Kissinger Wölfe - EA Schongau 5:3 (1:0, 1:1, 3:2).

Die Ausgangslage für die Kissinger Wölfe vor dem wichtigen Spiel gegen Schongau hätte eine bessere sein können. Umso imposanter die Antwort, die die Truppe um Spielertrainer Mikhail Nemirovsky im Sonntagsspiel auf dem Eis bot.

Die sportliche Situation mit zwei Auswärtsniederlagen nahm wohl die geringste Rolle ein. Für Unruhe sorgt im Besonderen der unschöne Abgang von Tim Dreschmann, der sich den Harzer Falken aus Braunlage anschließen möchte und dies trotz laufenden Vertrags ohne Mitteilung an die Vereinsführung bislang nur über die Medien kommuniziert hat. In der anschließenden Pressekonferenz machte Wölfe-Vorstand Michael Rosin seinem Unmut über Dreschmanns Verhalten Luft. Selbst wenn keine Einigung mit dem Tabellenvorletzten der Oberliga-Nord über eine Ablösesumme erzielt werden könne, "setzt Dreschmann definitiv keinen Fuß mehr auf das Kissinger Eis."

Sogar zwei Füße auf das Eis setzte am Sonntagabend Simon Eirenschmalz, der sich trotz offenen Nasenbeinbruchs zumindest für das Anfangsdrittel in den Dienst der Mannschaft stellte. Auch Anton Zimmer konnte trotz seiner Rippenverletzung wieder angreifen. Eine komfortable Situation sieht dennoch anders aus. Eugen Nold wird den Wölfen vermutlich wegen Schulterverletzung so schnell nicht zur Verfügung stehen.

Arg dezimiert ging es also ins Spiel gegen den Tabellenvorletzten aus Schongau, mit dem die Kissinger noch eine Rechnung offen hatten. Im Hinspiel mussten die Wölfe unter widrigsten Bedingungen bei schlechtem Eis und Bodennebel eine 4:5-Pleite einstecken. Lange dauerte es vor 267 Zuschauern nicht, ehe die Weichen auf Wiedergutmachung gestellt wurden. Eine Zeitstrafe gegen Ondrej Stava war soeben abgelaufen, als Anton Zimmer die schöne Vorarbeit von Anton Seewald zur Führung ausnutzte (9.). Die vielen weiteren Möglichkeiten im Anfangsdrittel ließen die Wölfe ungenutzt. "Da hatten wir Chancen für mindestens zwei Spiele", bilanzierte Rosin.

Die engagierten Gäste nutzten ihr drittes Powerplay konsequent und glichen durch Fabian Magg aus (25.). In die Drangphase der Schongauer hinein brachte Spielertrainer Mikhail Nemirovsky seine Wölfe wieder in Front, um das Spiel im Folgenden souverän zu beherrschen. Ein weiterer Torerfolg ließ aber bis zur 10. Minute des Schlussdrittels auf sich warten. Kevin Marquardt und wenig später Anton Seewald per Penalty erhöhten auf 4:1. Die Entscheidung?

Von wegen. "Was nach dem 4:1 lief, war unglaublich. Da war ich kurz vor einem Herzinfarkt", ärgerte sich Mikhail Nemirovsky über die Nachlässigkeiten im Gefühl des sicheren Sieges. Fabian Magg mit seinem zweiten Treffer und Simon Maucher brachten die tapfer kämpfenden Gäste bis zur 57. Minute auf 4:3 heran. Nun war also doch Zittern angesagt. Am Ende war es Kissingens starker Goalie Benni Dirksen, der zum richtigen Zeitpunkt die Scheibe unter seiner Fanghand begrub. Das Auflösen der Torhüterposition bei Schongau nutzte Ondrej Stava zur endgültigen Entscheidung in der Schlussminute.

Angesichts der personellen Situation zeigte sich Nemirovsky mit dem Auftreten seiner Mannschaft grundsätzlich zufrieden: "Die Jungs haben heute zumindest gut gekämpft." Bezüglich des Verhaltens des wechselwilligen Tim Dreschmann nimmt der Spielertrainer kein Blatt vor den Mund und glaubt, den Grund für einen möglichen Abgang zu kennen: "Seine Frau hat großen Einfluss auf ihn; die Entscheidung hat er sicherlich nicht alleine getroffen."

Fest steht, dass die Wölfe-Verantwortlichen ab der Öffnung des Wechselfensters zum 1. Dezember ihre Fühler nach potenziellen Verstärkungen ausstrecken werden. Nemirovsky weiß aber zu gut, dass sich die Suche nach guten deutschen Spielern alles andere als einfach gestalten wird. "Um in den kommenden Wochen einen deutschen Spieler zu verpflichten, der uns weiterbringt, musst du Jesus heißen", gibt "Nemo" schmunzelnd zu bedenken.