Ausnahmezustand natürlich auch in der Landkreis-Dartszene. Mit Gabriel Clemens steht erstmals ein deutscher Spieler im Achtelfinale der Darts-Weltmeisterschaft in London. Eine Sensation auch deshalb, weil der Saarländer ausgerechnet Weltmeister Peter Wright in sieben Sätzen bezwang. Der "German Giant", wie der 37-Jährige genannt wird, spielte im Alexandra Palace zudem den bisher höchsten Punkte-Durchschnitt eines deutschen Spielers bei einer WM. Das alles ohne Fans im sonst so stimmungsvollen 'Ally Pally'. "Ich habe ihm so einen Erfolg durchaus zugetraut", sagt mit Bernd Molkenthin der Pressesprecher im DSAB. Im Interview mit der Saale-Zeitung spricht der 65-jährige Sportwissenschaftler aus Darmstadt über einen bescheidenen Helden und über die aktuelle Situation im Dartsport der Region.

Sie kennen Gabriel Clemens sogar persönlich. Erzählen Sie doch mal...

Bernd Molkenthin: Gabriel ist ein sehr bodenständiger und bescheidener Mensch, der seinen Urlaub lieber auf einem Campingplatz im Saarland verbringt als in der großen weiten Welt. Er ist zudem ein sehr fairer und teamfähiger Sportler mit viel Potenzial und einer hohen sozialen Kompetenz. Gabriel will sich zum Beispiel kein Match schönreden lassen, kein Lob für eine nicht befriedigende Leistung einheimsen. Nüchterne Analysen sind seine Stärken, er kann zudem gut zuhören.

Bei der WM in London wird ja das sogenannte Steeldart gespielt, aber Gabriel Clemens ist immer noch DSAB-Mitglied.

Stimmt. Und er spielt noch E-Darts, soweit es seine Zeit erlaubt. Er ist ja auch Deutscher Meister im DSAB und Gewinner der Deutschen Liga-Mannschafts-Meisterschaften 2008 mit seinem saarländischen Team "Just for Fun", das sich damit für den Worldcup in Las Vegas 2009 qualifiziert hatte. Die DLMM sind mit nahezu 4000 Akteuren das größte E-Darts- Event in Europa und finden seit mehr als 20 Jahren auf dem Autohof Strohofer in Geiselwind statt.

Hat es in der Vergangenheit auch internationale Meriten gegeben?

Absolut. Bei den Europameisterschaften 2017 in Caorle (Italien) stand er fünfmal auf dem Podium und gewann den EM-Titel im Herren-Einzel. Und in der Champions League 2016/17 belegte sein Team Rang zwei. Er war zudem im DSAB-Sextett mit von der Partie, als es in Geiselwind "Beat The Power" hieß und er gegen Phil "The Power" Taylor antrat.

Haben Sie sein Match gegen den Schotten Peter Wright gesehen?

Ja. Er hat gewinnen können, weil er konzentriert geblieben ist und die sich bietenden Chancen genutzt hat. Außerdem hat er Bühnenpräsenz gezeigt. Er hat Peter Wright nicht als Weltmeistermeister hofiert, sondern sich als ebenbürtiger Gegner gegeben, ohne dabei respektlos oder überheblich zu wirken.

Was macht sein Spiel aus?

Gabriel hat Spaß am Spiel, auch im Wettkampf. Aus einem guten Match als Verlierer hervorzugehen, ist ihm lieber als aus einem schlechten als Sieger. Ein Leben lang professionell Darts spielen zu können, bedeutet ihm mehr, als einmal Weltmeister zu werden. Er liebt dieses Spiel einfach.

Auch im Landkreis Bad Kissingen gibt es eine große Dart-Szene. Was sagen Sie den Spielern und den vielen Fans?

Allein in Unterfranken spielen rund 100 Teams in der DSAB-Liga. Wir haben weder die Frühjahrs-, noch die Herbstsaison zu Ende spielen können. Damit gab es auch keine Auf- oder Absteiger. Wir können derzeit nichts Verbindliches kommunizieren, da die Richtlinien nicht vom Verband, sondern von der Politik vorgegeben werden. Die Herbst/Wintersaison ist unterbrochen und soll möglichst noch beendet werden, auch wenn es länger dauern sollte. Normalerweise wird die Liga im Januar beendet, dieses Mal planen wir auch in die darauffolgenden Monate hinein.

DSAB Der 1989 gegründete Deutsche Sport-Automaten-Bund ist gemeinsam mit der National Darts Association in den USA der größte E-Dartsverband der Welt mit bundesweit etwa 60 000 Mitgliedern in knapp 10 000 Clubs. Der DSAB ist rund fünfmal so groß wie der DDV (Deutscher Dart-Verband) im Steeldart. Der Spielbetrieb ist nach Leistungsklassen von der C-, über die B- und A-Liga bis hin zur Bezirks- sowie Bezirksoberliga sowie der 2. Bundesliga und Bundesliga gegliedert.

Mayer-Liga Ein Großteil der Electronic Dart-Spieler im Landkreis Bad Kissingen spielt in der Mayer-Liga, die dem DSAB angeschlossen ist. Die Organisation des Ligabetriebs liegt in den Händen der Firma Automaten-Mayer mit Sitz in Sulzthal. Firmen-Inhaber ist der Schweinfurter Michael Hümpfner. Der 61-Jährige ist Gründungsmitglied von DSAB sowie VFS, dem Verein zur Förderung des Sportautomaten-Sports, dessen Vorsitzender Michael Hümpfner auch ist.