Das Ziel - es bleibt vor Augen. Scheint zum Greifen nah. Doch noch ist es nicht erreicht. Tokio 2021: Der Behindertensportler Maximilian Jäger aus Bad Brückenau hat in den vergangenen Wochen und Monaten viel auf sich genommen, um bei den Paralympischen Sommerspielen vom 24. August bis 5. September teilzunehmen. So sie denn wirklich stattfinden. Doch davon geht der 21-Jährige fest aus. Und auch davon, dass er dabei ist.

Rückblende: Im Frühjahr 2020 platzte für Maxi Jäger - wie für viele Spitzenathleten - der olympische Traum. Vorerst. Denn sowohl die Olympischen als auch die Paralympischen Spiele in Japan wurden wegen Corona um ein Jahr verschoben.

"Die Absage der Paralympics in diesem Jahr war mental ein riesiger Einschnitt", sagte der Bad Brückenauer, der seit 2018 in Cottbus lebt und für den dortigen Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportverein (BPRSV) startet, im Blog des Team Deutschland Paralympics.

Es hieß aber auch: Training erstmal herunterfahren. Doch schon Mitte 2020 steigerte Jäger die Intensität wieder - nun frisch motiviert für Tokio 2021. Neben dem täglichen Training absolvierte er in den vergangenen Wochen verschiedene Lehrgänge. In einem dreiwöchigen Trainingslager auf Lanzarote (einer spanischen Insel vor der Nordwestküste Afrikas) legte er Ende Februar/Anfang März dieses Jahres rund 760 Kilometer auf seinem Renndreirad zurück. Dann folgten ab 6. April intensive Trainingstage mit dem Nationalkader in Buchholz im Schwarzwald.

Dort bereitete sich der 21-Jährige auf den Weltcup im belgischen Ostende vor, der vom 6. bis 9. Mai stattfand. Da hatte Maxi Jäger etwas Pech: Nachdem er im Zeitfahren souverän den 1. Platz schaffte, fiel ihm am Tag drauf beim Straßenrennen die Kette runter. Der Bad Brückenauer verlor Zeit; am Ende wurde es der 3. Rang. Trotzdem: "Es hat Spaß gemacht, nach fast anderthalb Jahren Pause wieder Rennen fahren und sich mit meinen Konkurrenten messen zu dürfen."

Optimal vorbereitet

Trotzdem: Jäger fühlt sich noch besser gerüstet für das Großereignis Paralympics als je zuvor. Grundlagen, Kraft und Schnelligkeit hat er ausgiebig trainiert. Nach der WM fährt er zwei Wochen nach St. Moritz - zum Höhentraining. "Durch die Höhe wird die Leistung des Körpers noch gesteigert", sagt der 21-Jährige.

Auch ist er zuversichtlich, dass die Paralympics wirklich durchgeführt werden. Trotz Corona. "Die Organisatoren haben ein Jahr mehr Erfahrung mit dem Virus. Vor einem Jahr hat man nicht gewusst, wie man damit umgeht und welche Maßnahmen man treffen muss, um die Spiele stattfinden zu lassen."

Damit nicht etwa eine Infektion mit Covid-19 seine Pläne zunichte macht, hat Jäger vorgesorgt. Dienstag dieser Woche hat er sich in Potsdam impfen lassen. Mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson, bei dem nur eine Spritze notwendig ist. Nach ein paar Nebenwirkungen wie Kopf- und Gliederschmerzen geht es dem Parasportler wieder gut. "Ich fühle mich mit der Impfung sicherer", sagt er. Immun zu sein, sei ihm ganz wichtig. Der Impftermin kam über den Parasport-Stützpunkt zustande. Ihn wahrzunehmen war freiwillig.

Eine kleine Hürde gibt es für Maxi Jäger aber noch zu überwinden: die Reklassifizierung. Die soll bei der Weltmeisterschaft in Portugal erfolgen, die vom 9. bis 13. Juni angesetzt ist. Jäger reist schon einen Tag eher an, um sich dem kritischen Blick von internationalen Ärzten und anderen Experten zu stellen.

Bleibt er wie bisher in der Startklasse T1, steht nach seinen Worten einer Teilnahme an den Spielen nichts mehr im Weg. "Im Paralympics-Kader bin ich gesetzt", sagt Jäger. Genaue Informationen über den Ablauf des Ereignisses besitze er aber noch nicht.