Michael Rosin traut sich was. In der Nachfolge von Vassili Ledin wurde der 46-jährige Bad Kissinger vor kurzem zum Vorsitzenden der Kissinger Wölfe gewählt. In einer Phase, in der der Eishockey-Sport in der Kurstadt einmal mehr ums Überleben kämpft.

Eishockey und Michael Rosin, das gehört zusammen, oder?
Michael Rosin: Irgendwie schon. Begonnen habe ich mit dem Eishockeysport ja schon 1977 in der damals neuen Eishalle. Meine Eltern waren die Pächter der Sporthaus-Gaststätte, da stand ich gefühlt jeden Tag auf dem Eis. Bis vor drei Jahren habe ich aktiv gespielt, stehe aber heute noch auf den Kufen für das Hobbyteam der Rakoczy-Rangers und unsere AH-Truppe.

Was waren für Dich die Highlights dieser langen Karriere?
Da muss ich zunächst die
Meisterschaft vor etwa zehn Jahren erwähnen, die wir damals trotz der Schließung unserer Halle aufgrund baulicher Mängel gewonnen hatten. Wir haben damals in Haßfurt trainiert und gespielt. Unter diesen Bedingungen den Titel zu holen, war grandios. Und für Haßfurt habe ich als 25-Jähriger mal ein Jahr in der 2. Liga Süd gespielt, habe mich dann aber schwer verletzt. Es ging zurück nach Bad Kissingen, wo ich dann mein Comeback gestartet habe. Ein Highlight ist für mich aber auch das Arbeiten mit dem Nachwuchs, das Vermitteln von Technik, Taktik und Spielverständnis.

Aktuell gibt es aber noch kein Eis.
Stimmt. Ab dem 10. oder 11. Oktober soll uns Eis zur Verfügung stehen, die Linien werden einige Tage vorher gezogen. Früher hatten wir teilweise schon Mitte September Eiszeiten, und die Halle war länger offen.

Die Saison beginnt schon am 9. Oktober mit dem Derby in Haßfurt. Was heißt das für die Vorbereitung?
Das heißt, dass wir ab diesem Wochenende, wenn es erstmals auf Eis geht, nach Schweinfurt, Lauterbach oder Sonneberg bei Coburg ausweichen müssen. In Haßfurt sind alle Eiszeiten leider belegt. Und für das erste Heimspiel am 23. Oktober gegen Amberg gibt es das Problem, dass sich dieser Termin derzeit mit einer Eislaufzeit überschneidet. Da steht ein Gespräch mit der Stadt noch aus, wo wir uns auch ein Entgegenkommen erhoffen, was finanzielle Altlasten betrifft. Bleibt da die Unterstützung aus, wird es mit dem Überleben sehr schwer für uns.

Wie ist der Sachstand mit der neuen Bande?
Wir haben ja eine moderne Bande, die Vassili Ledin gehört und die in Bahnhofsnähe gelagert wird. Aber da gibt es Probleme mit der Statik. Der Boden und die Kühlanlage müssen die neue Bande aushalten. Da wären wochenlange Vorbereitungen nötig, was im Umkehrschluss heißt, dass wir wieder nur die alte Bande haben, die seit Öffnung der Eishalle im Gebrauch ist und immer mal wieder ausgebessert wird. Aber auch das kostet.

Du bist Vorsitzender, aber offiziell auch Co-Trainer. Ist das zeitlich überhaupt zu stemmen?
Zuvorderst ist Mikhail Nemirovsky unser Trainer, der die Mannschaft coacht. Ich stehe an der Bande, weil dort immer einer stehen muss mit einer Übungsleiter-Lizenz, 'Nemo' muss ja spielen. Eine solche Lizenz haben übrigens auch Holger Buczynski oder Valeri Dancov, die mich also jederzeit vertreten könnten.

