Was ist schon ein Pünktchen? Eine tonnenschwere Last, wenn man dieses unbedingt braucht. So wie die Morlesauer und Windheimer, die am vorletzten Spieltag ihren ersten Matchball hatten - und versemmelten mit der 2:3-Niederlage bei der Ramsthaler Reserve, die alles investiert hatte im Kampf um den Klassenerhalt. Und am finalen Spieltag schien die SG Oberleichtersbach die Rolle des Spielverderbers zu übernehmen mit ihrem Führungstreffer nach einer Stunde. "Danach habe ich auf meine Uhr geschaut und dachte: Okay, wir haben noch 30 Minuten Zeit", erinnert sich Trainer Stefan Brustmann, ganz im Vertrauen auf die Stärken seiner Mannschaft. Abteilungsleiter Steffen Schmitt hingegen war ein Nervenbündel, denn zu diesem Zeitpunkt lag der Zweitplatzierte aus Elfershausen gegen Obereschenbach in Front.
Mit diesem Spielausgang wäre der Titel in letzter Sekunde futsch gewesen.


Zwei Stürmer - 34 Tore

Aber wenige Minuten nach dem Rückstand erzielte Robby Kuhn per Freistoß den Ausgleich. "Bei seinen Freistößen geht der Tormann schon mal in Deckung", erzählt Kapitän Matthias Schumm. Endgültig wieder im grünen Bereich war der Puls aller SVler, als Christopher Schmitt den zweiten Treffer nachlegte zum Endstand. Es war Saisontor Nummer 17 für den Torjäger, der damit mit dem Teamkollegen Daniel Doschko gleichzog. Mit dem Abpfiff begann der Platzsturm, die Party konnte beginnen. Endlich.

Dabei war der Saisonstart alles andere als meisterlich. Mit nur einem Sieg aus den ersten drei Spielen ging die Tendenz eher nach unten als in Richtung Tabellenspitze. "Nach dem Spiel gegen Römershag hatte ich schon Sorgen", berichtet der 48-jährige Coach. Doch dann folgte eine Serie von 14 ungeschlagenen Partien in Folge. Der Sieg gegen Gräfendorf am vierten Spieltag war für Brustmann besonders wichtig. Aber auch die Partie in Stangenroth nennt er im selben Atemzug. "Die zweite Halbzeit war eine Sahneleistung, das war richtig gut." Oder das Rückspiel gegen Obereschenbach. "Da haben wir unsere beste Leistung in den letzten drei Jahren gezeigt."


Die richtige Antwort

Zur Winterpause lag das Team auf dem zweiten Tabellenplatz hinter dem SV Machtilshausen. Das zufällige Aufeinandertreffen mit dem Spitzenreiter auf der Heimfahrt vom Würzburger Weihnachtsmarkt sorgte für ordentlichen Zündstoff. "Schmähgesänge und mehr mussten wir uns anhören. Ich habe alles mit dem Handy aufgenommen und vor der Partie abgespielt", erzählt der Meistertrainer. Danach brauchte es keine zusätzliche Motivation mehr für sein Team. Mit einem 3:1-Auswärtssieg ging sein Team vom Feld.

Eine Schwächephase leisteten sich die "Morschaer" aber noch. Am 18. und 19. Spieltag setzte es Niederlagen gegen die direkten Konkurrenten aus Elfershausen und Gräfendorf. Um ein Haar wären den SVlern diese Punktverluste noch zum Verhängnis geworden in dieser äußerst ausgeglichen Liga Die Meister-Feierlichkeiten waren deshalb umso ausgelassener. Bei Wildschweinbraten und allerhand Getränken feierte das Team bis tief in die Nacht. "Da ging es richtig zur Sache", deutet Robby Kuhn an, Spieler und Vorstand der Windheimer. Heute geht die Party in die zweite Runde. Nach einem Weißwurstfrühstück im Sportheim reist das Team mit dem Zug weiter. Das 30. Würzburger Weindorf ist als Ziel für den Saisonabschluss auserkoren worden. Dass die Jungs feiern können haben sie während der Saison sowieso des Öfteren bewiesen.


Heimstärke und Kampfgeist

Der Schlüssel zum Meistertitel war neben der Konstanz vor allem die mächtige Heimstärke. Nur eine Partie ging auf eigenem Boden verloren. Kein anderer Konkurrent kann das von sich behaupten. "Wir haben über die Saison zwar keine Meisterleistung gezeigt, aber fast immer eine geschlossene Mannschaftsleistung", so der Coach. Ohnehin sind seine Mannen nicht für Ballzauberei sondern für Kampfgeist und Siegeswillen bekannt. Auch den Fans gehört ein Anteil am Titel. "Die haben immer zu uns gehalten und uns unterstützt", erzählt Kuhn. Einige von ihnen waren bei jedem Spiel am Start.

Bereits seit über zehn Jahren bilden die beiden Vereine eine Gemeinschaft. Die letzte Meisterschaft wurde in der Saison 2008/2009 gefeiert. In der Winterpause 2012/2013 übernahm Brustmann den damaligen Kreisklassisten. Den Abstieg zum Saisonende konnte er nicht verhindern. Umso größer war die Freude über den jetzigen Titelgewinn und den Wiederaufstieg in die Kreisklasse zum Ende seiner Amtszeit. Nach dreieinhalb Jahren schließt sich also der Kreis. Dem Verein bleibt er aber als Torwarttrainer weiterhin erhalten. "Es hat mir unheimlich Spaß gemacht mit den Jungs, aber jetzt brauch ich erstmal eine Pause", erzählt Brustmann. "Es war eine super Zeit mit ihm. Er hat jede Gaudi und jeden Ausflug mitgemacht", ergänzt Schmitt.


Zwei Spielertrainer

Die Planungen für die neue Saison laufen bereits seit der Winterpause auf Hochtouren. Mit Steffen Weigand (SG Flörsbachtal/Hessen) und Tobias Bold (FC Fuchsstadt) konnten zwei junge Spielertrainer für die kommende Spielzeit gewonnen werden. Zudem kehren Stefan Thoma (FC Thulba), Marco Düsterwald (SV Gräfendorf) und Nico Hummel (FC Obereschenbach) zurück in ihre fußballerische Heimat. "Die Vorfreude auf die neue Saison ist groß und die Neuzugänge passen vom Charakter her auch gut in unsere Mannschaft", fügt Schumm an. Einige Spieler fahren 20 Kilometer bis zum Training, keine Selbstverständlichkeit heutzutage. Die Vereine sehen sich mit den Verstärkungen gut gewappnet für die Kreisklasse, in der der Klassenerhalt das angestrebte Ziel ist. Sowieso ist es bemerkenswert, dass zwei Dörfer mit rund 500 Einwohnern eine derartige Mannschaft auf die Beine stellen.