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Tennis

Neue Runde: Vorfreude contra fehlende Ziele

Die Medenrunde 2020 wird eine ungewöhnliche. Der TC Rot-Weiß zog mehr als die Hälfte seiner Teams zurück. Der TSV Maßbach beschäftigte kurzfristig eine Unterfränkische Meisterin. Und der FC Eltingshausen fährt zweigleisig.
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Nicht um Pokale (wie hier beim Tschuggimuggi-Cup 2019), dafür um Spaß und die Goldene Ananas geht es in der diesjährigen Medenrunde im Tennis. Gerade die leistungsbezogenen Mannschaften treten kaum an. Foto: Archiv/Jürgen Schmitt
Nicht um Pokale (wie hier beim Tschuggimuggi-Cup 2019), dafür um Spaß und die Goldene Ananas geht es in der diesjährigen Medenrunde im Tennis. Gerade die leistungsbezogenen Mannschaften treten kaum an. Foto: Archiv/Jürgen Schmitt

Es wird keine gewöhnliche Medenrunde. Von 50 Tennis-Teams aus dem Landkreis Bad Kissingen treten zwölf, vor allem aus höheren Ligen, erst gar nicht zu den Wettkämpfen an. Für die restlichen 38 gilt: endlich wieder Spaß auf dem Tennisplatz haben.

Sie hätten so gern ihre Runde in der Landesliga gespielt - die Herren 30 des TC Rot Weiß Bad Kissingen. Doch am Ende sagten zu viele andere Mannschaften ab, informiert TC-Sportwart Markus Wittek auf Nachfrage. Da habe auch der Vorschlag des Bayerischen Tennisverbandes nichts genutzt, die beiden Landesligen für ein ausreichendes Starterfeld zusammenzulegen. Aber da hätte beispielsweise Regensburg nach Aschaffenburg reisen müssen - eine zu weite Reise für die Oberpfälzer.

Fehlende Gegner, zu weite Wege und die mangelnde sportliche Herausforderung, gepaart mit Corona-bedingten Erschwernissen - sie sind auch der Grund, warum alle anderen Männer-Mannschaften des TC RW (Herren 55 bis 70) ihre Teilnahme an der Medenrunde auf Verbandsebene abgesagt haben.

So treten die Kissinger Herren 65 und 70 in Landes- und Bayernliga gewöhnlich gegen Teams aus Regensburg, Cham oder Passau an. Doch die kilometerfressenden Reisen würden diese Saison zu sportlichen Mustern ohne Wert geraten. Nicht nur, weil es keine Auf- oder Absteiger gibt. Den ostbayerischen Teams fehlen ihre für Geld spielenden Legionäre, zum Beispiel aus Tschechien. Die kommen nur, wenn es um etwas geht, sagt Wittek.

Wobei: So ganz unattraktiv fiele eine Teilnahme an der Medenrunde diesen Sommer nicht aus: Sollte eine Mannschaft aus einer höheren Liga für nächste Saison zurückziehen, könnte ein Spitzenplatz in der Spielklasse darunter den Aufstieg bedeuten. Doch die Chance dazu, sagt Markus Wittek, bleibt klein.

Glück im Unglück hatten die Landesliga-Damen 30 des TC Rot-Weiß. Ihre Runde findet statt. Witteks Wissen zufolge hat nur ein Gegner zurückgezogen.

Und außerdem: Der Verein tritt nach Angaben seines Sportwartes immer noch mit fünf Erwachsenen- und zehn oder elf Nachwuchsteams an. Das könne sich sehen lassen. Ansonsten gehe der Blick auf die Kissinger Senioren Open, die der Verein ab 16. Juli ausrichten will.

Beim TSV Maßbach haben die Tennis-Herren 60 und 65 für die aktuelle Landesliga-Runde zurückgezogen - aus ähnlichen Gründen wie beim TC Rot Weiß. Abteilungsleiter Jörg Dotzel: "Die Spieler sind nicht besonders scharf drauf, weit zu fahren, wenn es um nichts geht." Für sie wäre es unter anderem in den Raum Nürnberg und in die Nähe von Ansbach gegangen. Zudem seien ein, zwei Akteure angeschlagen.

Für die drei Herrenmannschaften in Bezirksliga und Kreisklasse sowie das Bezirksklassen-Frauenteam heiße es aber: "Wir sind froh, dass wir wieder loslegen. Es geht darum, Tennis mit Gleichgesinnten zu spielen und Spaß zu haben." Und der Nachwuchs könne nun auch weitergeformt werden.

Schmidova konnte nicht kommen

In den vergangenen Wochen trieb Jörg Dotzel weniger der bevorstehende Spielbetrieb um. Wegen der Einreisebeschränkungen musste der Abteilungsleiter auf seine bewährte Trainerin Tereza Schmidova aus Tschechien verzichten. Und das, wo derzeit 75 Trainingsteilnehmer die Plätze stürmen.

