Der Steilpass segelt von Peter Leitsch auf Niko Schreiner gaaanz weit, genau genommen übers Meer. Der 23-jährige Mottener studiert derzeit ein halbes Jahr in Finnland. Das größte Hobby des Offensivspielers ist der Fußball; er spielt auch gerne eine Runde Darts.

Wer hat Sie angespielt?

Das war Peter Leitsch. Er war mein Kapitän in der U19 der JFG Sinntal/Schondratal. Die Position hat gut zu ihm gepasst, weil er sich immer um alles rund um die Mannschaft gekümmert hat. Da ich damals 17 war und wir an Wochenenden viel als Team unternommen haben, habe ich dann praktisch bei Leitschens gewohnt. Der Kontakt ist nach meinem Wechsel in die Heimat ein bisschen weniger geworden. Aber wenn man sich über den Weg läuft, merkt man davon nicht viel.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Ich habe 2001 angefangen beim SC Motten. 2013 bin ich nach Schondra und somit in die U17 der JFG gewechselt - aus mehreren Gründen. Zum einen war mein Jahrgang in Motten relativ schwach, weshalb wir zu dieser Zeit eine weitere SG Richtung Hessen mit etwa sieben Dörfern eingegangen sind und ich ohnehin nicht in Motten hätte spielen können. Zudem wollte ich unbedingt bei meinen Freunden in Bad Brückenau in der Schule mitreden können, wenn sie nach dem Wochenende über die Spiele gegeneinander sprachen.

Aber warum wurde es Schondra?

Ich hatte ein paar gute Freunde, die dort beziehungsweise Riedenberg gespielt haben; der entscheidende Kontakt ist durch meine damalige Freundin zustande gekommen. Ihr Vater war mitveranwortlich für die Jugendarbeit in Schondra. Als er mitbekam, dass ich mit dem Gedanken spiele, eine Zeit in Bayern Fußball zu spielen, hat er mich letztlich überzeugt.

Wie ging es nach der Zeit im Nachwuchs weiter?

Zur Saison 2016/17 bin ich in die Herrenmannschaft nach Motten gewechselt. Das war von Beginn an mit allen in Schondra abgesprochen und hat einwandfrei funktioniert. Ich war natürlich froh, wieder an meinem Sportplatz zu spielen. Aber man muss auch sagen: Die Zeit in Schondra war nahezu perfekt; wir hatten tolle Mannschaften und Trainer. Auch abseits des Platzes war die Stimmung immer super.

Seit Januar studieren Sie in Finnland. Wieso ausgerechnet dort?

Regulär studiere ich in der dualen Hochschule in Mosbach Betriebswirtschaftslehre/Handel, bin im 4. Semester. Die Studenten der Hochschule haben gute Möglichkeiten, innerhalb ihres Studiums ein Semester im Ausland zu verbringen. Nach Absprache mit meinem dualen Partner, der Theodor Herbert GmbH & Co. KG in Motten, war das überhaupt kein Problem.

Ich war nie so richtig scharf auf ein Auslandssemester. Aber dieses Jahr hat vieles gepasst und da hab ich mir gedacht: Du meldest dich mal an und falls das mit Corona möglich ist, dann nimmst du das mit. Im Moment bereue ich es nicht. Wenn die Fußballrunde in Deutschland aber fortgesetzt werden kann, werden die Sonntage mit Sicherheit hart für mich.

Wo in Finnland sind Sie gelandet?

In Hyvinkää (60 Kilometer nördlich von Helsinki, d.R.). Dort bin ich am 5. Januar angekommen und musste erstmal zwei Wochen in Quarantäne. Jetzt sind wir seit circa einem Monat im Semester. Offiziell geht es bis zum 28. Mai.

Haben Sie denn in Finnland schon Fußball gespielt? Darf man das wegen Corona überhaupt?

Am 19. Januar war meine Quarantäne zu Ende. Am 20. bin ich ins Einkaufscenter gelaufen und habe mir einen Ball samt Luftpumpe gekauft. In der Woche danach haben wir mit anderen Austauschstudenten die Gegend erkundet und ich hab' Ausschau nach einem schneefreien Platz gehalten. Nach ein paar Ausflügen hab ich einen schönen Kunstrasenplatz circa 20 Minuten entfernt gefunden. Als wir das erste Mal mit einer kleinen Gruppe auf den Platz kamen, wussten wir nicht genau, ob das alles rechtens ist, was wir machen. Nachdem wir zehn Minuten gekickt haben, kam ein Verantwortlicher mit einem kleinen Traktor und hat den kompletten Platz vom Schnee befreit. Wir haben das so interpretiert, dass er froh war, mal wieder jemandem auf dem Feld zu sehen.

