Hammelburg Volleys - TV Bliesen 3:1 (23:25, 25:22, 25:16, 25:18).

Auch Pflichtsiege haben ihre außergewöhnlichen Momente. Nach einem wenig spektakulären Spielende wurde Hannes Krochmann von seinen Kollegen jedenfalls mächtig abgefeiert für die Wahl zum wertvollsten Spieler seines Teams. Der 21-Jährige ist ein Teamplayer. Einer, der die Kollegen lautstark unterstützt, auch wenn er nicht spielt. Diesmal stand der junge Zuspieler vom ersten bis zum letzten Ballwechsel auf dem Feld - und nutzte seine Chance. "Ich versuche in den Spielpausen meine Mannschaft zu pushen. Da kommt es auch mal vor, dass ich überdrehe. Aber im Spiel fokussiere ich mich stark auf die Ballwechsel. Innerhalb und außerhalb des Feldes, das sind bei mir irgendwie zwei Welten", sagte der Blondschopf.

Neben Krochmann hatte Cornel Closca auch Janick Sill und Severin Hauke in die Startformation rotiert. Und natürlich Lorenz Karlitzek, der nach längerer Verletzungspause endlich sein Comeback feierte. Der Rückkehrer, auch erst 21 Jahre jung, steuerte mit Oscar Benner reichlich Punkte bei, offenbarte ab und an aber noch einige Timing-Probleme. Reichlich Umstellungen also, die Rhythmusstörungen nach sich zogen. Gute Stimmung war zunächst nur beim Aufsteiger aus dem Saarland, der fast gar nicht die 300 Kilometer lange Reise an die Saale hätte antreten können. Drei Spieler standen Corona bedingt bereits auf der Ausfall-Liste, erst in den Mittagsstunden kam vom Gesundheitsamt das Ergebnis, dass alle anderen Tests negativ seien. "Das war alles schwierig für uns, weil ja unter anderem zwei Außenangreifer gefehlt haben. Aber die Mannschaft hat alles gegeben und das Beste draus gemacht", sagte Bliesens Co-Trainer Michel Beautier, der diesmal TV-Chefcoach Burkhard Disch vertrat, der auch Trainer der isländischen Herren-Nationalmannschaft ist.

Früh hatten sich die Gäste mit ihrem schnellen Angriffsspiel einen Vorsprung erarbeitet und schließlich über die Ziellinie gerettet. Zumindest den aufregendsten Punkt durften die Hammelburger für sich beanspruchen, als Krochmann den Ball mit einer akrobatischen - und erlaubten - Fußaktion im Spiel hielt und Karlitzek die entscheidende Offensivaktion nachlegte. "Das lief zu Beginn nicht so, wie wir uns das erhofft hatten. Aber den Aufschwung vom Ende des ersten Satzes haben wir in den zweiten mitgenommen. Dann hat sich auch die Stimmung geändert, wir waren viel positiver", analysierte Hannes Krochmann.

Mit 11:6 führte der bislang punktlose Gast bereits, als Closca mit der Einwechslung von Moritz Rauber den Umschwung einleitete. Der Außenangreifer, auch erst 23 Jahre jung, brachte Dynamik und Schlagkraft ins Hammelburger Spiel. "Moritz hat die Abwehr und die Annahme organisiert und sich im Aufschlag stabilisiert", lobte Cornel Closca. Mit dem Monsterblock von Nils Rehmeier und zwei Assen von Oscar Benner hatten die Gastgeber den Rückstand in eine 16:14-Führung gedreht und sollten sich auch vom erneuten Ausgleich (20:20) nicht mehr aus der Spur bringen lassen. "Hintenraus waren ein paar Entscheidungen, mit denen wir nicht ganz glücklich waren", fand Michel Beautier, dessen Team fortan chancenlos sein sollte. Ohne großartig zu glänzen, folgten zwei souveräne Satzerfolge.

"Mit dem Spiel bin ich zufrieden, ich hätte aber auch gerne mit der Startformation gewonnen. Die Jungs aus der zweiten Reihe haben schließlich das Niveau und sollten nach einer guten Vorbereitung und harter Arbeit im Training ihre Chance bekommen. Aber es war eine gewisse Nervosität zu spüren. Man muss auch bei einem Punktspiel präsent sein und sich dem Druck stellen", sagte Cornel Closca.

Dem Druck gestellt hatte sich in jedem Fall Hannes Krochmann. Der war zu Beginn des dritten Satzes nämlich vom Gegner "abgeschossen" worden, lag auf dem Hallenboden, berappelte sich - und führte seine Mannschaft vor den 150 stimmungsvollen Fans zum Sieg. Aus einem solchen Holz ist ein MVP geschnitzt .