gegen weniger namhafte verloren. Wie können Sie das erklären?

Abdel-Kader Salifou: Zum einen war die letzte Saison meine erste in der Bundesliga. Und ich muss sagen, sie ist so hochklassig besetzt, dass nahezu jeder jeden schlagen kann. Zum anderen habe ich deshalb einige Dinge in meinem Spielsystem umgestellt. Das hat einige Zeit gedauert, bis ich damit zurecht kam, fast die ganze Vorrunde. Dann hatte ich es stabilisiert und es wurde immer besser.

Sie spielen eine herausragende Vorhand. Wie steht es mit der Rückhand?

Es ist mir klar, dass alle meine Gegner wissen, dass meine Vorhand meine beste Waffe ist. Ich versuche natürlich laufend meine Rückhand zu verbessern und habe auch schon Spiele speziell über die Rückhand gewonnen.

Es wird erzählt, Sie seien ein lustiger Bursche mit viel Witz und Humor. Sie seien aber auch im Spiel hoch konzentriert. Welches Geheimnis steckt dahinter?

Ich habe zwei ganz verschiedene Personen in mir: Im normalen Leben, finde ich, ist das Leben ganz einfach schön und cool. Es ist schön in der Familie und ich genieße es, wenn ich mit Freunden zusammen bin und lustig sein kann. Am Tischtennistisch ist das Leben etwas weniger lustig. Da versuche ich immer alles zu geben, mein Bestes aus mir herauszuholen.

Das Bad Königshöfer Publikum hat Sie gegen Mizuki Oikawa spielen sehen. Das war Weltklasse-Tischtennis. Es fiel auf, dass Sie vor jedem eigenen Aufschlag versucht haben, Blickkontakt mit Ihrem Gegner aufzunehmen. Das sah dann immer sehr unheimlich aus, wirkte nahezu böse. Was denken Sie in solchen Momenten und was beabsichtigen Sie damit?

Wie schon gesagt, das liegt an meiner Art der totalen Konzentration auf das Spiel und die Fokussierung auf den nächsten Ballwechsel. Es wurde mir von Leuten öfter berichtet, dass ich in solchen Momenten so aggressiv aussehe. Das ist mir selber nicht recht. Wenn ich mich auf Videos, speziell in Nahaufnahmen sehe, erschrecke ich selber darüber. Aber glauben Sie mir, das ist nicht der normale Abdel. Ehrlich, ich mache das nicht absichtlich, dass ich den Blickkontakt zum Gegner suche. Ich gebe zu, dass ich ungern verliere. Aber ich habe zu viel Respekt vor meinem Gegner, als dass ich es mit solchen Mitteln versuchen würde. Ich benötige und benutze keine unlauteren Mittel, um ein Spiel zu gewinnen. Ich werde, sobald es möglich ist, kommen, dann können sich die Leute davon überzeugen.

Sie kennen Darko Jorgic, der eine Saison beim TSV spielte, aus Ihrer Trainingsgruppe. Was hat er Ihnen über Königshofen berichtet?

Er sagt, es sei ein perfekter Klub mit einer großen sportlichen Historie und ich könne froh darüber sein, bei ihm und vor so einem Publikum spielen zu dürfen. Er sagte, die Leute sind so nett und hilfsbereit und würden mich bestimmt so annehmen und unterstützen wie ihn, als er dort war. Ich könne mich jetzt schon darauf freuen.

Was haben Sie sich vorgenommen?

Ich möchte erfolgreich spielen und meiner Mannschaft dabei helfen, gute Resultate zu erzielen. Ich möchte, dass die Zuschauer stolz auf unser Team sind, dass wir ihnen Siege schenken können, dass sie froh und zufrieden nach Hause gehen und wiederkommen. Wenn das gelingt, wird es eine gute Saison.Rudi Dümpert