Früher hatte der Verein fünf Jugendmannschaften...
Ja, da waren wir exzellent aufgestellt. Aber mit der Schließung der Halle ist uns der komplette Unterbau weggebrochen. Und das waren Spieler, die von Alter her jetzt im Aktivenbereich spielen könnten. Die wenigen, die noch in Frage kämen wie ein Sven Kaufmann oder Benedikt Waldner, müssen aus privaten oder beruflichen Gründen passen.

Die Nachwuchsförderung soll wieder ein elementarer Bestandteil werden. Was wird dafür getan?
Es tut sich ja schon was, wir haben in den vergangenen Jahren die Zahl der jungen Spieler kontinuierlich steigern können. Mit Roman Nikitin, der übrigens auch einen Übungsleiterschein besitzt und auch in Bad Kissingen wohnt, wird sich ein Rückkehrer ebenso ins Nachwuchstraining einbringen wie Spieler der ersten Mannschaft. Dazu gehört auch Mikhail Nemirovsky. Von solchen Könnern lernen die Kinder am meisten. Ziel muss es sein, die erste Mannschaft in fünf bis sieben Jahren wieder mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs zu verstärken. Bad Kissinger Eishockey soll attraktiv sein, muss aber auch finanzierbar sein. Das ist die Herausforderung.

Roman Nikitin hast Du erwähnt. Es hat sich überhaupt viel getan in Sachen Zu- und Abgängen.
Nachdem uns diverse Spieler wie Alexander Andrusovich, Kevin Faust, Dennis Tausend, Konstantin Firsanov, Philipp Golz, Oliver Dam oder Goalie Michael Gundlach verlassen haben, bestand natürlich Handlungsbedarf. Es gab eine Ideenliste, die nach und nach von den sportlich Verantwortlichen abgearbeitet wurde. Dazu kam der Umstand, dass jetzt eine unbegrenzte Zahl von EU-Ausländern spielen darf, wenn diese eine sogenannte Transferkarte besitzen. Allein diese kostet übrigens zwischen 800 und 1000 Euro. Vorher war ja nur ein sogenannter Kontingent-Ausländer erlaubt.

Mit Mike Heindl und Marc Hemmerich gibt es weitere Rückkehrer, die mitunter als schwierige Charaktere gelten.
Dazu möchte ich sagen, dass beide Lust haben für die Kissinger Wölfe zu spielen. Marc Hemmerich ist Vater geworden, lebt jetzt in Mannheim, wird auch dort trainieren und nur zu den Spielen zu uns stoßen. Den Kontakt zu Mike hatte Nemo hergestellt, die beiden kennen sich gut, auch da sehe ich keine Probleme.

Der Sturm sieht gut bestückt aus, aber aktuell nur drei Verteidiger geben zu denken.
Da kommt schon noch was. Zumindest vier Verteidiger, vielleicht auch fünf, werden wir bis Saisonbeginn haben. Ein Marc Hemmerich in der Verteidigung ist ja schon mal eine Ansage, und mit dem 20-jährigen Zweimeter-Mann Deniss Plaunovs haben wir dank der Kontakte von Vassili Ledin ein sehr interessantes lettisches Talent an die Saale lotsen können. Und wir haben Stürmer, die auch in die Defensive rücken können. Man muss einfach wissen, dass gute und finanzierbare Verteidiger nur sehr schwer zu bekommen sind.

Was ist mit Toms Tilla? Der war ein echter Führungsspieler - und ist Verteidiger?
Toms Tilla hat seinen Pass noch bei uns, ist aber bei Kind und Familie in Lettland. Wir rechnen in dieser Saison nicht mit ihm.

Stichwort Fans.
Auch da hat sich Erfreuliches getan, wie ich finde. Mit dem Fanclub "Lenzenberg" ist Stimmung auf die Tribüne gekommen. Ich erhoffe mir aber auch wieder mehr Bad Kissinger in der Halle. Wir haben stabile und faire Eintrittspreise, bieten an der Abendkasse auch Dauerkarten an, sogar für Familien. Ich würde mir wünschen, dass alle Fans an einem Strang ziehen und die Mannschaft unterstützen. Und ich erhoffe mir weitere Sponsoren, um einen besonderen Sport für unsere Stadt zu erhalten.