440 000 Euro Schulden drücken den Fußball-Bayernligisten. Davon hätten 272 000 Euro sofort, der Rest bis 30. Juni zurückgezahlt werden müssen. Ein Kraftakt, den der Verein trotz aller Sanierungsbemühungen der letzen Wochen nicht stemmen konnte.

"Die Begleichung dieser Verbindlichkeiten ist dem FC Eintracht nicht möglich. Damit bleibt uns nichts anderes übrig, als Insolvenz anzumelden, dieser Schritt ist unabdingbar", sagte der Interimsvorsitzende Jörg Schmalfuß, der seit dem Rücktritt von Mathias Zeck Anfang März dem FCE 2010 vorsteht. Das Amtsgericht Bamberg muss nun einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmen, der die Finanzsituation des Vereins überprüfen wird.
Auf Grundlage seiner Arbeit wird dann das Insolvenzgericht entscheiden, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet oder es mangels Masse abgelehnt wird.

Die Höhe der Verbindlichkeiten, die durch die Fußballabteilung entstanden seien, hätten sich laut Schmalfuß "in den letzten Jahren regelrecht angehäuft. Dazu kommt eine Nachzahlung an Steuern und Sozialabgaben, die sich erst in den letzten Monaten ergeben hat und die der Verein zwar nicht zu verantworten, sich jedoch anzurechnen hat". Ins Detail, wie es zu diesen 440 000 Euro Schulden gekommen ist, wollte der 30 Jahre alte Sportökonom nicht gehen. "Wir können nicht beurteilen, wie die Vorgängervorstandschaft gearbeitet hat. Und wir wollen es auch nicht, das steht uns nicht zu. Klar ist, dass wir drei, die wir in der Vorstandschaft nach dem Ausscheiden von Mathias Zeck verblieben sind, Ende Dezember neu gewählt wurden. Wir haben uns dann einen Überblick verschafft, so wie das üblich ist. Die Zahlen, die wir ermittelt haben, lassen keinen anderen Weg zu", meinte Schmalfuß.

Ziel des Vereins ist es, den Spielbetrieb im Jugend- und Herrenbereich der Fußballabteilung trotz der Zahlungsunfähigkeit bis zum Ende der Saison sicherzustellen. "Sollte die erste Herrenmannschaft bis zum Saisonende durchspielen, hätte ein möglicher Nachfolgeverein die Chance, das Spielrecht in der Landesliga zu erhalten", sagte Schmalfuß. Sollte der Insolvenzverwalter jedoch den Spielbetrieb sofort oder noch vor dem Saisonende einstellen, müsste ein potenzieller Nachfolgeverein in der untersten Klasse neu anfangen.

Bleibt der FC Eintracht 2010 dagegen im Bayernliga-Spielbetrieb, ändert sich erst einmal nichts. Die Partien werden solange gewertet, bis über den Insolvenzantrag entschieden ist. Geschieht dies noch vor Saisonende, werden alle Spiele des FCE laut Spielordnung des Bayerischen Fußball-Verbandes aus der Wertung genommen. Der Verein stünde als Absteiger in die Landesliga fest, die restlichen Partien hätten nur noch Freundschaftsspiel-Charakter.
Zwangsabsteiger wäre der FCE im Falle des sportlichen Klassenerhalts auch, wenn das Insolvenzverfahren im Zeitraum zwischen dem letzten Spieltag und dem 30. Juni eröffnet oder mangels Masse abgelehnt wird. Dann jedoch blieben die Punkte der Bamberger in der Wertung.


Wird gegen Großbardorf gespielt?

Ob die FCE-Mannschaft nach dem Insolvenzantrag auseinander fällt, ist noch offen. Trainer Petr Skarabela wusste nach der 2:3-Heimniederlage gegen den SV Haibach am Ostermontag nicht, welche seiner Akteure dem Verein die Treue halten werden. Heimspiel-Gegner am Samstag wäre der TSV Großbardorf. "Diejenigen, die längere Anfahrtswege haben, werden wohl nicht mehr kommen, weil sie ja nicht einmal mehr eine Fahrtkosten-Entschädigung erhalten", vermutet Skarabela. Ob daher in dieser Woche ein Mannschaftstraining überhaupt stattfinden könne, stehe in den Sternen. "Wenn der Insolvenzverwalter die Sache in die Hand nimmt, werden wir mehr wissen. Wir möchten die Saison gerne zu Ende spielen. Aber wenn ein richtiges Training nicht mehr gewährleistet ist, ist es schwer, gegen Spitzenmannschaften zu bestehen. Das ist dann auch für mich als Trainer eine schwierige Situation", sagt der Tscheche, dessen Verbleib beim FC Eintracht Bamberg 2010 offenbar ebenfalls nicht sicher ist.

Zusammenschluss Einen ersten Anlauf zur Fusion der beiden Vereine 1. FC 01 Bamberg und TSV Eintracht Bamberg gab es im Sommer 2005. Das Vorhaben scheiterte jedoch Ende Juni 2005 an der Mitgliederversammlung des TSV Eintracht Bamberg, bei der sich nicht die erforderliche Dreiviertelmehrheit fand. Nach einem halben Jahr Diskussion und Werbung für den Zusammenschluss stimmten die Eintracht-Mitglieder schließlich im Januar 2006 mit überwältigender Mehrheit der Auflösung ihres Vereins zu. Am 9. März 2006 folgten die Mitglieder des 1. FC 01 Bamberg dieser Entscheidung. Mit über 1500 Mitgliedern war der am 1. April 2006 gegründete 1. FC Eintracht Bamberg einer der größten Sportvereine Oberfrankens.

Erste Insolvenz Vier Jahre nach seiner Gründung stellte der 1. FC Eintracht Bamberg wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung am 11. Mai 2010 beim Amtsgericht Bamberg Antrag auf Insolvenz. Als sich abzeichnete, dass das Insolvenzverfahren mangels Masse nicht eröffnet werden konnte, wurde zur Sicherung des Sportbetriebes als Nachfolgeverein der FC Eintracht Bamberg 2010 gegründet. Die Gründungsversammlung fand am 16. Juni 2010 statt.

Zweite Insolvenz Zu Beginn dieses Jahres schlitterte der FC Eintracht 2010 aufgrund der Aufforderung zu einer Steuernachzahlung von 180 000 Euro in eine finanzielle Krise. Am 3. März erklärte der Vereinsvorsitzende Mathias Zeck seinen Rücktritt. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung bezifferte der Interimsvorsitzende Jörg Schmalfuß den Schuldenstand des Vereins mit 440 000 Euro. Am 29. März ging der Insolvenzantrag des FC Eintracht 2010 beim Insolvenzgericht Bamberg ein.