Ein so offensives Saisonziel haben die Hammelburg Volleys noch nie ausgegeben seit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga Süd: "Unter die ersten fünf Mannschaften" möchte Headcoach Cornel Closca kommen. Und wenn es ein "Podiumsplatz", also einer der ersten Drei werde, freue er sich auch. Woher rührt das große Selbstbewusstsein vor dem Ligastart am Samstag (20 Uhr) beim GSVE Delitzsch?

Klar, die Volleys-Verantwortlichen hätten einen "langweiligen" Mittelfeldplatz ausgeben können. Was den Charme gehabt hätte, nicht zurückrudern zu müssen, wenn es in der Saison nicht so gut läuft.

Doch Cornel Closca und Co-Trainer Klaus Baden wollten ihre Jungs puschen, weil sie große Stücke auf sie halten. "Im Kern ist die Mannschaft zusammengeblieben", sagt Baden. "Und nach den Erfahrungen der vergangenen Saison mit dem guten Start wollten wir nicht wieder nur die Vorgabe machen, nicht abzusteigen."

Bestechende Leichtigkeit

In der Tat verlief insbesondere die Hinrunde der Spielzeit 2019/20 erstaunlich gut. Obwohl drei Urgesteine den Verein verlassen hatten. Dennoch spielten die Hammelburg Volleys unter ihrem neuen Coach Closca mit bestechender Leichtigkeit, besiegten bis auf Mimmenhausen und Karlsruhe jeden Gegner mindestens einmal - bis Corona sie ausbremste. Vor dieser Saison haben nur Annahmespieler Adrian Zych und Ben Stoverink die Volleys verlassen; der Rest blieb. Und wurde punktuell verstärkt.

Überraschend wie erfreulich die Rückkehr von Lorenz Karlitzek, der mit Erstligaformat glänzt. Severin Hauke entstammt dem Bundesstützpunkt Friedrichshafen. Er spielte vergangene Saison in Mimmenhausen, studiert in Würzburg. Sein Cousin Moritz Rauber lotste ihn nach Hammelburg.

Als Last-Minute-Verpflichtung reaktivierten die Volleys Aaron Dettner, der in der ersten Zweitligasaison zum Team des TV/DJK gehörte. Klaus Baden glaubt, dass sich der Annahmespieler nach längerer Pause schnell wieder einfinden wird in die Mannschaft - und in die Liga. Das habe das jüngste Vorbereitungsturnier des VC Gotha gezeigt, bei dem Dettner alle vier Spiele bestritt.

Turniersieg ohne Topspieler

Hammelburg gewann den Wettbewerb, an dem auch die Zweitligisten Delitzsch und VC Bitterfeld-Wolfen teilnahmen. Dabei fehlten sogar noch die beiden vermeintlich Besten: Oscar Benner und Lorenz Karlitzek.

Auch daraus zieht Klaus Baden Überzeugung, dass das Team noch mehr erreichen kann in der 2. Liga als bisher schon. Die Mannschaftsteile seien ausgewogen besetzt, man könne flexibel auf Stärken und Schwächen der Gegner reagieren: mit Nils Rehmeier, Luca Dierks und Janick Sill im Mittelblock, mit den Außenangreifern Lorenz Karlitzek, Moritz Rauber, Moritz Zeitler und Severin Hauke, mit Oscar Benner und David Baden als Diagonalangreifer.

Klaus Baden sieht es auch als Vorteil, dass das Steller-Duo Laurentiu Vinatoru und Hannes Krochmann geblieben ist. Schließlich glaubt der Co auch nicht, dass sich die Annahme mit den weniger erfahrenen Dettner und Lukas Baden als Schwachstelle erweisen wird. Im Gegenteil: Für Spieler wie seine beiden Söhne, die vom Papier her die zweite Reihe bilden, sei es die zweite Saison in der 2. Liga. Etwas Erfahrung brächten sie schon mit.

