Die Fans der Hammelburg Volleys brauchen Geduld. Nicht nur, dass sie wegen Corona nicht wissen, wann sie ihr Team in der Saaletalhalle wiedersehen. Nun wurde auch das erste Heimspiel vom 19. September auf den 17. Oktober verlegt. Indes trafen sich Vertreter des TV/DJK mit dem Leiter des Gesundheitsamtes, um ihr Hygienekonzept für Heimspiele vorzustellen. Und da spielen auch Zuschauer eine Rolle.

Welch krasser Gegensatz: Wenn die Hammelburg Volleys ihre Saison am 12. September im sächsischen Delitzsch starten, tun sie das vor Zuschauern. Vor bis zu 200, genauer gesagt. So viele erlaubt der Freistaat Sachsen maximal in den Hallen.

Im Freistaat Bayern herrschen andere Verhältnisse. Zuschauer bleiben dort tabu, auch in der Saaletalhalle. Da hilft auch nicht, dass die halbprofessionelle Hammelburger Truppe wie die anderen Teams der Volleyball-Bundesligen zu "Profis" erklärt wurden. Immerhin: Dieser Kunstgriff sichert den Erst- und Zweitligisten den Spielbetrieb. Der sogenannte "Amateursport" in den unteren Ligen bleibt derweil weiter untersagt.

Dass das (eigentlich) erste Heimspiel der Hammelburg Volleys gegen Aufsteiger Bliesen auf den 17. Oktober verschoben ist - dafür kann die Staatsregierung wenig. Vielmehr habe die Volleyball-Bundesliga (VBL) es versäumt, ihr ein Hygienekonzept rechtzeitig zukommen zu lassen, berichtet Matthias Benner, Volleyball-Abteilungsleiter beim TV/DJK. Das Konzept werde geprüft.

So wird also der zweite Heimspieltag am 3. Oktober gegen Grafing zum ersten. Leider ohne Zuschauer. Dennoch haben sich die Vereins-Verantwortlichen Gedanken gemacht, wie sie das Spiel (und alle weiteren) Corona-gerecht über die Bühne bringen. Das alles basierend auf dem Hygienekonzept der VBL.

Drei Bereiche in der Halle

Das Ergebnis: Die Halle wird in drei Bereiche aufgeteilt sein - einen gelben, einen blauen und einen grünen. Der Zugang über das Foyer bleibt am Spieltag geschlossen. Ebenso der Hallenkiosk. Stattdessen sind der gelbe und die beiden anderen Bereiche über getrennte Eingänge auf der Hallen-Rückseite erreichbar.

Im gelben Bereich an einer Stirnseite des Spielfelds dürfen sich "passive Beteiligte" bewegen: Hallensprecher, DJ, Presse.

Der blaue Bereich, der Umkleiden und Duschen umfasst, bleibt Spielern, Trainern, Teamärzten, Physiotherapeuten, Betreuern, aber auch den Schiedsrichtern vorbehalten. All diese "aktiven Beteiligten" dürfen ohne Probleme in den grünen Bereich - das Spielfeld - wechseln. Dort sitzen am Spieltag zusätzlich die Schreiber und Bediener der Anzeigetafel. Maximal 55 Menschen dürfen sich im grünen Bereich aufhalten.

"Ballkinder" müssen mindestens 14 Jahre alt sein und Einweghandschuhe tragen. Denn sie kommen mit den Spielbällen in Kontakt, die ständig desinfiziert werden. Gleiches gilt für die Bänke, auf denen die "Aktiven" während des Spiels sitzen. Spieler wischen ihren Schweiß auf dem Boden selbst weg. Hygienebeauftragter Joachim Rupp soll sicherstellen, dass alle Auflagen eingehalten werden.

Am Freitagvormittag stellten die Volleys-Macher ihr Konzept Gesundheitsamts-Leiter Dr. Ingo Baumgart vor. Besichtigt wurden neben dem Spielfeld Umkleiden und Duschen, aber auch die Tribüne. Denn sollten irgendwann Zuschauer zugelassen werden, müssen die Corona-gerecht verteilt werden. Unter Normalumständen fasst die Tribüne 400 Besucher; am Spielfeld finden weitere 200 Platz.

Luftumwälzung in 40 Minuten

Sicher werden dann auf der Tribüne viele Plätze und ganze Reihen freibleiben müssen, sagte Dietmar Gleisle, der im TV/DJK-Vorstand wesentlich am Hygienekonzept mitgearbeitet hat. Auf Zuschauer am Spielfeldrand wird vorerst ganz verzichtet. Gleisle berichtete Baumgart auch, dass die Hallenlüftung die Luft im Gebäude innerhalb von 40 Minuten komplett austauschen kann. "In den Kabinen sind es acht Minuten."

Anders als in anderen Bundesländern können die Gesundheitsämter in Bayern laut Baumgart bei Corona "kaum Ausnahmen zulassen". Die Staatsregierung regele fast alles zentral. Dementsprechend sah er sich beim Vor-Ort-Termin eher als Berater. "Ich will den Verein unterstützen und bin nicht zum Verhindern da." Das Konzept betrachtete er als "durchdacht".

Matthias Benner hofft, dass ab 1. November Zuschauer wieder zugelassen werden - vorausgesetzt, die Corona-Zahlen sind im Rahmen. Dann müsse eh neu nachgedacht werden. Das sieht auch Amtsleiter Baumgart so.

Kurz vor Saisonbeginn vermelden die Verantwortlichen der Hammelburg Volleys eine weitere Spielerverpflichtung. Aaron Dettner, der im Aufstiegsjahr des TV/DJK Hammelburg mit Lorenz Karlitzek und Oscar Benner auf dem Feld stand, wird dem Team bis Dezember als Abwehrchef helfen. Weil Nachwuchs-Libero Lukas Baden aus beruflichen Gründen in der ersten Saisonhälfte nur sehr selten zum Training und zu den Spielen kommen kann, sahen sich die Verantwortlichen des TV/DJK gezwungen, noch einmal auf die Suche zu gehen. "Von der ersten Kontaktaufnahme bis zu Aarons Zusage verging nicht mal eine Woche", berichtet Oliver Wendt. Er ist vom Transfer im Rekordtempo begeistert, "weil der Hexer sportlich wie menschlich top ins Team passt".

Schwärmen von Hammelburg

Der neue Libero schwärmt noch immer von seiner Zeit in Hammelburg: "Die erste Saison in der 2. Liga war eine wahre Freude. Die Truppe bestand aus markanten Persönlichkeiten, von denen Oscar und Lotze immer noch oder wieder dabei sind. Insbesondere Lorenz hat mir Volleyball nochmal schmackhaft gemacht; es folgte der Anruf vom Olly", erklärt Dettner und ergänzt: "Es hat einfach nochmal gejuckt." olly