Weihnachten ist auch das Fest der Familie. Meistens jedenfalls. Und dafür nimmt man schon mal eine weite Anreise in Kauf. Nur: Was diese vier Menschen auf den Tacho gespult haben, da können die Wenigsten konkurrieren. Denn zusammen haben der Fitzendorfer Tom Schütz, der Oberschwarzacher Timo Pitter, der Donnersdorfer Thomas Meißner und der Schweinfurter Stephan Schröck rund 20 000 Kilometer Anreise hinter sich gebracht. Das Quartett spielt Profifußball. Und zwar rund um den Globus verteilt.

Tom Schütz kommt da am besten weg. Den Zweitliga-Spieler von Arminia Bielefeld trennen 326 Kilometer von seiner unterfränkischen Heimat, dem Burgpreppacher Ortsteil Fitzendorf. Schütz absolvierte 15 von 17 möglichen Partien und stand dabei stets in der Startelf. "Mit den Einsatzzeiten bin ich natürlich zufrieden, keine Frage", sagt der ehemalige Junioren-Nationalspieler, weniger allerdings mit dem Abschneiden seiner Armina: Die Bielefelder sind am letzten Hinrunden-Spieltag auf den Abstiegs-Relegationsplatz gerutscht. "Das ist nicht das, was wir uns vorgestellt haben", sagt Schütz, "aber es wird immer besser. Das macht Hoffnung, dass wir nach 34 Spielen mindestens einen Platz weiter oben stehen. Das ist entscheidend und deshalb lasse ich mir von der Tabelle auch nicht den Urlaub vermiesen."

Den verbringt der defensive Mittelfeldmann zumindest über die Feiertage im Elternhaus, wo auch Schütz' Großmutter lebt und zwei Tage vor Heiligabend ihren 90. Geburtstag gefeiert hat. Der Enkel war mit Frau Franzi und dem anderthalbjährigen Junior Paul rechtzeitig da, "das nimmt man gerne mit und die Oma freut sich. Nach Weihnachten bleibe ich noch ein, zwei Tage. Es ist immer cool, die Familie um sich herum zu haben und auch zu den Kumpels von früher hat man kurze Wege." Zumindest im Geiste ist für Schütz auch der Weg zu seinem Heimatverein kein weiter: "Ich verfolge den TSV Burgpreppach, das ist mein Ursprung und immer ein Anlaufpunkt", sagt der Profi über den Achten den Kreisklasse 4, bei dem nicht nur zahlreiche Cousins und Kumpels kicken, sondern Bruder Daniel auch Sportleiter und Onkel Michael Busch Vorsitzender ist. "Wenn ich daheim bin, versuche ich immer, bei den Spielen vorbeizuschauen. Es macht Spaß, die Kumpels anzufeuern. Die Jungs schauen andererseits auch mal in Bielefeld zu." Bei der Arminia geht's für Schütz am 3. Januar mit dem Trainingsauftakt weiter.

Da darf Stephan Schröck die Beine noch hochlegen. Der Schweinfurter hat noch bis 15. Januar Vertrag beim philippinischen Klub Ceres La Salle FC, mit dem er eben erst eine erfolgreiche Saison abgeschlossen hat. Ausgeliehen von der SpVgg Greuther Fürth spielte "Schröcki" ein Jahr für den Erstligisten jenes Landes, für das er seit 2011 auch in der Nationalmannschaft aufläuft. In der Liga wurde der Verein Zweiter, "für unsere Ansprüche eigentlich zu wenig", sagt der 30-Jährige, zählt aber andere Erfolge auf: Ceres FC erreichte als erstes philippinisches Team die K.-o.-Runde der Asia League, dem Pendant zur europäischen Champions League. Und beim angesehenen Singapur Cup ging's bis ins Halbfinale. Schröck ist der erste philippinische Spieler, der dort Torschützenkönig wurde. In der Liga traf er 19 Mal, in Fürth war er alles andere als treffsicher. "Tore kann man nur schießen, wenn man vorne eingesetzt wird", erinnert er sich daran, beim Kleeblatt zu Abwehrarbeit verdonnert gewesen zu sein.

