In dieser Saison ist vieles anders. Wissen wir. Strenge Hygienekonzepte, begrenzte Zuschauerzahlen, Spielverschiebungen. Aber wenn dann auch noch höhere Gewalt Liga und Vereine zusätzlich belastet, kann man sich kaum vorstellen, wie ein einigermaßen geregelter Spielbetrieb in den kommenden Monaten zu stemmen sein wird.

Es stand, nach zwei verlorenen Sätzen, 15:12 für Hammelburg, als es zum ersten Mal durch die Decke der Weingartenhalle tropfte. In der Feldmitte der Hammelburger hatte sich eine kleine Pfütze gebildet, sodass das Spiel erstmals unterbrochen wurde. Eilig wurde gewischt, eine Wanne zum Auffangen der Wassertropfen auf dem Feld positioniert. Es folgten bange Blicke nach oben, hatte es vielleicht aufgehört zu regnen?

Das Spiel wurde erneut angepfiffen, doch alle Hoffnung auf ein Weiterspielen musste begraben werden, als es erneut zu tropfen begann. Die Schiedsrichter handelten beim 22:19 für Hammelburg: Spielabbruch. "Die Gesundheit der Spieler geht vor", schrieben die Gastgeber auf ihrer Instagram-Seite. Richtig und super ärgerlich für Kriftel zugleich, hatte das Team doch bis dahin eine blitzsaubere Leistung gezeigt vor den etwa 50 Zuschauern, alle mit Mund-Nasenschutz und in gebührendem Abstand. 

An den Laptops verstand man die Welt ohnehin nicht mehr, weil der Live-Ticker plötzlich nicht mehr tickern wollte. Schnell reagierten die Hammelburger auf ihrer Facebook-Seite mit "Breaking-News", doch die Verwirrung sollte weitergehen, als auf der Website des Volleyballverbandes plötzlich 3:0 für Kriftel zu lesen war und mit Oscar Benner und Kriftels Fabian Däke sogar zwei MVPs ausgewiesen wurden. Die Erklärung ist simpel: Im elektronischen Spielberichtsbogen ist ein Spielabbruch schlichtweg nicht vorgesehen, somit musste es "virtuell" beendet werden. 

Ach ja, Volleyball gespielt wurde an diesem Abend freilich auch noch und würde man sich einer schlechten Metapher bedienen, hätte man den eindringenden Regen vielleicht als Petrus' Tränen für das Hammelburger Spiel ausweisen können - zumindest in den ersten beiden Durchgängen. Kriftel war fokussiert, konzentriert und zeigte sich vor allem in der Block- und Feldabwehr höchst effizient. Bei den Saalestädtern haperte es oft schon am ersten Ball, was dem Angriffsspiel die Variabilität nahm.

Die Gastgeber dagegen zeigten Geschlossenheit inklusive einer herausragenden Block-Abwehr. Zu dieser Gemengelage auf Hammelburger Seite, gesellten sich viel zu viele Aufschlagfehler. Erst im dritten Durchgang wich die Mutlosigkeit einem aufflammenden Kampfgeist. Vor allem der eingewechselte David Baden sorgte auf der Diagonalposition für tolle Akzente - bis der aufkeimende Spielfluss der Saalemannen aus bekannten Gründen gestoppt wurde. Anfang kommender Woche wird über die Spielwertung entschieden.

In der Nordliga gab es im Übrigen einen ähnlichen Vorfall: Hier wurde die Partie VC Bitterfeld-Wolfen gegen den FC Schüttdorf 09 aufgrund eines Wasserschadens in der Halle erst gar nicht angepfiffen. Das Hammelburger Trainergespann wird die kommenden Woche intensiv nutzen, um an den Schwächen zu arbeiten, bevor am Samstag das allererste Heimspiel gegen Grafing auf dem Programm steht.