"Riedenberg hat überrascht", hieß es in der letzten Saison recht oft nach Begegnungen der Grün-Weißen gegen leicht perplexe Kontrahenten, wenn diese wieder einmal mit leeren Händen dastanden. Tatsächlich haben die SVler eine prima Bezirksliga-Saison gespielt, die sie bis auf Platz 5 im Endklassement führte. "Und dabei wäre eine bessere Platzierung möglich gewesen, wenn wir nach 14 ungeschlagenen Spielen zum Rundenauftakt in der Rückrunde nicht geschwächelt und aufgrund von vielen Unentschieden nur noch wenige Punkte eingefahren hätten", so Coach Rüdiger Klug im Rückblick.


Spitzenplätze im Blick

Dieser will auch in der Saison 2016/17 sein Team wieder ins obere Tabellendrittel führen, "wobei es nicht leicht wird, wir fangen wieder bei Null an und werden sicher nicht unterschätzt". Der Kader ist weitgehend unverändert geblieben, es sind keine Abgänge zu verzeichnen. "Lediglich Thomas Schaab hat angekündigt, etwas kürzer treten zu wollen", so Klug. Schaab, der in der vergangenen Saison alle Spiele bestritt, war einer der Garanten des Erfolgs, weil er die Defensive zuverlässig stabilisierte. Mit Christoph Matthes steht aus beruflichen Gründen ein weiterer Innenverteidiger nur bedingt zur Verfügung. Auf die Defensive baut der Coach aber auch zukünftig. "Auf der Basis einer stabilen Abwehrleistung wollen wir durch schnelles Umschaltspiel die Offensive forcieren", so sein Vorhaben. Verbesserungsbedarf sieht er dabei im Tempospiel, mit Diagonalpässen soll außerdem über die stets besetzten Außenbahnen (Fröhlich, Simon Hergenröder) die gegnerischen Abwehrreihen auseinander gezogen und destabilisiert werden. "Was immer mehr im Kommen ist, sind Chip-Pässe in den Rücken der Abwehr, das frühe Durchkombinieren fällt allen Mannschaften immer schwerer", so seine Erkenntnis aus der Europameisterschaft.

Diese Offensivvariante funktionierte in der Vorbereitung ganz gut, wobei Klug als weitere Verbesserungsmöglichkeit die Handlungsschnelligkeit bei wenigen Ballkontakten des Einzelnen ansieht. "Vom Spiel mit viel Ballbesitz in der eigenen Hälfte halte ich wenig, weil der Gegner bei dieser Spielweise nur Zeit bekommt, seine Abwehr zu organisieren", so Klug weiter.


Kaum Neuzugänge benötigt

Die Vorbereitung verlief bei guter Trainingsbeteiligung fast wunschgemäß. Neben Schaab, der nur dezent eingriff, fehlte der Ersatzkeeper Niklas Gerhard wegen eines USA-Aufenthalts. In Sachen Neuzugängen machten die Riedenberger Verantwortlichen keine großen Sprünge. "Erstens werfen wir nicht sinnlos Geld zum Fenster hinaus, zweitens suchen wir unsere Verstärkungen nur im begrenzten regionalen Umfeld", so Abteilungsleiter Stefan Dorn: "Eigentlich warten wir darauf, dass junge und ehrgeizige Spieler durch den Wechsel zu uns sich sportlich verbessern wollen."

Zum Kreis der Neuen gehört der Schondraer Patrick Barthelmes, dem Klug ebenso wie Alexander Latus, der von der SG Wildflecken/Oberwildflecken gekommen ist, durchaus den Sprung in den Bezirksliga-Kader zutraut. "Beiden merkte man zunächst die untere Klasse schon an", berichtete Klug, der mit Wohlwollen feststellte, dass sich beide vor allem in Sachen körperlicher Fitness verbessert haben. "Das soll keine Kritik an ihren bisherigen Trainern sein", schränkt der erfahrene Coach ein, "aber ein Fußballspieler quält sich halt oft nur in dem Maße, wie es der Gegner verlangt - und man sich selbst einen Stammplatz bewahrt". Bis es bei Barthelmes und Latus zu einem Stammplatz reicht, wird wohl noch etwas Zeit vergehen, "wobei ich bei Barthelmes den Eindruck habe, dass der Knoten geplatzt ist". Latus musste auf die letzten Trainingseinheiten wegen einer Zerrung verzichten und konnte auch die Reise zum letzten Vorbereitungsspiel, das bei der U19 von Rot-Weiß Erfurt bestritten wurde, nicht mitmachen.

Auch hinter dem Einsatz von Torjäger Stefan Wich - der in der Vorrunde eine klasse Serie mit mehreren Doppelpacks hinlegte, aber verletzungsbedingt in der Rückrunde nicht mehr so oft jubeln konnte - steht da noch ein kleines Fragezeichen. Bei Dominik Fröhlich, der die linke Offensivseite beackert, lief es umgekehrt, nach langer Verletzungspause kehrte er Mitte der Vorrunde zur gewohnten Form zurück. Überhaupt litten die SVler wieder einmal unter Verletzungsproblemen, wobei die sogenannten Ergänzungsspieler meist verlässlich in die Bresche sprangen.


Teamgeist ist Trumpf

Erfreulich ist, dass Philipp Dorn nach Abschluss seiner Ausbildung wieder regelmäßig vor Ort ist und vermehrt während der Woche trainieren kann. "Unser großer Vorteil gegenüber manch anderer Mannschaft ist einfach der Teamgeist", findet Stefan Dorn, "es kämpft jeder für Jeden, über diesen Kampf können wir auch spielerisch den Kontrahenten auf Augenhöhe gegenübertreten".

Wichtig ist ein guter Saisonstart, wobei die Grün-Weißen gleich zwei Heimspiele binnen vier Tagen zu bestreiten haben. Zunächst wird der Aufsteiger aus Gochsheim einem ersten Liga-Tauglichkeitstest unterzogen, dann gibt in einer vorverlegten Partie mit den Ramsthalern ein weiterer Aufsteiger seine Visitenkarte im Sinntal ab. "Das werden keine Spaziergänge", ist sich Klug sicher: "Beide Klubs haben souverän die Meisterschaft errungen und werden die Erfolgsserie der letzten Saison nahtlos fortsetzen wollen."