Jörg Bennecke führt Strichliste. Ganz akurat. Und ganz schön markant. Auf der Wade nämlich. "Ende des Jahres geht's immer zum Tätowierer, um die Liste meiner absolvierten Marathonläufe zu aktualisieren", verrät der 50-Jährige. Es ist wahrlich ein Beinschmuck der besonderen Art, für den sich der Läufer der LG Kaufungen da entschieden hat. Über den 26 "Kerben" finden sich die römische Ziffern für die Länge eines Marathon-Laufs: 42,195. Die sechs Sterne auf der anderen Wade beschäftigen sich selbstredend ebenfalls mit der Passion des Hessen, der nach 03:37 Stunden das Ziel erreichte. "Die zwei ausgemalten Sterne stehen für meine Teilnahme an den Marathons in Berlin und New York. Die Läufe in London, Boston, Tokio und Chicago, wo ich im Oktober mit meiner Frau starte, sind noch offen", sagt Bennecke, der 2010 seinen ersten Königslauf absolvierte und zum zweiten Mal in Ramsthal dabei ist in der Vorbereitung auf den Bilstein-Ultra-Marathon über 57 Kilometer Anfang Mai.


Der 100. Marathon

Das Tattoo-Studio spart sich Erika Stirmann (04:08 Stunden). Aber ganz genau mitgezählt hat die Läuferin von der LT Hemsbach, die sich mit einigen Teamkollegen gezielt für ihre Premieren-Teilnahme im Weindorf entschieden hatte, um dort ihren 100. Marathon zu laufen. Für die gebürtige Alzenauerin, die ihren ersten Marathon im Jahr 2003 absolvierte, ist das Laufen Ausdruck von Lebensfreude. "Ich genieße das. Und hier finde ich eine abwechslungsreiche Strecke vor, die auch mal durch den Wald und zu schönen Punkten führt."
Natürlich wurde Erika Stirmann im Ziel von Jürgen Kunkel besonders willkommen geheißen. "Fernab von den großen Veranstaltungen ist das hier ein familiärer und landschaftlich attraktiver Lauf. Und es ist immer wieder schön, die Freude in den Gesichtern der Teilnehmer im Ziel zu sehen", sagte der Moderator, der bis zum letzten Läufer die Stellung am SV-Sportgelände hielt. Und das war Joachim Söllner vom SV Krautheim, der sich nach 06:14 Stunden ins Ziel schleppte.

"Schön, aber anspruchsvoll." Eva-Maria Schmitt hatte ihr Statement zur Strecke fix auf den Punkt gebracht. Die Läuferin vom TSV Rannungen hatte - nach Dresden - erst ihren zweiten Marathon absolviert, und diesen gleich gewonnen mit der Siegerzeit von 03:32 Stunden. "Dabei hatte ich mir weder Zeit noch Platzierung vorgenommen. Ich bin in der Vorbereitung für den Marathon in Regensburg Ende Mai, und da will ich 03:15 Stunden laufen", verrät die 27-Jährige, die aktuell ein Wochenpensum von 60 bis 70 Laufkilometer hat. Die Strapazen einer solchen Herausforderung scheinen ein zusätzlicher Ansporn zu sein für das Leichtgewicht. "Je länger, desto besser. Und kurz unter der Kotzgrenze ist schon in Ordnung", sagt die Poppenhäuserin. Abwechslungsreich muss das Laufen für die überzeugte Vegetarierin allerdings sein, die demnächst am Rennsteig startet und am 7. Mai an "Wings for life" in München teilnehmen will, einem weltweit zur gleichen Zeit stattfindenden Lauf für eine Stiftung zur Rückenmarksforschung. In den Dienst der guten Sache hatte sich auch das "Ingenieurteam GbR" aus Oberthulba gestellt. 49 Teilnehmer hatte Joachim Heinlein zum Mitmachen motivieren können, die am Samstag insgesamt 566 Kilometer zurücklegten. Zwei Euro pro Kilometer wollte der Geschäftsführer für die DKMS stiften und rundete den Scheck kurzerhand auf 1200 Euro für die Unterstützung von Knochenmarkspenden auf.


Der Laufpirat

Zu den Methusalems der hiesigen Szene gehört Günter Straub. Mit dem roten Tuch um den Kopf und dem Bart sieht der 70-Jährige wie ein jung gebliebener Laufpirat aus, der seinen 56. Marathon gemeinsam mit seinen Team-Kollegen Markus Veth (26) und Holger Veth (48) im "Lauf der Generationen" in 04:07 Stunden hinter sich brachte. "Ich habe mich relativ kurzfristig für eine Teilnahme entschieden. Zum Schluss war es schon eine Qual, aber ich war sogar fünf Minuten schneller als erhofft", sagte der Niederläurer, der sich 1993 erstmals an diese Langstrecke herangetraut hatte und in Ramsthal bei allen acht Veranstaltungen immer dabei war, viermal davon auf der Halbmarathon-Strecke.


Die fixen Erlanger

Die schnellste Fahrgemeinschaft an diesem Tag kam allerdings aus dem Mittelfränkischen. Im Marathon wiederholte Markus Kristian Siegler von der LG Erlangen seinen Vorjahreserfolg, blieb dabei gut zehn Minuten über der Zeit aus 2016. "Mehr war diesmal nicht drin in den Beinen. Und wenn man so lange alleine läuft, ist das auch nicht so einfach. Daher bin ich natürlich zufrieden, zumal ich mich hier in Ramsthal sehr wohl fühle", sagte der 36-Jährige.

