Für Anton Anichenkov ist Normalität auch Luxus. 18 Spieler der SG Oerlenbach/Ebenhausen sind an diesem Dienstagabend beim Fußball-Training, und der Ukrainer ist selbstverständlich einer von ihnen. Seit 15 Monaten lebt der 28-Jährige mit seiner Frau und dem gemeinsamen, in Deutschland geborenen, Kind in der Gemeinschaftsunterkunft in Ebenhausen. Fußball hatte Anton Anichenkov schon in seiner Heimat gespielt, in der Stadt Kramatorsk. Ostukraine. Kriegsgebiet. Bomben. Tote und Verletzte. Der junge Mann mit Hochschulabschluss gehörte zu den Besserverdienern. Jetzt ist ein sicheres Leben der Luxus, der zählt.
Zweimal in der Woche nach der Arbeit mit Freunden wurde gekickt, jetzt erstmals im Verein. "Das war für mich kein Problem. Ich war immer sportlich. Ich rauche nicht und ich trinke fast nie Alkohol. Ich bin fit", sagt Anichenkov. Und das übrigens in sehr gutem Deutsch.