Ortstermin. In der Bad Kissinger Eishalle. Mit der kompletten Führungsriege der Kissinger Wölfe. Das alles 48 Stunden nach der Nachricht, dass der Eishockey-Bayernligist doch gar kein Nutzungsrecht mehr hat. Ausgesprochen von Alexander Kondrashov, dem Besitzer der Immobilie (wir berichteten). Vorausgegangen war die Vertragskündigung des Vereins an die Bad Kissinger Eissport GmbH. Mit in der Runde dabei: Andreas Goerke. Neuzugang und Rückkehrer in einem. Strippenzieher und Netzwerker.

Dass Alexander Kondrashov seinen Unmut über die Medien äußerte, hatte im Wölfe-Vorstand Unverständnis ausgelöst. "Weil ja zeitgleich mit unserer Kündigung ein neuer, von uns ausgearbeiteter Vertragsentwurf Herrn Kondrashov zuging. Mit dem Wissen, dass womöglich ein Besitzerwechsel ansteht, hatten wir doch gar keine andere Wahl, um uns wirtschaftlich abzusichern", sagt Wölfe-Boss Michael Rosin. Am Montag ist eine Videokonferenz der beiden Vertrags-Parteien geplant, um im besten Fall bereits dort eine einvernehmliche Lösung zu finden. "Als Basis haben wir jetzt realistische Zahlen, was den Unterhalt der Halle angeht. Wichtig ist, dass wir bis zum Beginn der Eissaison Planungssicherheit haben", sagt Rosin.

Ein Sponsor hilft

Die ersten Neuzugänge sind verpflichtet, und auch abseits der Spielfläche hat sich einiges getan. Bereits installiert ist dank der Unterstützung von Fans eine neue Bande. Eine Profi-Umrandung, die vor allem Spielertrainer Mikhail Nemirovsky herbeigesehnt hatte. Und die zuvor tatsächlich in der Yayla-Arena der Krefelder Pinguine ihren Dienst versah. "In der Deutschen Eishockey-Liga wurde komplett auf Flex-Bande umgestellt, daher mussten einige Vereine ihre alte Bande austauschen. Telefonisch habe ich mich dann erkundigt, ob wir an so eine ausrangierte Bande herankommen, was prompt geklappt hat", sagt Daniel Wehner, der Kassier im Verein. Der nächste Glücksfall: Die anfallenden Kosten hat ein Sponsor übernommen. "Diese Bande wertet die komplette Eishalle auf. Die Eisfläche ist etwas kleiner, was noch schnelleres Eishockey garantiert", ergänzt Michael Rosin.

"Das ist für alle gut", freut sich Nemirovsky, der mit Hochdruck die Kaderplanung angeht. "Zehn Stürmer und sechs Verteidiger wären ideal", sagt der 44-Jährige, der sich bezüglich konkreter Namen allerdings bedeckt hält. Gut schaut es offensichtlich aus mit einer Vertragsverlängerung mit Stamm-Goalie Benni Dirksen, zumal dieser nach Bad Kissingen gezogen ist. "Aber der Nachwuchs liegt mir ebenfalls am Herzen. Auch da gilt: Die Kinder kommen, wenn wir ihnen ein gutes Training und Umfeld anbieten."

Für Andreas Goerke gibt es aktuell weder eine Stellenbeschreibung, noch eine genau definierte Position im Vereinsgefüge. Was den Enthusiasmus des 55-Jährigen aber nicht tangiert, der bereits von 2009 bis 2013 eine Art Manager der Kissinger Wölfe war, mit durchaus beeindruckenden sportlichen Erfolgen wie dem Aufstieg in die Landesliga oder der Etablierung des internationalen Sonnenhügel-Cups im Nachwuchsbereich. "Der Kontakt zum Verein ist nie ganz abgerissen. Und die jüngsten Gespräche mit Michael Rosin und Sven Wedler haben mich überzeugt", sagt der Fuldaer. "Wir wollen hier gemeinsam etwas aufbauen mit Menschen, die Spaß am Eishockey-Sport haben." Von einer "idealen Lösung", spricht Rosin. "Weil Andi die Strukturen hier kennt. Wir müssen neue Strukturen schaffen und Aufgaben anders verteilen. Die vergangene Saison hat gezeigt, dass dieser ehrenamtliche Aufwand kaum mehr zu stemmen ist."

Auf drei Säulen soll der Verein stehen. Dazu gehören eine erfolgreiche Mannschaft, eine nachhaltige Ausbildung der Jugend. Und eine moderne Infrastruktur. "Wir müssen dem Verein ein klares Profil geben. Ich möchte, dass sich die Wölfe deutlich gegen Fremdenfeindlichkeit positionieren. Wir müssen Menschen mit Handicap ebenso ins Boot holen wie Leute, die am Rande der Gesellschaft stehen. Und ich möchte, dass wir auf Ökostrom umstellen", sprudelt es aus Goerke. "Diese Philosophie müssen wir auch unseren Sponsoren vermitteln, um ihnen über den Sport hinaus etwas zu bieten", sagt der Gewerkschafts-Sekretär, der mit dem Verein auch wieder ein großes Jugendturnier auf die Beine stellen will. Immerhin vier Nachwuchsteams melden die Kissinger Wölfe für die neue Saison. "Wir müssen kreativ sein, auch bei der Vermarktung der Halle, um diese mit Leben zu füllen", sagt Andreas Goerke.

Ein ambitioniertes Programm rund um den Sport, das die Verantwortlichen da angehen wollen. Umso wichtiger, dass der Schwebezustand in Sachen Hallennutzung so schnell wie möglich sein Ende findet.