Natürlich bestehen Unwägbarkeiten. Cheftrainer Cornel Closca findet: "Natürlich sind die Rahmenbedingungen diese Saison gänzlich anders. Die Teams haben sich coronabedingt ganz unterschiedlich vorbereiten können, müssen zum Teil vor wesentlich weniger Zuschauern spielen oder ihre gewohnten Spielhallen kurzfristig wechseln. Teilweise haben sich die anderen Teams mit Erstligaspielern verstärkt, sodass eine Prognose sehr schwer ist."

Klaus Baden sagt "eine intensive Saison" voraus. Zwar seien das Volleyballinternat Frankfurt, das in die Nordstaffel eingruppiert wurde, und Unterhaching rausgerutscht. Dafür bereichern der TV Bliesen, der TSV Mühldorf und der VC Dresden die Liga. Also insgesamt ein Gegner und zwei Spiele mehr für die Hammelburger. Da muss man laut Baden auch hoffen, von langwierigen Verletzungen verschont zu bleiben.

Eine spannende Frage bleibt die nach den Zuschauern. Bis zu 600 puschen die Volleys bei Heimspielen normalerweise. Stand jetzt sind Corona-bedingt aber keine zugelassen. Zwar entschied die Bayerische Staatsregierung, dass 200 von ihnen in der Halle zugelassen sind. Das gilt aber nur für Amateure. Die Volleyball-Zweitligavereine wurden jüngst zu Profis erklärt.

So bleibt es dabei, dass die Landesregierung das Hygienekonzept der Volleyball-Bundesliga VBL weiter prüft - und die Vereine auf eine Entscheidung warten müssen. Der für den 19. September geplante Heimspieltag der Hammelburg Volleys gegen Aufsteiger Bliesen bleibt auf den 17. Oktober verlegt.

Tickets für die Fans

Sollte die Staatsregierung das Konzept befürworten, stellt sich die Frage, wie viele Zuschauer das Gesundheitsamt Bad Kissingen in der Saaletalhalle zulässt. "Sobald diese Entscheidung gefallen ist, werden wir an einer Lösung arbeiten, wie unsere Fans Tickets für die Spiele erlangen können, bis dahin bitten wir um etwas Geduld", informiert Pressesprecher Olly Wendt.

Heimstarke Delitzscher trumpfen in der "Becker-Schachtel" auf

Die Mannschaft Beim Vorbereitungsturnier in Gotha siegten die Saalestädter noch mit 3:1 gegen Delitzsch. Ein Fingerzeig war diese Niederlage wohl weniger, traten beide Teams noch nicht mit voller Mannstärke an. "Mit unseren Fans im Rücken wird das ganz anders aussehen", prophezeit der Delitzscher Benedikt Bauer, der bei den "Gymnasialen" sowohl Spieler als auch Teammanager ist. Dabei ist die Heimstärke der Sachsen in der Liga gefürchtet. Nur zwei Heimspiele verloren sie vergangene Saison.

Die Spielstätte "Becker-Schachtel" oder "Schuhkarton" nennen die Delitzscher ihre Sportstätte liebevoll, in der man als Auswärtsteam stets auf lautstarke Gastgeberfans trifft. Dabei sind in Delitzsch bis zu 200 (einheimische) Zuschauer erlaubt, die aber ohne Mund-Nase-Bedeckung keinen Zutritt zur Halle erhalten.

Der Trainer Gecoacht wird das Team von Frank Pietzonka, dem Gesicht des Delitzscher Volleyballerfolges. Seit über 20 Jahren als Trainer an der Seitenlinie, davor als Spieler aktiv, befindet er sich auf Abschiedstournee, wird dem Verein aber in anderer Funktion die Treue halten. "Wir brauchen uns mit dieser Mannschaft keinesfalls zu verstecken", sagt Pietzonka. "Ich glaube, dass im Spiel gegen Hammelburg die Tagesform entscheiden wird."olly