Matthias Benner gilt als das Gesicht des Hammelburger Volleyballs. Seit vielen Jahren. Doch dieses Gesicht wird man künftig nicht mehr am Spielfeldrand oder im Dunstkreis der 1. Mannschaft sehen. Sondern höchstens als Zuschauer unter vielen auf der Tribüne. "Massa" Benner tritt im Sommer von allen seinen Ämtern zurück. Seine Nachfolge sieht der 57-Jährige gut geregelt.

Es gibt wohl niemanden beim TV/DJK Hammelburg, der so viele wichtige Posten bei sich vereint wie Matthias Benner. Seit 2007 fungiert er als Abteilungsleiter der erfolgreichsten der 18 Sparten des Großvereins - der Volleyballer, mit ihren Damen- und Herrenmannschaften sowie der Jugend.

Zudem sitzt Benner im Vorstand des Gesamtvereins, der sich aus vier gleichberechtigten Vorsitzenden zusammensetzt. Dort wirkt er als Sprecher. Schließlich arbeitete der 57-Jährige bisher als Teammanager der Hammelburg Volleys. Die spielen immerhin 2. Bundesliga.

Bei all diesen Aufgaben fielen jede Menge ehrenamtliche Stunden an. "Drei bis fünf pro Woche für den Hauptverein, zehn in der Saison für den Volleyball", schätzt Benner. Corona hat den Aufwand noch wachsen lassen. Und das alles neben der Arbeit als selbstständiger im Bereich Immobilienentwicklung.

Doch mit all dem ist im Sommer Schluss. Zu den im Sommer bevorstehenden Vorstandswahlen tritt Matthias Benner nicht mehr an. "Dann sind andere Abteilungen dran, ihren Teil beizutragen." Ins Gremium dazugestoßen war er vor drei Jahren überhaupt nur, weil Not am Mann war. Der alte Vorstand war komplett zurückgetreten; es drohte die Zwangsauflösung des Vereins mit damals 2300 Mitgliedern, wenn sich niemand Neues findet.

Der Volleyball war die Kür

Nun sieht Benner eine Zukunft ohne ihn im Führungsgremium gekommen. Einige bisherige Mitglieder wollen weitermachen; Neue müssen dazukommen.

Die Arbeit im Hauptverein machte der Hammelburger, "um ihm etwas zurückzugeben". Immerhin habe der ja die Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung seiner Abteilung in den vergangenen Jahren geschaffen.

Aber die Leidenschaft, die Lust, der Genuss des Matthias Benner - sie gehörten eindeutig dem Volleyball, seinem Sport. Von 1981 bis 1991 spielte er selbst im Hammelburger Team; ab 1986 bis 2019 fungierte er als Schatzmeister der Volleyballabteilung. 1997 wurde er stellvertretender Abteilungsleiter unter Burkhard Oschmann - und behielt diesen Posten für zehn Jahre.

Danach bildete Benner gemeinsam mit Vilma Bindrum und Thomas Greinwald die Abteilungsleitung, die er ab 2017 in alleiniger Verantwortung übernahm.

Greinwald und Bindrum - die beiden Weggefährten spielen eine entscheidende Rolle bei der Nachfolge des 57-Jährigen. Gemeinsam mit Thomas Heidelmeier sollen sie die Abteilungsleitung ab Sommer wieder übernehmen. Bleibt der Posten als Teammanager, den Benner nur in dieser Saison 2020/21 innehatte. Ihn gibt er nach dem 30. Juni an Oliver Wendt und Frank Jansen ab. Auch dies wohlbekannte Namen in der Volleyball-Abteilung.

Wenn Matthias Benner etwas tut, dann ganz oder gar nicht. So wird er sich auch nicht in zweiter Reihe im Verein engagieren. Auch das Volleyballspielen wird er nicht wieder beginnen, obwohl er im Altherrenteam Gelegenheit dazu besäße. "Ich bin zu schwer und zu verletzungsanfällig", schätzt er sich selber ein.

