Wann finden in Bayern wieder Fußballspiele unter Wettkampfbedingungen statt? Diese Frage kann aktuell niemand beantworten. Der Ministerrat der bayerischen Staatsregierung hat sich dazu in seiner Sitzung am Dienstag nicht geäußert, dem möglichen Re-Start also einen Riegel vorgeschoben - und damit den großen Unmut des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) auf sich gezogen. Dieser erhöht nun den Druck auf die Politik und strebt eine Klage an. Zuvor möchte sich der Verband aber absichern und befragt daher bis kommenden Montag die 4500 Vereine im Freistaat in einer Online-Abstimmung (siehe Infokasten).

"Unsere Fachanwälte sagen, dass eine Klage gegen die Ungleichbehandlung des Amateurfußballs durch die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung gute Erfolgsaussichten hätte. Aber: Der Gang vor ein Gericht ist immer nur das letzte Mittel, wir wollen im Gespräch mit der Staatsregierung bleiben und hoffen auf eine schnelle Lösung für den Amateurfußball in unserem Sinne", schreibt BFV-Präsident Rainer Koch in einer Mitteilung.

Der BFV werde die Umfrage auswerten sowie aufbereiten. Die Vereine würden sich mit ihrer Teilnahme bereiterklären, dass die Abstimmungsergebnisse mit Nennung des Klubnamens gegebenenfalls veröffentlicht werden. Noch vor der nächsten Sitzung des Ministerrats am Dienstag, 8. September, sollen die Ergebnisse mitgeteilt werden. Das Problem: Auch zu diesem Zeitpunkt wird der Ministerrat (noch) nicht die Zukunft des Sports behandeln. Mit dieser Frage befasst sich das Kabinett erst in seiner Sitzung am Montag, 14. September. Dies kündigte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) als Reaktion auf die BFV-Offensive an. Das Kabinett wolle dann auch darüber reden, wann der Ligabetrieb in anderen Kontaktsportarten in Bayern starten kann sowie wann und unter welchen Voraussetzungen Zuschauer zugelassen werden können.

Kein Wettkampfbetrieb

Knackpunkt des Streits ist eine vermeintliche Ungleichbehandlung: Während in Bayern beispielsweise Gottesdienste und Konzerte unter freiem Himmel mit begrenzter Zuschauerzahl erlaubt sind und in anderen Bundesländern teilweise der Sportbetrieb vor Publikum wieder ermöglicht wurde, ist in Bayern der Wettkampfspielbetrieb weiter untersagt.

Der Verband sei der Auffassung gewesen, dass der Spielbetrieb ab 19. September wieder aufgenommen werden könne. "Wir haben den Kurs der bayerischen Staatsregierung stets mitgetragen und für sehr verantwortungsvoll befunden. Wir haben akzeptiert, dass wir bis Anfang September keinen Wettkampfspielbetrieb aufnehmen durften. Wir haben uns mit Trainingsspielen ohne Zuschauer zufriedengegeben, wir haben verstanden, dass die Zuschauerfrage behutsam diskutiert werden muss, wir haben Hygienekonzepte entwickelt und vorgelegt", sagt Koch und verweist beispielsweise auf Baden-Württemberg. Dort sind Ligaspiele vor Zuschauern wieder erlaubt. "Und in jedem Schwimmbad und an jedem Badestrand tummeln sich mehr Menschen als bei den meisten Amateurfußballspielen rund um das Spielfeld Zuschauer stehen würden. Warum dies so ist? Wir können es nicht sagen. Diese Antwort bleibt die Politik schuldig", klagt Koch.

Es braucht schnelle Entscheidungen

Klar ist jedenfalls: Wenn zeitnah in Bayern wieder der Ball rollen soll, muss die Politik schnelle Entscheidungen treffen. Diese zeichnen sich in der langwierigen Corona-Pandemie aber nicht ab. Die Lockerungen macht die Politik abhängig vom Infektionsgeschehen, und wie sich dieses mit Beginn des neuen Schuljahres entwickelt, kann niemand vorhersagen. "Nach heutigem Stand ist davon auszugehen, dass der Ministerrat in den kommenden zwei Wochen keine weiteren Lockerungen beschließt, was - unter Berücksichtigung einer zwingend erforderlichen Vorlaufzeit - Amateurfußball in Bayern im September unmöglich macht", vermutet Koch.

In einem Brief an seine Vereine hatte der BFV bereits am 21. August dargelegt, dass der Verband die Grundlage für einen Re-Start im September geschaffen habe. Dem Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration (StMI) hatte der BFV dazu am 13. August ein detailliertes Hygiene-Musterkonzept für einen Re-Start mit einer begrenzten Zahl an Zuschauern vorgelegt. Am vergangenen Sonntag hatte der BFV in einem Schreiben ans Innenministerium erneut auf die Ungleichbehandlung hingewiesen - ohne Erfolg.

Jetzt sind die Vereine wieder gefragt: In zwei Online-Infoseminaren wird Koch am Freitag (16.30 Uhr, 18.30 Uhr) mit Schatzmeister Jürgen Faltenbacher alle interessierten Vereinsvertreter in Bayern über den Stand der Dinge informieren: "Dabei geht es auch darum zu erfahren, ob wir als letzte Möglichkeit auch noch den Rechtsweg beschreiten und in der Tat Klage erheben sollen. Es geht keineswegs um eine Sonderrolle für den Fußball, sondern um gleiches Recht für alle. Wir bleiben aber dabei: Die Gesundheit aller steht an erster Stelle."