Hammelburg Volleys - TSV Mimmenhausen 2:3 (28:26, 20:25, 25:18, 17:25, 9:15). Es war die Szene des Abends: Im dritten Satz trat Lorenz Karlitzek zur Angabe an. Er startete eine auf diesem Niveau ungewöhnliche Serie, die erst mit dem 15:6 endete. So sicherte er seinem Team den Satz und einen Punkt. Dass es nicht zu mehr reichte, hatte verschiedene Gründe.

Sie begann ausgeglichen, die Partie zwischen Spitzenreiter Mimmenhausen und den Hammelburg Volleys. Doch dann schlug Lukas Ott für den TSV auf - und die Hammelburger bekamen ein Problem. Weil sie sich Unkonzentriertheiten leisteten, stand es bald 6:9. Doch die Volleys brachen nicht ein, waren bald gleichwertig. Auch, weil die Gäste Oscar Benner und Karlitzek nicht gestellt bekamen. Nachdem der penible Referee eine Doppelberührung bei der gegnerischen Annahme erkannt hatte, glich das Heimteam aus: 14:14.

Hochspannung am Netz

Fortan lieferten sich beide Mannschaften ein offenes Duell - und punkteten bis zum 23:23 im Gleichklang. Weil die Mimmenhausener danach einen starken Block zeigten, ergatterten sie sich den ersten Satzball. Die Hammelburger wehrten ihn ab. Der TSV ging mit einem flüssigen Angriff erneut in Führung; der gut freigespielte Benner glich mit platziertem Schmetterball aus. Wieder Führung TSV, wieder Ausgleich Benner.

Beim 27:26 stand der Hammelburger Block. Und als Ex-Nationalspieler und TSV-Spielertrainer Christian Pampel eine Angabe von Luca Dierks unterschätzte, war der Satzgewinn für die Volleys tatsächlich da. Der Ball landete satt im Feld: 28:26. Manch einer in der Halle war da freudig überrascht.

Der zweite Satz entwickelte sich ähnlich ausgeglichen. Beiden Teams war anzumerken, dass sie richtig Bock auf dieses Spiel hatten. Eine leichte Hammelburger Führung (15:12) zur Mitte des Satzes machten die Mimmenhausener, die nie nervös wirkten, locker wett (16:16). Und erarbeiteten sich selbst einen Vorteil.

Zeitler überraschend als Libero

Weil auch Libero Lukas Baden Probleme bei der Annahme bekam, wechselte Trainer Cornel Closca beim Stand von 18:22 ungewöhnlich. Er brachte Moritz Zeitler auf Badens Position. Auch deswegen, weil ihm Alternativen fehlten. Aaron Dettner und Hannes Krochmann hatten sich vorsichtshalber wegen Corona in ihrer Umgebung in Quarantäne begeben. Der Schachzug half wenig. Mimmenhausen baute seinen Vorsprung aus. Noch einmal Hammelburger Hoffnung durch Dierks beim 19:24. Doch der TSV ließ sich den Satz nicht nehmen. Christian Pampel finalisierte.

Den dritten Satz dominierten zunächst die Hammelburger. Beim Stand von 8:5 rotierte sich Lorenz Karlitzek mit einem selbst erzielten Punkt in die Angabe. Seine Aufschläge trafen die Mimmenhausener hart. Wenn sie nicht direkt als Ass endeten, segelten sie von der Abwehr an die Hallendecke. Einmal half das Netz mit. Die Orgie endete erst, als Karlitzek einen Ball knapp ins Aus setzte. Trotzdem: Mit seiner Serie riss der Rückkehrer die Zuschauer mit, die ansonsten eher reserviert reagierten, auch auf die Animationsversuche von Hallensprecher Oliver Wendt. Corona steckt in den Köpfen.

Der Spitzenreiter erholte sich nicht mehr. Jonas Hoffmann und Ott starteten zwar Aufschlag-(Gegen)Offensiven. Nur hielten die nicht so lange an wie die von Karlitzek. Logisch, dass Letzterer den Satzball zum 25:18 selbst verwandelte. Obwohl sie sich sicher Anderes vorgenommen hatten, lagen die Hammelburger im vierten Satz nach erneut ausgeglichenem Beginn bald zurück (7:10). Da half auch die spektakuläre Aktion von "Fußballer" Laurentiu Vinatoru nicht, der bei einem langen Ballwechsel den Ball gekonnt mit "Links" im Spiel hielt; Nils Rehmeier sicherte anschließend das 9:10. Beim Stand von 10:14 blieb eine neuerliche Karlitzek-Aufschlagserie aus. Auch, dass Lukas Baden wieder übernahm, sowie einige Auszeiten verfehlte seine Wirkung. Die Hammelburger agierten zunehmend fehlerhaft. Da passte es, dass Karlitzek beim finalen 16:25 seine Angabe weit ins Aus schlug.

Unverständlicher Einbruch

Im Tie-Break folgte - man muss es so sagen - der Zusammenbruch. Beim 0:1 prallte der Ball vom Hammelburger Block ins Aus. Beim 0:2 scheiterte Moritz Rauber an der gegnerischen Wand, bei 0:3 war es ähnlich. Was Abteilungsleiter Matthias Benner ausrufen ließ: "Das versteh' ich jetzt net." Erst sein Sohn schaffte den Anschluss. Doch eigentlich war die Partie schon gelaufen. Die Mimmenhausener zogen ihr Spiel durch. Lukas Ott machte das Match zu, indem er Karlitzek geschickt anschmetterte, sodass der Ball unerreichbar ins Aus ging. Betretene Mienen bei den Hammelburgern. Cornel Closca freute sich zwar über den einen Punkt. Der Trainer bemängelte aber, dass seine junge Mannschaft nie zu ihrer Konstanz gefunden habe. Überraschend kam der Einbruch für Closca nicht. "Mit ein paar erfahrenen Spielern über 30 wäre das im Tie-Break sicher anders gelaufen."

Luft nach oben

Auch Lorenz Karlitzek sah ein Spiel mit Höhen und Tiefen. "Wir haben teilweise sehr inkonstant gespielt." Mal seien die Angaben gekommen, aber das Team habe die Punkte nicht gemacht. Mal sei es dem Gegner so ergangen. Im Tie-Break sei der vergeigte Anfang mit einem 2:5 entscheidend für den Ausgang gewesen. Sein eigenes Spiel fand Karlitzek okay. "Es ist aber noch Luft nach oben."

Mimmenhausens Christian Pampel, der - mal wieder - zum MVP ernannt wurde, sah TV/DJKler, die sehr aggressiv aufgeschlagen hätten. Wenn die Angaben durchgekommen seien, habe diese Waffe gewirkt, so der TSV-Spielertrainer. Im vierten und fünften Satz sei das aber nicht mehr der Fall gewesen.