Nicht besonders weit ist es von Münnerstadt in den Bad Kissinger Stadtteil Reiterswiesen. Da braucht es keinen langen Ball. Präzise und mit dem richtigen Tempo wurde Marcel Röder von Simon Snaschel angespielt. Der 27-Jährige ist Spielertrainer bei der SG Reiterswiesen, aktuell Tabellen-Zweiter der Kreisklasse Rhön 1, aber auch Sportschütze. Verreisen und Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen, sind weitere Hobbys des Studenten.

Wer hat Sie angespielt?

Ob ich nach dem Spruch von Simon noch von Freundschaft sprechen kann, weiß ich zwar nicht... Aber ich denke mal, die bleibt weiterhin bestehen (lacht). Wir haben gemeinsam in Großbardorf gespielt und hatten eine Fahrgemeinschaft. Da hat man sich stets über alle möglichen Dinge ausgetauscht, und so ist eine Freundschaft entstanden. Wir halten Kontakt und man freut sich immer, wenn man den anderen trifft oder etwas von einander hört.

Wie sieht Ihr Laufweg aus?

Mein Heimatverein ist der TSV Reiterswiesen. Mit 14 Jahren bin ich zum TSV Großbardorf gewechselt und habe dort meine Jugendspielzeit verbracht. Studienbedingt kehrte ich zunächst nach Reiterswiesen zurück. Als ich dann in Köln ein Sportstudium begann, habe ich mich dort der DJK Viktoria Frechen für zwei Jahre angeschlossen. Nach Abschluss des Studiums stand für mich fest, dass ich wieder zurück in die Heimat möchte. Da kam wiederum der TSV Großbardorf auf mich zu, für den ich eine Saison spielte. Mein Vertrag lief zwar noch ein Jahr, aber zu reizvoll war das Angebot, bei meinem Heimatverein Spielertrainer sein zu können.

War der Fußball in und um Köln ein anderer als in der Rhön?

Auf jeden Fall. Zunächst einmal gibt es dort so gut wie keinen Rasenplatz, fast alle Spiele werden auf Kunstrasenplätzen ausgetragen. Das Spiel allgemein ist etwas schneller und eher technisch angelegt. Wenn ich einen Vergleich ziehen sollte, würde ich sagen, dass mir das Spiel in der Rhön besser gefällt, da es doch etwas körperlicher und von mehr Zweikämpfen geprägt ist.

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Auch beim TSV Reiterswiesen ruht natürlich der Ball. Wie wichtig ist Ihnen als Spielertrainer der Kontakt zu den Teamkollegen? Gibt es vom Trainer ein Homeoffice-Programm?

Leider ja. Ich versuche natürlich stets den Kontakt zu den Spielern zu halten und sie immer wieder über die aktuelle Situation zu informieren. Viele meiner besten Kumpels spielen bei mir, daher fällt mir das nicht allzu schwer. Trotzdem würde ich gerne wieder alle persönlich auf dem Platz antreffen. Wir haben das ein oder andere Skype-Training absolviert, aber aktuell ist kein Ende des Lockdown in Sicht. Daher ist die einzige Vorgabe für die Jungs, dass sie sich einigermaßen fit halten sollen.

Sie gelten als lässiger Typ. Wie schwer fällt es Ihnen, streng zu sein?

Die Jungs wissen, dass ich eigentlich für jeden Spaß zu haben bin, wissen aber auch, dass ich auch sehr laut werden kann, vor allem auf dem Platz. Ich bin sehr ambitioniert und kann es nicht leiden zu verlieren. Ich glaube, gerade die Mischung aus Spaß und Ernsthaftigkeit auf und neben Platz hat unserem Team gut getan.

In Großbardorf haben Sie als Innenverteidiger gespielt, jetzt auf der Sechser-Position. Wo sehen Sie Ihre Stärken und was ist die Lieblingsposition?

Eine Lieblingsposition habe ich eigentlich nicht direkt, aber ich fühle mich aktuell sehr wohl auf der Sechser-Position. Ich denke, dass ich hier am meisten Zugriff auf das gesamte Spiel habe, da ich immer in der Nähe der aktuellen Spielsituation bin. Das ist als Trainer ein Vorteil, wenn ich immer in der Nähe meiner Spieler bin.

Berühmt-berüchtigt sind Ihre weiten Einwürfe. Trainieren Sie diese? Und wie kommt es zu diesem Talent?

Dass meine Einwürfe so berühmt sind, wusste ich bis dato zwar auch noch nicht, aber das ein oder andere mal haben sie diese Saison jedenfalls zu einem Tor geführt. Woher dieses "Talent" kommt, weiß ich ehrlich gesagt nicht, trainiert werden die Einwürfe jedenfalls nicht (lacht).

Immer positiv bleiben soll man ja im Sport: Hand aufs Herz: Gibt es in Corona-Zeiten auch etwas Positives für Sie?

Es ist leider aktuell kein Ende der Pandemie in Sicht. Trotzdem versuche ich positiv zu bleiben, auch wenn mich die Situation teilweise sehr nervt. Die fußballfreie Zeit habe ich natürlich vermehrt mit meiner Familie verbracht und auch sehr genossen. Als stolzer Onkel von zwei Jungs wurde mir auch nie langweilig (lacht).

Und was vermissen Sie in dieser Pandemie am meisten?

Das unbeschwerte Bewegen, also einfach mal spontan einen Kaffee trinken zu gehen oder sich mit Freunden zu treffen, ohne sich dabei Gedanken machen zu müssen. Ansonsten plagt mich etwas das Fernweh, ich würde gerne wieder einen Urlaub außerhalb von Deutschland machen. Natürlich fehlt mir auch das Training und die Spiele mit meiner Mannschaft und das Beisammensitzen danach.

Selber kochen oder Abholservice?

Da ist meine Situation ähnlich wie bei Simon. Meine Freundin kocht sehr gut, daher bin ich bestens versorgt, obwohl wir uns natürlich auch ab und zu mal etwas von den lokalen Restaurants liefern lassen.

Wird mit diesem Interview tatsächlich eine Zeitungskiste fällig? Erzählen sie mal...

In der Tat. Bevor ich den Zeitungsartikel selbst gelesen hatte, wurde sich bereits in unserer Whatsapp-Gruppe für die von mir bereitgestellt Kiste bedankt (lacht).

An wen spielen Sie weiter?

Ich spiele weiter an Franz-Xaver Rosshirt, Torwart beim Kreisligisten TSV Steinach. In der Hoffnung, dass man sich bald mal bei einem Spiel gegenübersteht.

Steilpass-Regeln: Das Spielfeld haben wir deutlich breiter gesteckt. Der Spieler muss lediglich aus dem Landkreis Bad Kissingen kommen oder dort aktiv sein. Und zwar nicht zwangsläufig als Fußballer. Jeder Sportler und jede Sportlerin darf angespielt werden. Abwechslung ist angesagt!

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