"Ich gebe es zu. Ich hatte mit dem Streckenrekord geliebäugelt", gab mit Felix Lermer der Teamkollege zu Protokoll, der bei seiner zweiten Teilnahme in Ramsthal den Halbmarathon in 01:17 Stunden mehr rannte als lief. Damit den Rekord (01:16:47), aufgestellt von Matthias Krah vom TV Bad Brückenau im Jahr 2014, nur um etwa eine halbe Minute verpasste. Und später eher beiläufig von einem Trainingslauf sprach in der Vorbereitung auf den Düsseldorf-Marathon am 30. April. "Im Oktober bin ich in Frankfurt 02:38 Stunden gelaufen, diese Zeit will ich verbessern", sagte Felix Lermer, der aktuell bis zu 170 Kilometer (!) in der Woche abspult. Und der sich kurz vor dem Startschuss tatsächlich 14 Kilometer eingelaufen hatte. "Wenn ich einen direkten Konkurrenten gehabt hätte, wäre die Zeit sicher besser gewesen. So hat der letzte Biss einfach gefehlt."

Marathon Männer 1. Markus-Kristan Siegler (LG Erlangen) 02:50:21; 2. Frank Steinbrecher (k.A.) 03:09:38; 3. Ludwig Schraud (RV Viktoria Halsheim) 03:13:27; 4. Manuel Kölker (Seidenraupen Krefeld) 03:15:39; 5. Tobias Winkler (der-marathon-toby) 03:23:21; 6. Henrik Kloss (k.A.) 03:25:36; 7. Christian Mahr (FIS-ASP) 03:26:38; 8. Torsten Heß 8 LG Rippershausen) 03:26:53; 9. Ludwig Röhrig (TSV Mittelstreu) 03:29:54; 10. Torsten Würtz (LG Kaufungen) 03:31:44.

Marathon Frauen 1. Eva Maria Schmitt (TSV Rannungen) 03:32:16; 2. Magdolna Stemler (k.A.) 03:39:13; 3. Anette Gerstner-Hartmann (LG Würzburg/Speed-Max Team) 03:53:33; 4. Erika Stirmann (LT Hemsbach) 04:08:29; 5. Susanne Sußebach (k.A.) 04:09:12; 6. Andrea Zange (Meißen) 04:15:45; 7. Marion Rack (RV Viktoria Wombach) 04:19:27.

Halbmarathon Männer 1. Felix Lermer (LG Erlangen) 01:17:36; 2. Janek Binzen (k.A.) 01:20:52; 3. Axel Berndt (LG Erlangen) 01:23:31; 4. Daniel Schmidt (SC Ostheim) 01:23:51; 5. Christian Schulz (k.A.) 01:25:28; 6. Patrick Wenzl (TSV Rechtenbach) 01:25:56; 7. Stephan Bayer (k.A.) 01:26:17; 8. Michael Amann (LG Lohr) 01:27:39; 9. David Kiesel (TG Schweinfurt) 01:29:22; 10. Christian Albert (TG Schweinfurt) 01:29:49.

Halbmarathon Frauen 1. Nadine Richter (SC Ostheim) 01:34:29; 2. Anke Härtl (Rennsteiglaufverein) 01:43:22; 3. Karina Steffan (TSV Karlstadt) 01:48:31; 4. Carmen Krebs (TSV Karlstadt) 01:50:12; 5. Heidrun Hirt (TV/DJK Hammelburg) 01:51:09; 6. Claudia Siebel (k.A.) 01:53:57; 7. Christina Clemens (Hambach Night Runners) 01:55:11; 8. Melanie Klein (TSV Waigolshausen) 01:56:00; 9. Heike Renninger (Klinik Bavaria, Bad Kissingen) 01:56:15; 10. Judith Harnus (k.A.) 01:56:51.

10 km Männer 1. Tibur Güssen (SRAM) 00:33:57; 2. Michael Wetterkind (DJK Schweinfurt) 00:34:56; 3. Christoph Oehrlein (Biketeam CALOR) 00:34:59; 4. Filiman Habtmicael (k.A.) 00:36:27; 5. Nagassa Labecha (TV/DJK Hammelburg) 00:38:33; 6. Frank Schwehla (LG Karlstadt-Gambach-Lohr) 00:39:42; 7. Sebastian Geb (Feuerwehr Geldersheim) 00:40:01; 8. Aman Mohammdai (staatliche Berufsschule Bad Kissingen) 00:40:25; 9. Daniel Wilm (SV Herschfeld) 00:41:01; 10. Johannes Milde (k.A.) 00:41:04.

10 km Frauen 1. Susanne Haßmüller (SC Ostheim) 00:41:49; 2. Verena Ibel (RV Viktoria Wombach) 00:42:41; 3. Ramona Schneider (TSV Münnerstadt) 00:49:38; 4. Patricia Schodorf (Stadt Bad Kissingen) 00:50:04; 5. Ida Göbel (VfR Burggrumbach) 00:50:40; 6. Carmen Haberland (TV/DJK Hammelburg) 00:50:51; 7. Hanna Hoffmann (SV Herschfeld) 00:51:12; 8. Annika Oberhagemann (staatliche Berufsschule Bad Kissingen) 00:51:50; 9. Katharina Ott (k.A.) 00:53:36; 10. Anna Lena Larbig (Ingenieurteam GbR) 00:54:59.

Alle Ergebnisse finden sich im Internet unter folgendem Link:
www.saaletal-Marathon.de