Hammelburg Volleys - SV Schwaig 3:2 (21:25, 21:25, 25:20, 25:16, 15:10).

Laurentiu Vinatoru gehört nicht zu den Lautsprechern im Team. Der 40-Jährige klagt nicht, wenn Trainer Philipp Fischer dem jungen Hannes Krochmann auf der Zustellerposition den Vorzug gibt. Doch im Spiel gegen seine Ex-Kollegen aus Schwaig avancierte Vinatoru zum Matchwinner. Und gab sich hinterher ganz bescheiden.

Es stand nicht gut um die Hammelburg Volleys nach dem Ende des 2. Satzes. Die Schwaiger waren deutlich besser gewesen. Sie hatten klar gemacht, dass sie ein anderes Kaliber sind als viele Teams, die zuletzt in der Saaletalhalle aufspielten. Ein Gegner, der Schwächephasen sofort ausnutzt.

Die Hammelburger ihrerseits - mit Lorenz Karlitzek und Hannes Krochmann in der Startsechs sowie Moritz Zeitler als Libero - fanden schwer in die Partie. Dabei mussten sie kurzfristig auf Mittelblocker Nils Rehmeier verzichten; er hatte sich an der Hand verletzt. Für ihn spielte Nico Bitsch.

Nach jeweils ausgeglichenem Beginn in den ersten beiden Sätzen erarbeiteten sich die Schwaiger kleine Vorsprünge. Die bauten sie kontinuierlich aus, auch, weil sie Oscar Benner gut in den Griff bekamen. Ein ums andere Mal blockten die SVler seine Schmetterschläge. Auch Karlitzeks gefürchtete Aufschlagserien unterbanden die Gäste - unter anderem durch eine geschickte Auszeit. Selbst konnten sie sich einige Fehlangaben mehr leisten als das Heimteam. Bei dem kam am ehesten am Netz noch Moritz Rauber durch.

Selbst wenn die Hammelburger wieder leicht aufholten: Schwaig zog an - und sicherte sich locker Satz eins und zwei. Der neunte Sieg der Volleys in Folge: Er schien unrealistisch wie nie.

Eingewechselte Wende im 3. Satz

Doch dann griff Trainer Fischer zu einer eigentlich oft praktizierten Maßnahme: Er wechselte den Zuspieler. Diesmal zahlte sich das so aus wie nie. Laurentiu Vinatoru stellte die Bälle ruhig und besonnen - aber äußerst präzise. Davon profitierte das gesamte Team, aber vor allem die Außenangreifer Benner, Rauber und Karlitzek.

Das 6:4 bedeutete die erste Zwei-Punkte-Führung der Volleys. Zwar blieb der 3. Satz eng, die Schwaiger dran. Aber dem Heimteam gelang es, den kleinen Vorsprung zu halten. Gegen Ende des Satzes bauten sie ihn sogar aus gegen Gäste, die nun selbst nicht mehr so konstant annahmen und spielten.

Nun waren die Hammelburg Volleys obenauf. Im 4. Satz gelang ihnen nach einem 0:2 die 6:3-Führung. Am Aufschlag stand - wen wundert's - Laurentiu Vinatoru.

Zwar blieb auch dieser 4. Satz stets eng; die Gäste glichen zum 10:10 aus. Aber: Die Partie kippte nicht mehr zu ihren Gunsten.

Die nun stark aufspielenden und blockenden Hammelburger zogen sogar auf 20:13 davon. Daran Anteil hatte auch der lange verletzte Luca Dierks mit einigen starken Aktionen. Als der Schmetterball eine Schwaigers zu weit geriet, war der Satz erstaunlich souverän gewonnen.

Im Hinspiel in Schwaig hatten die Hammelburger den Match-Tiebreak noch 13:15 verloren. Das passierte der sehr gefestigt wirkenden Mannschaft nun nicht mehr. Ihr gelang alles. Mehrere Mal schlugen die von Vinatoru in Szene gesetzten Benner und Karlitzek den Schwaiger Block an - stets landete der Ball im aus oder im Feld der Gäste.

Zwischenzeitlich führten die Volleys 11:3. Zwar brachte der spätere Vize-MVP Max Bibrack sein Team mit harten Angaben noch einmal auf 12:8 heran. Aber am Ende stand nach einer Fehlangabe der Gäste ein souveränes 15:10 der Gastgeber.

Viel Zeit zum Feiern blieb ihnen nicht. Stand doch gleich die Ehrung des MVP an. Der konnte nur Laurentiu Vinatoru heißen.

"Spielentscheidend für den Kopf"

Schwaigs Trainer Milan Maric wählte ihn aus, weil er auf der Zuspiel-Position den Unterschied machte. Vinatoru habe seinen Hammelburgern Schwung nach vorne und mehr Selbstvertrauen gebracht. Von seiner Mannschaft hatte Maric nicht erwartet, dass sie in den letzten drei Sätzen so passiv war und den Kampf nicht angenommen habe. Zudem habe sie sich mehr Aufschlagfehler als die Gastgeber geleistet.

Auch Hammelburgs Trainer Philipp Fischer lobte seinen Routinier. "Lau macht seie Sache sehr, sehr gut gemacht und das auf eine sehr abgezockte, lässige Art und Weise. Das tut der Mannschaft gut, gerade in Situationen, in denen alles drumherum hektischer wird." Er sei zurecht MVP geworden.

Zu Hannes Krochmann habe er gesagt, dass es nicht an ihm gelegen habe.

Als spielentscheidend wollte der Trainer Vinatorus Einsatz nur "für den Kopf" nennen. Ausschlaggebend seien eine stabilere Annahme und deutlich weniger Fehler des gesamten Teams gewesen. "Wir haben wesentlich effektiver gespielt und die Chancen aus der Abwehr genutzt."

Steter Glaube an den Sieg

Glaubte Fischer nach ersten beiden verlorenen Sätzen noch an den Sieg? "Ja, weil wir so schlecht gespielt haben, das musste einfach besser werden. Ich wusste: Wenn wir unser Spiel spielen, können wir auch drei Sätze am Stück gegen Schwaig gewinnen."

Laurentiu Vinatoru selbst nahm seinen Anteil am Sieg ganz gelassen. Er habe es seinem früheren Verein nach seiner Einwechslung nicht zeigen wollen. Aber ab dem 3. Satz hätten seine Hammelburger "unseren Volleyball" gespielt. Das habe nicht nur an ihm gelegen, sondern an einen Mitspielern und an Schwaig. Von dessen Team kenne er noch die Hälfte der Spieler. "Ich spiele nicht für den Titel des MVP; ich spiele für das Team."