Kissinger Wölfe - VER Selb 1b 7:4 (4:0, 2:3, 1:1).
Nun gut, Werbung für das Derby am Freitag gegen den ESC Haßfurt war das Spiel gegen die Oberfranken nicht unbedingt. Aber unter dem Strich gab es die volle Punktzahl gegen das Ligaschlusslicht. Zum Greifen nah ist also der Top-4-Platz, gleichbedeutend mit dem Einzug in die Zwischenrunde. Und die ist tatsächlich auch wieder für die "Hawks" möglich mit dem Sieg bei den Isar Rats aus Dingolfing, die ebenso mit in der Verlosung sind wie der EHC Straubing. Vier Vereine, die sich um zwei freie Plätze streiten, weil Tabellenführer ERV Schweinfurt und der ERSC Amberg nicht mehr einzuholen sind.


"Wir müssen mehr ackern"

Für die Saalestädter ist die Rechnung denkbar einfach: Ein Sieg über Haßfurt, und der vierte Platz ist zementiert. "Aber dafür müssen wir besser spielen als heute. Das war spielerisch eine Katastrophe. Wir müssen einfach mehr ackern, und zwar über 60 Minuten", lauteten die deutlichen Worte von Viktor Ledin, der nach einem harten Check im ersten Drittel nur mit Schmerztabletten die Partie überstand. "Bei unserem kleinen Kader wird halt jeder gebraucht. Da muss man auf die Zähne beißen und sich in den Dienst der Mannschaft stellen", sagte der Kissinger Stürmer.

Nach den Ausfällen von Spielertrainer Mikhail Nemirovsky (gesperrt) und Michael Stach (verletzt) hatten die Kurstädter immerhin zwei Reihen aufs Eis gebracht. Mit dem wiedergenesenen Timo Jung im Tor, der sein Comeback nach fünfwöchiger Pause mit einer starken Leistung krönte. Der Start hätte vor den 200 Fans nicht besser sein können. Keine Minute war gespielt, als Niko Grönstrand die Saalestädter in Führung brachte. Sieben Minuten später war der Finne erneut zur Stelle beim ersten Überzahlspiel der Wölfe, die bis zum Ende des ersten Drittels zwei weitere Treffer nachlegten. Wieder durch einen Doppelpack, wieder von einem Verteidiger. Christian Masel hatte in Überzahl auf 3:0 gestellt (10.) und in Unterzahl nachgelegt acht Sekunden vor der Pausensirene. Konzentriert und diszipliniert hatten die Gastgeber ihr Auftaktdrittel hinter sich gebracht - es sollte das beste Drittel bleiben.

Im zweiten Abschnitt sorgte erneut Grönstrand nach dem Selber Anschlusstor für das fünfte Verteidiger-Tor an diesem Abend. Immer dann, wenn die Kissinger Tempo in ihr Spiel brachten, wirkte die Oberliga-Reserve reichlich überfordert. Aber die Selber Jungspunde wissen zu kämpfen und waren zurück im Spiel mit zwei Treffern binnen 68 Sekunden. Gut, dass Chad Evans mit einem sehenswerten Rückhand-Schuss das halbe Dutzend für die Wölfe vollmachte (38), damit die Stürmer-Ehre seiner Mannschaft rettete. "Chad ist zwar neu in der Mannschaft, weiß aber, was er zu tun und wo er zu stehen hat. Außerdem hat er einen super Schuss und passt auch als Typ in die Mannschaft", lobte Viktor Ledin seinen neuen Kollegen. Im finalen Drittel verpasste Christian Masel mit seinem Schuss an die Latte die Vorentscheidung. Die Selber verkürzten erneut (59.), nahmen dann den Goalie zu Gunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis - und kassierten schließlich ein von Roman Nikitin erzieltes Empty-Net-Goal.

"Das erste Drittel war in Ordnung. Aber wir können natürlich besser spielen. Das war ärgerlich, weil wir uns quasi selbst im Weg gestanden haben. Und das leider nicht zum ersten Mal in dieser Saison", sagte Mikhail Nemirovsky. "Gegen Haßfurt muss sich jeder Spieler verbessern. Und wir brauchen unsere Fans in einer hoffentlich richtig vollen Halle", so der Spielertrainer, der im Derby seine Mannschaft wieder auf dem Eis anführen wird.