Der Tod des jungen Vaters sorgte für finanzielle Probleme bei seiner Familie, was deren Freunde veranlasste, ein Benefizspiel zu organisieren. Dazu kam es Ende der Saison 1992/93, als die Münchner im Hammelburger Stadion gegen eine Auswahl des Altlandkreises aufliefen.

Vor 3500 Zuschauern empfingen die eingefleischten Fans ihre Bayern mit dem Gesang: "Was ist grün und stinkt nach Fisch? Werder Bremen!" Grund war, dass die Münchner eine Woche zuvor die Meisterschaft nach einem 3:3 gegen Schalke 04 begraben mussten. Die bis dahin punktgleichen Bremer unter Trainer Otto Rehhagel sicherten sich den Titel mit einem 5:1 gegen den VfB Stuttgart.

Überraschender Rückstand

Die Gäste, die auf ihre Länderspiel-reisenden Nationalspieler Thomas Helmer, Lothar Matthäus, Olaf Thon, Christian Ziege und Bruno Labbadia verzichteten, reisten mit trotzdem schlagkräftigem Kader an. Coach war in Vertretung von Erich Ribbeck Klaus Augenthaler, der staunte, als der Favorit schnell zurücklag.

Nachdem der Ball von einem Werbehubschrauber aufs Spielfeld geworfen war, landete er gleich nach dem Anpfiff im von Raimund Aumann gehüteten Tor. Der Untererthaler Michael Hüfner hatte aus zwölf Metern für die von Thomas Hammer betreute Hammelburg-Auswahl abgezogen. Die verpasste eine Minute später den zweiten Treffer unglücklich. Nach Vorarbeit von Holger Veth (Oberthulba) flog das Leder nach Schuss des Stürmers Jürgen Wiesler von der Unterkante der Latte zurück.

Der Rückstand gefiel dem Favoriten natürlich nicht. Er berannte das von Udo Baum gehütete Tor. Der ließ sich vor der Pause nur einmal bezwingen. Ein Schuss von Thomas Berthold landete nach Ecke von Markus Münch im Netz. "Der Udo hat eine Klasseleistung gezeigt", erinnerte sich Thomas Hammer. "Er wurde mit jeder Parade selbstbewusster, hatte aber auch stellungssichere und kampfstarke Vorderleute um den Abwehrchef Gottfried Gerlach aus Thulba vor sich."

Mit zunehmender Spielzeit wuchs die Auswahl, angetrieben von Kulisse und Spielstand, über sich hinaus. "Da wurden mehr als hundert Prozent abgeliefert", erinnert sich Hammer.

In der Halbzeit ging es laut ihm in der Kabine der Bayern lautstark zu. "Augenthaler war stinksauer und außer sich vor Wut". Seine Ansprache zeigte Wirkung, denn die Münchner legten eine Schippe drauf. Es kam zu einem Belagerungszustand des nun von Andreas Kraus gehüteten Auswahltores. Angetrieben von Augenthaler, der sich selbst einwechselte, und einem sich steigernden Mehmet Scholl wurden die Gäste-Stürmer Michael Sternkopf und Roland Wohlfarth in exzellente Schusspositionen gebracht - die diese kaltschnäuzig nutzten.

Der eingewechselte Wolfgang Gerstmeier und Wohlfarth sorgten zügig für eine 3:1-Führung, was die Auswahl, bei der nach dem Seitenwechsel ebenfalls frische Kräfte kamen, wenig beeindruckte.

Dies drückte sich im Anschlusstreffer aus, für den der eingewechselte Rainer Brandenstein (Diebach) auf Vorarbeit von Martin Halbig verantwortlich war. Brandenstein ließ mit platziertem Schuss FC-Ersatzkeeper Uwe Gospodarek keine Chance. Halbig, beim FC 05 Schweinfurt aktiv, verdankte seiner Auswahlzugehörigkeit der Fuchsstädter Heimat.

"Das war natürlich ein Highlight in der Karriere", konnte sich Brandenstein gut erinnern. "Wann spielst du schon einmal gegen Oliver Kreuzer oder Markus Münch. Da beißt du trotz einer Zerrung schon mal auf die Zähne."

Hohem Tempo Tribut gezollt

"Bei uns wurden trotz frischer Kräfte die Beine immer schwerer; wir kamen nur selten zu Entlastungsangriffen, die sich weitgehend in Weitschüssen zeigten", so Martin Halbig. Diese setzte vornehmlich der Morlesauer Harald "Knöpper" Schmitt an, ohne Erfolg.

Mit dem 4:2 durch Markus Münch brachen trotz aufopfernder Abwehrarbeit bei der Auswahl alle Dämme. "Die Mannschaft hatte vor der Pause über ihrem Limit agiert; sie musste dies mit einem hohen Kräfteverschleiß büßen", erkannte Thomas Hammer schon während der zweiten Halbzeit. Der Favorit schraubte den Spielstand auf ein zweistelliges Ergebnis, "was wir zwar verhindern wollten; aber die begeisterten Zuschauer nahmen uns das nicht übel".

Eher übel nahmen vor allem die jugendlichen Fans das Verhalten der Gäste nach Abpfiff, als sie Autogrammwünsche mit Ausnahme von Sternkopf recht brüsk ablehnten und schnellstens abreisten.