Viele Wochen war Nina Christof nicht mehr in Deutschland. Jetzt kehrt sie relativ überraschend heim. Wie Vieles derzeit hat das mit dem Corona-Virus zu tun.

Gut, dass es so gute Mitbewohnerinnen gibt: Schon im dritten Jahr lebte Nachwuchsnationalspielerin Nina Christof aus Hammelburg am Sportinternat mit Haley Winn, einer Spielerin des U18-Teams der Vereinigten Staaten auf dem Zimmer. Doch als ihre private katholische Highschool Corona-bedingt vor drei Wochen schließen musste, durfte Christof bei Haleys Eltern Mike und Janet Winn in Penfield (Bundesstaat New York) unterschlüpfen.

Für Ninas Vater Thomas Christof eigentlich nicht der Erwähnung wert: "Das ist ja das Besondere an Eishockey-Teams. Alle Eltern hätten sie bei sich aufgenommen."

Eishalle blieb offen

Dass es die Winns wurden, ist praktisch. Konnte die Hammelburgerin dort doch - trotz aller Einschränkungen, die es zunehmend auch in den USA gibt - ihren Lieblingssport weiter ausüben. Anders als in Deutschland hat die nächstgelegene Eishalle nicht komplett dichtgemacht. Privat konnten die 18-Jährige, Haley und andere Eishockey-Verrückte weiter dort trainieren, berichtet Vater Christof. Und hätten es weiter getan. Die 1000 Schüsse mit dem Puck pro Tag, die die Spielerinnen absolvieren müssen, leisteten beide Mädels auf dem Grundstück der Winns.

Dass seine Tochter schon diesen Mittwoch oder Donnerstag wieder in Frankfurt einfliegt, hängt mit der Schulschließung zusammen, sagt Thomas Christof. "Eigentlich hätte Nina Unterricht bis Mitte Juni gehabt. Aber Stand jetzt ist die Schule bis Ende April zu. Wir haben gewartet und gehofft, dass sie bald wieder anfängt. Doch in den USA wird es ja mit Corona eher schlimmer."

Besondere Einreisehürden standen Ninas Rückreise nicht im Wege, sagt der Vater. Allerdings war es schwierig, einen der wenigen Linienflüge zu buchen, der noch Richtung Deutschland geht. Jetzt führt die Route von Rochester/NY über Chicago nach Frankfurt. Dort wird Christof seine Tochter abholen.

Ungewisse Ankunftszeit

Wann genau, weiß er aber noch nicht. Und das könnte zum Problem werden. Denn sollte Nina - wider Erwarten - erst am 10. April in Deutschland ankommen, besteht dann schon eine neue Einreiseregel: Alle aus dem Ausland Eintreffenden müssen für zwei Wochen in Quarantäne. Schwebt die Hammelburgerin wie geplant am Donnerstag, 9. April in Frankfurt ein, gilt das noch nicht. Ein früherer Flieger, der bereits am Dienstag aufsteigen sollte, war übrigens ausgefallen.

Nun kommt Nina Christof aus einem Land, in dem Corona wütet, in ein Land, das sogar schon etwas länger mit dem gefährlichen Virus kämpft. Auf den ersten Blick ein Satz vom Regen in die Traufe. Doch Thomas Christof betont, dass der Hauptgrund für die Rückkehr nicht war, dass seine Tochter in Deutschland besser aufgehoben wäre. Tatsächlich machte er sich wegen ihrer Jugend um sie auch in den Vereinigten Staaten nicht allzu große Sorgen.

Letztlich folgte er auch einer Empfehlung vom Auswärtigen Amt, Angehörige aus Corona-Gebieten lieber heimzuholen. Das Gebiet im Bundesstaat New York, in dem Nina lebte, sei bisher nicht von dem Virus betroffen gewesen. Es liegt auch Hunderte Kilometer von der Metropole gleichen Namens entfernt, in der die Krankheit gerade einen hohen Tribut fordert, mehr in Richtung Niagara-Fälle, an den Großen Seen.

Vater Christof freut sich sehr, dass seine Tochter nun für länger in die Heimat zurückkehrt. Er weiß aber auch, dass ihre Gefühlslage gemischt sein wird: "Einerseits ist sie sicher froh, wieder zurück zu sein. Andererseits fehlen ihr hier die Eiszeiten." Immerhin: Ein Netz und Schläger für die 1000 Schüsse mit dem Puck liegen auf dem heimischen Grundstück bereit.

Bis August in der Heimat

Nina bleibt übrigens auch in Deutschland, wenn die Schule in den Staaten wider Erwarten vor Juni noch einmal öffnen sollte. Erst im August geht es wohl wieder über den Atlantik.

Das bietet auch einen gewissen Vorteil. Am 21. März sollte sie aufgrund ihrer nationalen Erfolge zu denjenigen zu denjenigen gehören, die als Landkreis-Sportler des Jahres geehrt werden sollten. Ein Termin, den sie von den USA aus nie hätte wahrnehmen können.

Doch auch diese Ehrung ist wegen Corona verschoben. Wann er stattfindet, bleibt unklar. Doch die Christofs hoffen, dass das in den nächsten Wochen sein wird, wenn Nina noch in der Heimat weilt.