Wenn am Samstag zum vorgezogenen Termin um 18 Uhr die Hammelburg Volleys das Sportjahr 2021 mit dem Heimspiel gegen die TuS Kriftel begrüßen, wird Philipp Fischer zum ersten Mal in verantwortlicher Position an der Seitenlinie stehen. Der neue Trainer der Saalestädter ist 30 Jahre alt und arbeitet als Trainingstherapeut. Der Vater von zwei Kindern, der in Gerbunn lebt, hatte mit der Heirat den Namen seiner Frau angenommen und hieß früher Fäth.

Um Sie besser kennenzulernen: Welche Stationen gab es in Ihrer Volleyball-Karriere - als Spieler und Trainer.

Philipp Fischer: Spieler war ich beim TV Mömlingen von 2001 bis 2011. Danach wechselte ich für eine Saison zur TGM Mainz-Gonsenheim, um dann wieder für den TV Mömlingen zu spielen. Dort war ich in der Saison 2014/2015 auch Spielertrainer, ehe ich ab 2015 dieses Amt beim TSV Eibelstadt übernahm, bis der Wechsel nach Hammelburg folgte. Beim TV Mömlingen war ich von 2006 bis 2011 Jugendtrainer, wurde da mit unserer D-Jugend im Jahr 2009 sogar Deutscher Meister. Zwischen 2011 bis 2015 hatte ich auch die Unterfrankenauswahl trainiert, wo zum Beispiel der Hammelburger Moritz Karlitzek mit dabei war. 2011 gewannen wir gemeinsam den Bayernpokal.

Erstes Training in der Saaletalhalle: Was geht einem da vor der Begegnung mit der neuen Mannschaft durch den Kopf?

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht nervös war. Man hofft, dass das Training so abläuft wie man es sich auch vorgestellt hat und die Jungs die Ansagen verstehen und Tipps und Hilfen auch annehmen.

Wie schaut der Einstand aus?

Wie der Einstand aussieht kann ich erst nach dem Wochenende sagen (lacht).

Sie sind ein noch junger Trainer. Die Spieler erwarten womöglich einen Kumpel-Typ. Was für einen Coach bekommen sie denn?

Wenn Sie meine Frau fragen, dann bin ich sehr analytisch und ein "Denker", weshalb ich manchmal eher distanziert wirke. Somit würde ich mich nicht als typischen jungen Trainer im Sinne des "Kumpel-Typs" bezeichnen. Mir ist es jedoch sehr wichtig, dass im Gespräch offene und ehrliche Worte gewählt werden. Nicht nur die Spieler, sondern auch ich als Trainer sollte mit Kritik umgehen können.

Falls es personell eng werden würde: Stünden Sie als potentieller (Zu-)Spieler parat?

Dieses Szenario kann ich nahezu ausschließen. Erstens haben wir mit Hannes Krochmann und Laurentiu Vinatoru zwei herausragende Zuspieler. Und zweitens, bis ich nach drei Monaten ohne Ball in der Hand wieder fit wäre, ist die Saison vermutlich vorbei (lacht).

Ihr Stiefvater ist Cheftrainer in der Frauen-Bundesliga, der Bruder Volleyball-Profi in Italien: Sehen auch Sie Ihre berufliche Zukunft im Volleyball?

Das ist korrekt. Mein Stiefvater Christian Sossenheimer ist seit 2010 beim 1. VC Wiesbaden im Trainerstab und mein Bruder David Sossenheimer spielt als Profi in Perugia (Italien). Über diese Frage habe ich mir ehrlich gesagt noch nicht so wirklich Gedanken gemacht. Ich befinde mich zwar derzeit in der A-Trainer-Ausbildung, womit durchaus auch ein Engagement im Profibereich möglich wäre. Allerdings habe ich mir das selbst nie als Ziel gesetzt.

Der Rücktritt von Cornel Closca zur Winterpause kam ja doch etwas überraschend. Hatten Sie danach mit einem Anruf aus Hammelburg gerechnet?

Cornels Rücktritt war für mich in der Tat überraschend. Allerdings habe ich beide Infos - Cornels Rücktritt und die Traineranfrage - im gleichen Telefonat erhalten, von daher kann ich die Frage schlecht beantworten.

Werden Sie über die Saison hinaus bei den Volleys bleiben?

Mein Vertrag ist bis zum Saisonende befristet. Länger kann und möchte ich aufgrund der aktuellen Lage vorerst nicht planen.