Als Nachwuchstrainer hält er sich nicht geeignet. Und den "Heckenschützen", der die Entscheidungen seiner Nachfolger kommentiert und kritisiert, mag er auch nicht geben.

Stattdessen möchte der 57-Jährige die gewonnene Zeit für "ausgedehnte Spaziergänge mit Familie und Hund" nutzen. Und er hat seiner Frau versprochen, mit ihr mehr zu reisen. Das war in einer Zeit, wo von August bis April Volleyballsaison und fast jedes Wochenende belegt war, kaum möglich.

Schließlich gibt es noch weitere familiäre Gründe für Benners Abgang. Seine Tochter Clara wird mit dem Abitur fertig und geht ziemlich sicher studieren. Dann spielt sie nicht mehr in Hammelburg Volleyball. Sohn Oscar hatte zwar eigentlich vor, nach der Spielzeit im Zweitligateam aufzuhören; nun hängt er noch eine Saison dran.

Der Abschied von den Führungspositionen fällt Matthias Benner indes "bei gut bestelltem Haus überhaupt nicht schwer". Seine Entscheidung hat er nach eigenen Worten schon im Oktober 2020 gefällt. "Der Kontakt reißt ja nicht ab."

Nach 14 Jahren mit ihm als Abteilungsleiter sei es an der Zeit, dass mal wieder frischer Wind hineinkomme. Benner betont auch, dass er nicht etwa verärgert hinwirft. "Wir trennen uns in größter freundschaftlicher Verbundenheit." Mehr noch: Der 57-Jährige ist überzeugt: "Die Neuen machen es mit Sicherheit genauso gut, wenn nicht gar besser als ich. Sie werden die Volleyball-Abteilung anders, aber gut und erfolgreich führen." Man habe immer als Team zusammengearbeitet. Und 95 Prozent davon seien ja noch da.

Große Erfolge in Benners Amtszeit

Wenn Benner auf die vergangenen Jahre zurückschaut, fallen ihm viele schöne Momente ein: natürlich der Aufstieg seiner Volleys in die 2. Bundesliga Süd 2015. Aber auch, dass sich der TV/DJK schon sechs Jahre in dieser Spielklasse hält. "Das ist für einen ehrenamtlich geführten Verein ein großer Erfolg. Andere haben ganz andere - viel hauptamtlichere - Strukturen." Die aktuell beendete Saison gehöre - zusammen mit der Premierensaison 2015/16, als man ebenfalls Dritter wurde - zu den erfolgreichsten.

Der 57-Jährige nennt die Teilnahme der Hammelburger Jugend an den Deutschen Meisterschaften 2011, 2013 und 2014. Dazu den Aufstieg der 1. Damenmannschaft in die Dritte Liga und die Deutsche Meisterschaft der Seniorinnen 2016. Auch die Teilnahme seines Sohnes Oscar an der U19-WM in Argentinien 2015 macht Vater Benner stolz.

Ebenso freut er sich, dass mit Moritz Karlitzek ein in Hammelburg ausgebildeter Spieler Stammkraft in der deutschen Nationalmannschaft ist. Und dass sein Bruder Lorenz jetzt wieder in die 1. Liga zurückkehrt (Er geht nach Giesen bei Hildesheim). Auch wenn er ihn gern in Hammelburg behalten hätte. Diese Erfolge schreibt er aber nicht sich selbst zu, sondern vor allem den Spielern und (Nachwuchs)-Trainern.

Es gab aber ein Ereignis, an das Massa Benner ungern zurückdenkt: das Absetzen des jährlichen Freiluftturniers - einem Spektakel mit bis zu 100 Mannschaften. Irgendwann war es mit immer weniger werdenden Teams und Helfern wirtschaftlich nicht mehr vertretbar.

Im Moment ist Benner intern als "Einarbeiter der Nachfolger" aktiv; aus der Kaderplanung hält er sich raus.