Dennoch wird er am 15. Januar im Ronhof verspätet in die Vorbereitung einsteigen. "Stand jetzt muss ich da aufschlagen" - mit der Überzeugung, "dass ich der Mannschaft auch helfen kann. Auch wenn das Gefälle auf den Philippinen riesig ist, die fünf Top-Teams können mit dem unteren Drittel der deutschen 2. Liga mithalten. Ich bin fit. Und Fürth kann jede Hilfe gebrauchen." Aber zunächst wird Weihnachten gefeiert, nach der Weltenbummelei ganz zurückgezogen: "Mit Frau und Kind und Kegel zu Hause in Schweinfurt. Wir werden die Ruhe genießen." Letzteres tut er bereits seit zwei Wochen, hatte in der Zeit auch ein zufälliges Gespräch mit FC-05-Boss Markus Wolf und sagt über den Regionalligisten: "Ich verfolge das alles, auch die Ambitionen. Ich habe noch nie im Willy-Sachs-Stadion gespielt. Aktuell ist es kein Thema, aber grundsätzlich vorstellbar." Vorstellbar ist ohnehin viel für einen, der über 10 000 Kilometer aus seiner fußballerischen Heimat nach Hause hat fliegen müssen. Auf den Philippinen war alles anders, so Schröck: "Infrastruktur und Wetter waren Extreme. Bei 40 Grad auf Kunstrasen, das ist Wahnsinn. Alles war eine unglaubliche Erfahrung für meine Familie und mich, das muss ich erst verarbeiten."

Einiges zu verarbeiten hat auch Timo Pitter. Der 24-Jährige hat ein aufregendes Jahr in den USA hinter sich - mit Höhen und Tiefen. Beim so genannten Draft im Januar, bei dem sich die amerikanischen Profiklubs aus der Major League Soccer die besten College-Spieler aussuchen durften, bekam er vom FC Dallas einen Vertrag bis Ende 2017. "Die Vorbereitung verlief sehr gut, ich habe sechs Tore geschossen", lebte Pitter seinen Traum vom Durchbruch. Doch für die Liga war er zunächst nicht spielberechtigt, die Ausstellung des Visums verzögerte sich. So verlor er den Anschluss, nur einmal wurde er in der MLS eingewechselt, spielte neun Minuten. Dallas, das beste Team der amerikanischen Punkterunde in der MLS und in den Play-Offs im Viertelfinale gegen den späteren Meister Seattle ausgeschieden, lieh Pitter im Sommer zwei Monate an sein Farm-Team in die dritte Liga aus, den Oklahoma City Energy FC. "Da lief es gut", so Pitter. In zwölf Spielen schoss er drei Tore. Es ging wieder zurück nach Dallas, wo er mit dem FCD den MLS-Pokal gewann. Doch meist war Pitters Platz angesichts des starken Kaders auf der Tribüne. "Das Leben in Dallas ist toll, der Verein sehr gut geführt. Aber sportlich war es ernüchternd." Im Moment ist er zu Hause bei Freundin Natascha und seiner Familie. Und hält sich fit - entweder für die Saisonvorbereitung mit Dallas ab 16. Januar, oder einen Wechsel nach Europa. "Ich bin offen für etwas Neues", bestätigt Pitter, dass sein Berater den Markt sondiert. Ob auch die alte Heimat Willy-Sachs-Stadion ein Thema ist? Gespräche gab es keine, "ich habe mir da noch keinen Kopf gemacht, aber ich bin ja heimatverbunden."

Das gilt auch für Thomas Meißner. Der Donnersdorfer Profi bei ADO Den Haag in der holländischen Eredivisie genannten ersten Liga spielte in seiner Jugend für den FC 05, ging dann ins Löwen-Internat. Dort freundete er sich mit dem jetzigen Nullfünfer Marius Willsch an, mit dem er sich kürzlich mal zum Essen traf. Das war's aber auch schon mit dem Kontakt, denn Thomas Meißner lebt seinen Traum, fühlt sich nach dem Wechsel vom MSV Duisburg, der in der Relegation gegen die Würzburger Kickers den Kürzeren zog und in die Dritte Liga abstieg, nach Holland pudelwohl. Zum einen, weil er in Rotterdam heimisch geworden ist. Zum anderen, weil es sportlich super läuft: Von den 17 Spielen bisher machte der Innenverteidiger 15 von Anfang an, war einmal verletzt und einmal gesperrt. Die Angebote vor der Saison waren zahlreich für Meißner, "bei Den Haag hatte ich das beste Gefühl." Im Moment ist ADO 14. mit 17 Punkten, "wir sind gut gestartet, haben einige 50:50-Spiele verloren. Ich bin sicher, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben." Für seine sportliche Entwicklung sei die Eredivisie ideal, so Meißner, da man in Holland im traditionellen 4-3-3-System spiele und Wert auf fußballerische Lösungen lege. In Den Haag könne man in aller Ruhe arbeiten, was der 25-Jährige schätzt: "Wir hatten viele Gespräche, ich kann mich hier zum Führungsspieler entwickeln und es freut mich, dass ich so viel Spielzeit bekomme."