Hammelburg Volleys - TuS Kriftel 3:0 (25:20, 25:20, 25:23).

Schon ein schräges Bild, als der aufgrund von Knieproblemen geschonte Angreifer Lorenz Karlitzek sein mobiles Fahrrad-Ergometer mit Ende des zweiten Satzes in einem weiten Bogen auf die andere Hallenseite rollte; dazu aus den Lautsprechern doch tatsächlich Volksmusik-Klänge kamen, weil der Hallen-DJ an diesem Abend wirklich jeden Tonkunst-Geschmack bedienen wollte.

Ein groteskes Szenario, das im krassen Gegensatz stand zum eigentlichen Geschehen. Eher trivial war nämlich der Plot des Spiels, weil die Hammelburger einen unter dem Strich ungefährdeten Erfolg gegen den Aufsteiger einheimsten. Es war ein höchst gelungener Einstand für den neuen Trainer Philipp Fischer, aber dieser Gegner war nur so gut, wie es die Saalestädter zugelassen hatten.

"Phasenweise waren wir auf Augenhöhe, phasenweise waren die Hammelburger athletisch und individuell besser. Leider haben wir uns vor allem hintenraus immer Fehlerserien geleistet", lautete die realistische Einschätzung von Gäste-Coach Tim Schön. Der erste Satz sollte zur Blaupause des Spiels werden. Bis zum 5:5 waren die Hessen gut im Spiel, ehe sich die Gastgeber über 12:8 und 16:10 entscheidend absetzten, auch den Zwischenspurt des Kontrahenten locker überstanden. Moritz Zeitler und Oscar Benner machten den Satzgewinn perfekt.

Philipp Fischer durfte also relativ entspannt seine Kommandos an den Mann bringen. Oft mit verschränkten Armen, immer wieder gelöst zum Applaudieren für gelungene Aktionen. Und die gab es im zweiten Satz beispielsweise für den 5:0-Lauf nach 4:5-Rückstand. Gelassenheit auf Hammelburger Seite auch nach einer verspielten 13:9-Führung, weil Oscar Benner mit drei Punkten auf 16:14 stellte und mit dem 23:19 für eine Vorentscheidung sorgte. Diesmal verwandelte Zuspieler Hannes Krochmann per Block den Satzball.

"Seit November können wir nur sehr eingeschränkt trainieren, damit fehlt unserem Spiel die Abstimmung. Entsprechend realistisch sind unsere Ergebnisse abgebildet", sagte Tim Schön, der aufgrund der hohen Corona-Fallzahlen die Saison-Fortsetzung höchst kritisch sieht. "Würde es nach uns gehen, würde nicht gespielt werden. Auch im näheren Umfeld meiner Mannschaft sind Menschen gestorben. Da fällt es schwer, positiv gestimmt zu bleiben." Verzichten müssen die Gäste weiter auf ihren erfahrenen Zuspieler Torben Tidick-Wagner, dessen Arbeitgeber Einsätze untersagt.

Am meisten Redebedarf gab es in Reihen des Heimteams im dritten Satz.

"Der war so eng, weil wir zunächst kaum eigene Punkte gemacht haben. Mit Laurentiu Vinatoru wollte ich auf der Zuspieler-Position wieder mehr Routine reinbringen. Er hat unser Spiel auch wieder stabilisiert", analysierte Philipp Fischer. Zwei Aufschlag-Winner von Moritz Rauber und ein Benner-Block bescherten die 23:18-Führung, wenig später verwandelte Moritz Zeitler den ersten Matchball.

Mehr als ein Pflichtsieg war es in jedem Fall für Libero Lukas Baden, der die erste MVP-Medaille seiner noch jungen Karriere abstaubte und von den Kollegen dafür mächtig gefeiert wurde. Ebenfalls aus der eigenen Talentschmiede kommen Leon Greinwald und Finn Jansen, die erstmals im Zweitliga-Kader standen. "Wenn die Jungs von mir ihre Chance bekommen, werde ich da sicher keinen Bammel haben", sagt Philipp Fischer.