Dotzel fand eine Lösung - und zwar keine schlechte. Es gelang ihm, Anne Knüttel von Weiß-Blau Würzburg für Trainingsstunden zu engagieren. Die hält immerhin den Titel der Unterfränkischen Meisterin. In den nächsten Tagen will Tereza Schmidova indes in Tschechien ihren Studien-Master vollenden. Dann kehrt sie zum TSV Maßbach zurück.

Auf mehreren Courts tanzt im übertragenen Sinne derzeit Markus Schott, Sportwart bei der Tennisabteilung des FC Viktoria Poppenroth. Zum einen hat er zwei Herren- und ein Frauenteam für die Medenrunde jeweils in der Kreisklasse gemeldet. Zum anderen laufen diesen Sommer die "Poppenroth Open" als Weiterentwicklung der Vereinsmeisterschaften des vergangenen Jahres an. Damit will die Viktoria-Tennisabteilung Menschen aus Poppenroth und den umliegenden Orten für den Weißen Sport begeistern. Bis 18. Juli läuft die Vorrunde; bis 12. September sollen alle Sieger gekürt sein und die Platzierten feststehen.

Wegen Corona hat sich vor allem die Medenrunde nach hinten verschoben. Weswegen sie sich mit den Poppenroth Open zeitlich stärker überschneidet, als ursprünglich beabsichtigt. Das trifft laut Schott zum Beispiel die Herren 40 der Viktoria, die beim Vereinsturnier stark vertreten sein werden.

Allerdings scheint sich die Belastung in Grenzen zu halten. In der Medenrunde absolvieren sie nur drei Spiele; bei den Poppenroth Open sollen sie in der Vorrunde (bis 18. Juli) drei Matches mit ihren Gegnern "zeitlich frei vereinbar" austragen. Etwas enger stellt sich der Zeitplan für die Herrenmannschaft in der Kreisklasse 2 dar. Dort absolvieren sie fünf Spiele.

Doppelte Besetzung

Der Neu-Poppenrother Markus Schott fungiert nicht nur dort, sondern auch in Eltingshausen als Tennis-Sportwart. Der dortige FC schickt ab diesem Samstag mit den Herren 40 sogar eine komplett neue Mannschaft in den Ligabetrieb der Kreisklasse 1. Für Schott eine Spätfolge des erfolgreichen Tschuggimuggi-Cups.

29 Spieler verteilen sich derzeit auf die drei Eltingshausener Mannschaften. "Alle sind motiviert und freuen sich, dass es wieder losgeht. Dass die Spiele Muster ohne sportlichen Wert sind, empfinden wir nicht so. Wir spielen aus Spaß. Das ist der große Unterschied zwischen den unteren und oberen Spielklassen", sagt Schott.

Beim TSV Oberthulba treten ausgerechnet die Herren 30 aus der Kreisklasse 1 nicht an. Laut Sportwartin Celina Albert hat das damit zu tun, "dass mehrere wegen der Corona-Bedingungen, durch die man sich vor Ort nicht duschen dürfe und auch kein Essen nach dem Spiel stattfindet, die Runde nicht spielen wollen". Vier oder fünf Akteure seien nun in die höherklassige Herren-30-Mannschaft aufgerückt. "Wir freuen uns schon lange drauf. Es war eine lange Pause", so Albert.

Ähnlich äußern sich Verantwortliche des TSV Bad Kissingen, des SV Ramsthal und des TC Hammelburg.

Hoffen auf offene Umkleiden

Wolfgang Beudert, Sportwart der Tennisabteilung beim TSV Münnerstadt, hofft indes noch, dass der Bayerische Tennisverband bei der Landespolitik eine kurzfristige Aufhebung des Betretungsverbotes für Duschen und Umkleiden in Vereinsheimen erreichen kann. So wie es in den Schwimmbädern möglich gemacht wurde. Für die Münnerstäder Herren 50 und 60, die die Saison mit Heimspielen beginnen, würde das viel bedeuten, so Beudert.

Kurios geht es beim TC Weiß-Blau Motten zu. Die dortige Anlage und das Vorstandsteam teilt sich der Verein laut Sportwartin Annabell Möller mit dem TC Altenhof. Das ist ein Gemeindeteil des hessischen Ebersburg. Je ein Altenhöfer Herren- und Damenteam nehmen am Spielbetrieb im Tennis-Bezirk Mittelhessen teil. Weiß-Blau Motten schickt eine Damenmannschaft in die unterfränkische Bezirksklasse 2. Was die Coronaauflagen angeht, halten sich die hessischen und bayerischen Spieler an die jeweils strengeren Vorgaben, die die Landesverbände ihnen auferlegen. "So können sie nichts falsch machen."