Einen Austausch mit dem Ex-Trainer gab es ja wohl im Vorfeld. Gibt es diesen immer noch?

Cornel hat mir seine Unterstützung zugesagt, wenn ich sie benötigen sollte. Auch wenn ich das Angebot sehr schätze, hoffe ich, nicht darauf zurückgreifen zu müssen.

Neben dem Trainer hat auch Libero Aaron Dettmer die Mannschaft verlassen. Wird es neben dem jungen Lukas Baden auf dieser Position einen neuen Namen geben?

Lukas hat schon in einigen Spielen in der Hinrunde gezeigt, dass er Aarons Lücke schließen kann. Die Verpflichtung weiterer Spieler ist momentan kein Thema.

Viel Zeit zum Eingewöhnen hatten Sie nicht: Können Sie eigene Ideen überhaupt schon fürs erste Spiel umsetzen?

In der Kürze der Zeit, wir hatten bislang vier Trainingseinheiten zusammen, ist es unmöglich seine eigene Spielphilosophie umzusetzen. Ich versuche allerdings schon, meine Ideen Stück für Stück und Training für Training weiter zu geben.

Wo hatten Sie in den vergangenen Wochen den meisten Redebedarf?

Im Erklären meiner Übungen.

Es fehlen von der Tribünen die Emotionen des Publikums: Muss der Trainer unmittelbar vor dem Spiel daher mehr pushen?

Den Spielern ist die Situation ja nicht mehr neu. Daher glaube ich eigentlich, dass sie diesbezüglich sensibilisiert sind. Sollten sie im Spiel allerdings einen "Arschtritt" brauchen, werden sie ihn bekommen (lacht).

Die Musikauswahl der Hammelburger Hallen-DJs ist ja legendär bunt. Was darf auf deren Playlist keinesfalls fehlen?

In Eibelstadt fand ich "Se bastasse una canzone" (Eros Ramazzotti) ganz amüsant.

Die Lage Die Rückrunde beginnt, allerdings ist man in der 2. Bundesliga von einem normalen Spielbetrieb vor dem Hintergrund der Pandemielage weit entfernt. So finden von acht angesetzten Begegnungen an diesem Wochenende, nur zwei Spiele statt. "Jedem Team wurde das Recht eingeräumt, bei einem Inzidenzwert über 200, eine Spielverlegung bei der VBL zu beantragen", erklärt Olly Wendt und fügt hinzu: "Alle Teammanager der Liga stehen in regelmäßigem Austausch mit der Volleyball Bundesliga und hatten sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, den Ligabetrieb fortzuführen." Doch es gibt auch Teams, die aus verschiedenen Gründen vorzeitig die Reißleine gezogen haben: Mit dem VV Human Essen (2. Bundesliga Nord Herren) und dem BSV Ostbevern (2. Bundesliga Nord Damen), hatten zwei Teams vom Angebot der VBL gebrauch gemacht, den Ligabetrieb ohne allzugroße bürokratische Hürden zu verlassen.

Der Gegner Trotz aller Unwegsamkeiten freuen sich Hammelburgs Verantwortliche, ihren Fans und Sponsoren endlich wieder Live-Volleyball präsentieren zu können, wenn auch erstmal weiterhin nur per Live-Stream. Mit den Gästen aus Kriftel (12./10 Punkte) kommt ein Team ins heimische Wohnzimmer, für das die Saison bis dato alles andere als rund läuft. Mit nur drei Siegen aus zwölf Spielen stehen die Hessen im unteren Tabellendrittel. Wie jedes andere Team, lebt auch die Truppe von Trainer Tim Schön von der Annahme. Beim Hinspiel Anfang Dezember entpuppte sich allerdings diese bei den Hessen als buchstäblicher Wackelkandidat. Damals hatten die Hammelburger Jungs mit einer bärenstarken Aufschlagleistung den Krifteler Annahmeriegel massiv unter Druck gesetzt und damit die Grundlage für den deutlichen 3:0-Erfolg gelegt. Den Hessen fehlt seit mehreren Spielen ihr prominentester Neuzugang: Torben Tidick-Wagner. Ob der 37-jährige Zuspieler, der trotz fortgeschrittenem Volleyballalter immer noch zu den besten Strippenziehern der Liga gehört, gegen die Volleys wieder auf dem Spielberichtsbogen steht, bleibt abzuwarten. olly