Hammelburg Volleys - TSV Mimmenhausen (Samstag 20 Uhr, Saaletalhalle) "Du kannst nicht so gut Volleyball spielen, bist aber groß? Dann komm' in unser Team!" So oder so ähnlich könnte eine - etwas spöttische - Stellenanzeige für einen Mittelblocker lauten. Denn Vorurteile über die großen Spieler in der Netzmitte gibt es hinreichend. "Es stimmt schon, dass man mitunter belächelt wird", sagt Hammelburgs Luca Dierks. Wehe, der Mittelblocker muss einmal zuspielen. Spieler auf dieser Position glänzen kaum mit spektakulären Punktaktionen, weshalb die "Mittelsmänner" bei der MVP-Wahl oft leer ausgehen. Ihre Aktionen sind meist subtiler als der wuchtig vorgetragene Angriff des Außenannahmespielers.

Nicht zuletzt im Leistungsvolleyball sind Mittelblocker elementare Stützen des Spiels, deren Repertoire viel größer ist, als es ihre Bezeichnung vermuten lässt. Bei Hammelburg heißen die Mittelblocker Nils Rehmeier, Luca Dierks und Janick Sill. "Gute Mittelblocker zu finden ist unglaublich schwer. Da ist der Markt überschaubar, weshalb wir froh sind, auf dieser Position hervorragend besetzt zu sein", sagt Hammelburgs Pressesprecher Olly Wendt über seine drei "Netzaktivisten". 

Ein Opfer der Rotation

Für den ersten Ball sind die Außenannahmespieler und der Libero zuständig, "weshalb der Mittelblocker in der Regel nach eigenem Aufschlag für den Libero das Feld verlässt, was für einen Außenstehenden vielleicht nicht immer ganz nachvollziehbar ist", erklärt Wendt.  Wird der Mittelblocker also zum Hinterspieler, drückt er so lange die Bank, bis er in der Rotation wieder ans Netz und blocken darf. "Da hat man dann das Gefühl, seinem Team nicht mehr helfen zu können", beschreibt Nils Rehmeier das Gefühl auf der Bank. Der 20-Jährige ist mit 2,02 Metern der größte Hammelburger Akteur, würde international aber eher zu den "Kleinwüchsigen" seiner Zunft gehören.

Was sind denn nun die Fähigkeiten, über die ein guter Mittelblocker verfügen muss? Benötigt werden schnelle Hände und ausgezeichnete koordinative Fähigkeiten. "Dazu musst du in der Lage sein, das gegnerische Angriffsspiel zu lesen", erklärt Janick Sill. Wo befindet sich der Zuspieler? Kommt er aus dem Hinterfeld oder ist er Vorderspieler? Wo stehen die Angreifer und was sind deren bevorzugte Schlagrichtungen? Spielt der gegnerische Zuspieler viel über die Mitte oder setzt er den Diagonalangreifer öfters ein?  Ein gutes Timing und die Fähigkeit, Dinge vorauszuahnen, sind somit essenziell.

Denn auf der anderen Netzseite ist eine Hauptaufgabe des Zuspielers, den Mittelblocker auszutricksen oder so lange zu binden, dass seine Angreifer nur einen Einerblock gegen sich haben. Dass Mittelblocker idealerweise groß gewachsen sind und über eine immense Spannweite verfügen, ist für die Ausübung ihrer Tätigkeit hilfreich. Denn neben dem Block, gilt es je nach Zuspiel blitzschnell entweder nach links oder nach rechts zu eilen, um dem Angreifer einen Doppelblock entgegen zu stellen. Dabei gilt es, den Angriff entweder direkt abzuwehren oder den Akteur auf der anderen Netzseite zu einer bestimmten Schlagrichtung zu zwingen, um die von der eigenen Feldabwehr zu verteidigende Spielfläche zu verkleinern.

Die wichtigste Eigenschaft ist sicherlich eine hohe Frustrationstoleranz. "Du brauchst schon Durchhaltevermögen, wenn du weniger Pässe bekommst als sonst", sagt Luca Dierks. "Und eine hohe Toleranz gegenüber schlechten Annahmen", fügt Janick Sill schmunzelnd hinzu. Denn gewöhnlich kann der Zuspieler seinen Mittelmann nur dann erfolgreich einsetzen, wenn der erste Ball präzise ist.  

Gegen die starke Angriffsreihe der Gäste werden vor allem die Abwehrkünste gefragt sein. Ob und wie oft der DJ das obligatorische "Mein Block" vom gleichnamigen Sido-Song anspielen darf, wird also ganz entscheidend von den Herren der Netzmitte abhängen.

Erneut ein Titel-Kandidat

Mit dem TSV Mimmenhausen kommt schließlich der Erstplatzierte der abgebrochenen vergangenen Saison ins "Wohnzimmer." Auch in dieser Punkterunde gehören die Jungs vom Bodensee zum  Kandidatenkreis auf die Meisterschaft, was die bisherigen Ergebnisse untermauern. Tragende Säulen sind der international erfahrene Federico Cipollone im Zuspiel und natürlich Christian Pampel als Trainer und Diagonalangreifer. Der Italiener führte viele Jahre bei Erstligist TV Rottenburg Regie. Pampel indes verfügt als 212-facher Nationalspieler über immense Routine und "zerlegte" die Gegner in der Vergangenheit auch gerne mal im Alleingang. Als Spielertrainer ist es ihm gelungen, ein ambitioniertes und sympathisches Team zu formen. War das Spiel in der Aufstiegssaison nur auf die Angriffsgewalt Pampels ausgelegt, trägt mittlerweile die komplette Mannschaft zum Erfolg bei. Mit Johannes Becker kommt zudem ein ehemaliger Hammelburger Spieler in die Saaletalhalle.