Ist es in Finnland nicht zu kalt, draußen zu spielen? In Deutschland hat's grad bis 20 Grad minus.

Bei unserem ersten Versuch als Gruppe waren es minus 15 Grad. Es geht gerade so; aber nach zwei Stunden kann man nicht mehr gegen den Ball treten, weil die Füße eingefroren sind.

Und finster ist es ja im Winter in Finnland auch, oder?

Anfang Januar war es noch sehr dunkel; aber es wird von Tag zu Tag besser. Hier stehen in den kleinsten Gassen Laternen, die die ganze Nacht brennen. Im Juni ist es quasi durchgehend hell; bis dahin sitze ich aber wieder in Motten.

Eine Alternative wäre die Halle...

Für gewöhnlich findet zu dieser Zeit Hallentraining statt. Das ist aber komplett abgesagt wegen Corona. In der Uni habe ich einen Spanier kennengelernt, der schon sein zweites Semester hier ist. Er hat mir versprochen, Bescheid zu geben, sobald das Hochschulteam ins Training einsteigt. Momentan ist das den kompletten Februar gestrichen.

Ist das nicht schwer, so (fast) ohne Ball?

Es war's vor allem, weil ich schon seit September darauf verzichten musste. Ich habe mir bei einem Auswärtsspiel das rechte Schlüsselbein gebrochen. Bis mir wieder erlaubt wurde, laufen zu gehen oder Übungen mit dem Ball zu machen, war die Runde leider coronabedingt schon wieder auf Eis gelegt.

Halten Sie viel Kontakt in die Heimat und zum SC Motten?

Selbstverständlich. Ich bin sehr verwurzelt im Dorf und im Verein und häufig im Austausch mit unserem 1. Vorstand Holger Porzelt.

Wie läuft es denn so beim SC?

In Hessen haben wir ja anders als in Bayern eine reguläre neue Saison im August gestartet. Allerdings war es uns aufgrund der unterschiedlichen Regelungen der Länder bis in den Oktober nicht gestattet, gegen nichtbayrische Teams Heimspiele auszutragen. Wir sind mit sieben Auswärtsspielen am Stück gestartet. Ein, aber mit Sicherheit nicht der einzige Grund für unsere maue Hinrunde. In der kurzen Zeit, in der Spiele möglich waren, durften wir leider nur zwei daheim austragen. Eine mehr als bescheidene Situation für unseren Verein. Aber wir stehen zusammen und kommen da alle bald wieder raus; da habe ich keine Bedenken.

Wann kehren Sie aus Finnland nach Motten zurück?

Das hängt davon ab, wie die Runde fortgesetzt wird. Wir haben zwei Abstiegskracher in den Wochen, bevor ich offiziell zurückkomme. Falls die stattfinden, versuche ich um den 14. Mai heimzukommen, um die Spiele mitzunehmen.

Das klingt nach extremer Verbundenheit.

In Motten spielt quasi meine ganze Familie Fußball und mein jüngster Cousin hat letztes Jahr den Sprung ins Herrenteam geschafft. Wenn alle fit sind, besteht praktisch die halbe Mannschaft aus meinen Cousins. Das ist was Besonderes für uns alle, zumal unser Opa Erwin Müller eine Ikone in unserem Sportverein war.

An wen spielen Sie weiter?

Ich gebe weiter an den Fabian Rottenberger vom TSV Steinach. Er spielt aber auch Tischtennis beim TSV Arnshausen. Meine ältere Schwester hat ihn mir vor ein paar Jahren vorgestellt und mittlerweile ist er mein Schwager in spe.

Steilpass-Regeln: Das Spielfeld haben wir deutlich breiter gesteckt. Der Spieler muss lediglich aus dem Landkreis Bad Kissingen kommen oder dort aktiv sein. Und zwar nicht zwangsläufig als Fußballer. Jeder Sportler und jede Sportlerin darf angespielt werden. Abwechslung ist angesagt!