Immerhin. Freigeräumt ist die Zufahrt zum Gelände der SG Eintracht Oberleichtersbacher. Doch der Sportplatz zeigt sich - bis auf ein paar Tierpfotenspuren im Schnee - verlassen und unberührt. Mehr als drei Monate befinden sich auch die Fußballvereine im Landkreis im Lockdown. Die Redaktion hat einige nach der allgemeinen Befindlichkeit, dem Durchhaltevermögen und ihren Wünschen gefragt. Auch vor dem Hintergrund, dass eine Verlängerung des Lockdowns oder Lockerungen anstehen. Und dass BFV-Chef Rainer Koch sich für den Amateurfußball stark macht.

"Der Amateursport benötigt eine greifbare Perspektive. Ein Signal, wann wir wieder zurück auf die Sportplätze können", hatte Koch gefordert (siehe Text unten). Daniel Sauer, Abteilungsleiter des Kreisklassisten SV Aura, äußert noch ganz andere Wünsche: "Am liebsten wäre mir, wir hätten wieder Fußball und alles läuft wieder normal."

Dass das in einer Pandemie nicht geht, weiß der Auraer. Er rechnet auch nicht damit, dass vor Ende April/Anfang Mai wieder Fußballer auf dem Platz stehen, nicht mal zum Training.

Sauer blickt dabei auf die Erfahrungen des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020. Da habe es zwei Monate gedauert, bis man sich vom Individualsport über den Sport ohne Körperkontakt und Mannschaftstraining in kleinster Besetzung zu Freundschafts- und schließlich Ligaspielen vorgetastet habe. Das könne so wieder passieren.

Der Abteilungsleiter und Schriftführer rechnet fest damit, "dass der Ligapokal sich in Luft auflöst". Dann könne man ab Mai noch sechs bis sieben Ligaspiele absolvieren. Dazu müsste man aber im März das Training beginnen.

Daniel Sauer hofft sehr, dass die 45 bis 50 Spieler, die dem Kader der 1. und 2. Mannschaft angehören, beisammen bleiben. Kritischer sieht er die Lage bei der U17/U18-Mannschaft des Auraer Vereins. Deren Mitglieder würden quasi von der Jugend- in den Männerbereich springen - nach einer ein- bis zweijährigen Spielpause.

Überhaupt sieht Sauer einen gewissen Mitgliederschwund in der Krise. Nicht viel, vielleicht zehn von 400, die jetzt im Januar oder Februar ihre Mitgliedschaft kündigen würden. Sonst sein das im Frühjahr durch Eintritte von Kindern wieder ausgeglichen worden - diesmal nicht. Mitgliedsbeiträge, die dem SV Aura fehlen würden.

Auch dass der Verein keine Einnahmen, zum Beispiel durch Sommerfeste generieren kann, findet Sauer "ungut". Trotzdem will er den Sport bei möglichen Lockerungen nicht vornan stellen. "Da gibt es größere Problemfälle in Schule und Wirtschaft".

Jonas Schäfer, Fußball-Abteilungsleiter beim Kreisligisten FC Teutonia Reichenbach, äußert sich noch radikaler zur aktuellen Situation. "Aufgrund der Lage war und bin ich für den Abbruch der kompletten Saison. Am besten, wir fangen im August und September wieder an und haben Zeit zum Vorbereiten." Falls es doch anders kommt, wünscht Schäfer sich von Rainer Koch Klarheit. Er wolle wissen, wann genau es mit dem Ligabetrieb wieder losgeht und wann die Saison beendet wird.

Auch fordert der Reichenbacher sechs Wochen Vorbereitungszeit. "Die Spieler haben ein halbes Jahr nichts gemacht. Wenn sie jetzt vielleicht sogar englische Wochen absolvieren, verletzt sich die halbe Mannschaft."

Die Jugend würde der Abteilungsleiter bei eventuellen Lockerungen bevorzugen. Sie sollte wieder trainieren, spielen und sich so mit Freunden treffen dürfen. Der Zuschauerzuspruch und vor allem der Sportheimbetrieb sei bei der Jugend kaum oder nicht so gegeben wie im Herrenbereich.

Angst, dass die Erste der Reichenbacher wegen des Lockdowns auseinanderfallen könnte, hat Jonas Schäfer nicht. Auch wenn man derzeit nicht gemeinsam trainiere. Lediglich ein Winterabgang sei zu verzeichnen.

Treue zum SV Riedenberg

Den Treueschwur der Spieler zum SV Riedenberg hat sich Abteilungsleiter Mario Rüttiger schon bei einer "Befragung zur Saisonvorbereitung geholt. Die Mannschaft bleibe zusammen, Trainer Michael Leiber an Bord.

Rüttiger fände es gut, wenn die Amatuerfußballer Mitte/Ende März wieder mit dem Training beginnen könnten. Dann ließen sich die Saison mit noch acht Spiele "vernünftig zum Abschluss bringen". Immerhin gehe sie schon zwei Jahre. "Es kann aber auch sein, dass wir gar nicht mehr spielen." Dass der Ligapokal abgesagt wird, davon geht Rüttiger aus.

Dass die Mitglieder dabeibleiben, wenn man sie bei Laune hält, hat Stephan Heimerl vom Bezirksligisten FC 06 Bad Kissingen festgestellt. "Wir betreiben sehr intensive Mitgliederinformation", sagt er. Einen mehr als üblichen Schwund habe er nicht beobachtet.

Finanziell könne der FC 06 2020/21 sicher keine großen Sprünge machen, aber die Fixkosten seien - auch dank einer Spendenaktion - gedeckt. Schließlich könne man auch den derzeitigen Bau des neuen Sportheims (wir berichteten) stemmen.

Persönlich glaubt Heimerl nicht, dass Breitensport und Fußball bei Öffnungen an erster Stelle kommen sollten, sondern Schulen und Kitas. "Der Fußball sollte auf keinen Fall eine Sonderbehandlung bekommen; anderes ist wichtiger. Er sollte aber auch nicht an letzter Stelle stehen."