Der FC 05 Schweinfurt und das Willy-Sachs-Stadion im Fernsehen - das hat's seit dem Abstieg aus der Zweiten Bundesliga 2002 auch nicht mehr allzu oft. Am Montagabend ist es wieder mal soweit: Der Sender Sport1 ist vor Ort, berichtet ab 20 Uhr live in seinem Regionalliga-Format aus Schweinfurt, vom Frankenderby gegen die SpVgg Bayreuth - und das erklärt auch den ungewohnten Termin.

Wenn um 20.15 Uhr Schiedsrichter Tobias Schultes die Partie anpfeift, dann ist Fernseh-Kommentator Jörg Dahlmann bereits einige Stunden in der Stadt. "Ich reise vormittags an, setzte mich auf einen Kaffee in ein Lokal, laufe durch die Fußgängerzone, höre mich um", sagt der 58-Jährige, der auch in den Bundesliga-Stadien zu Hause ist und bei Olympischen Spielen wie Welt- und Europameisterschaften im Einsatz war. Nun Schweinfurt statt große Sportwelt: "Ich bin sehr gerne bei den Regionalliga-Spielen. Wir sagen immer: Das ist die Champions League des Amateurfußballs. Da sind eben viele Dinge anders als bei den Profis. In der Regionalliga ist nicht alles perfekt, aber es geht persönlicher zu. Das ist mir sympathisch." Sympathien gesammelt haben da auch die Nullfünfer. Die hat Dahlmann schon zweimal kommentiert, in der Saison 2014/15 bei den Würzburger Kickers und daheim gegen Wacker Burghausen. Den Werdegang der Kickers hat der gebürtige Gelsenkirchener weiter verfolgt und ist begeistert: "Das Gesamtpaket in Würzburg sollte für viele Vereine ein Vorbild sein. Die Kickers steigen auch nicht ab, obwohl es mich überrascht, dass sie, für eine Hollerbach-Mannschaft ungewöhnlich, so abgefallen sind."


"Dritte Liga in jedem Fall"

Dass es der FC 05 rein strukturell schaffen kann, in die Fußstapfen des unterfränkischen Nachbarn zu treten, hält Dahlmann durchaus für möglich: "Dritte Liga in jedem Fall, Zweite Liga vielleicht." Doch hat der Regionalliga-Experte einen großen Konkurrenten ausgemacht für die nächstes Jahr mit deutlich höherem finanziellen Aufwand angreifenden Schweinfurter: "Der FC Bayern München II wird alles in die Waagschale werfen, aufzusteigen. Dazu passen auch die Trennung von Trainer Heiko Vogel und die Tatsache, dass Hermann Gerland wieder für den Nachwuchs zuständig sein wird." Und dann sei da ja noch die Variable Unterhaching. Die SpVgg müsse ja erst die Relegation überstehen.

Das sei den Hachingern auch zuzutrauen, weil die Regionalliga Bayern sportlich auf Augenhöhe sei. Doch in Sachen Lukrativität hinke man im Freistaat ("einige Vereine haben ländlichere Strukturen") und im Norden ("zu viele Reserven") dem Südwesten (unter anderem Offenbach, Mannheim, Saarbrücken) und Westen (unter anderem Aachen, Essen, Wuppertal) vor allem in der Fußball-Tradition hinterher. Für die Regionalliga Nordost besitzt Sport1 keine Übertragungsrechte.


Co-Kommentator Bechmann

So gut Dahlmann die Regionalliga kennt, so gut wird er bis Montag den FC 05 - und natürlich auch die Bayreuther - kennen: "Ich bereite mich auf die Mannschaften natürlich vor, aber auch auf die Städte und die Region. Wir haben auch Zuschauer in Berlin oder auf Husum. Die wollen unterhalten werden." Dazu dienen nicht zuletzt kurze Interviews während des Spiels, in denen Vereinsvertreter ihren Klub präsentieren können. So ist ein Gespräch mit dem 05er Mannschaftsarzt und Ex-Profi Reiner Wirsching geplant. Und der aktuell Rot-gesperrte Innenverteidiger Johannes Bechmann wird für einige Minuten Co-Kommentator sein.


Hoher Aufwand

Die Fans, die TV-Bilder einem Stadionbesuch vorziehen, dürfen sich auf einige Regionalliga-typische Gimmicks freuen. Während es bei kritischen Szenen in Profi-Spielen überwiegend die hinlänglich bekannten Zeitlupen gibt, wird bei den Übertragungen aus der vierten Liga gerne hin und her gezappt, bis auch das letzte Rätsel gelöst ist. Der Aufwand dafür ist nicht ohne: Neben der Stamm-Besetzung mit Reporter, Moderator, Regisseur und Redakteurin ist noch ein weiteres Team mit rund zwölf Personen im Stadion - ein kleiner Vorgeschmack für den FC 05 auf das was kommt, wenn die sportlichen Träume in Erfüllung gehen sollten. Michael Bauer