Tennis ist eigentlich ein Einzelsport. Bei der Damenmannschaft des TSV Wollbach aber ist es eine Familienangelegenheit. Denn mit Kristin Klaus und Belinda Schönhöfer spielen nicht nur zwei begabte Sportlerinnen beim TSV, sie sind auch Schwägerinnen. Und bringen automatisch den Fußball mit an den Tennisplatz. Denn ihre Ehemänner sind Gerd Klaus, Trainer des FC 05 Schweinfurt, und Dominik Schönhöfer, Trainer des TSV Großbardorf. Kristin Klaus ist die Schwester von Dominik Schönhöfer.

Kristin Klaus, die eigentlich aus Wollbach stammt, wohnt mit ihrer Familie im mittelfränkischen Eckental zwischen Erlangen und Nürnberg. Dort kommt ihr Mann Gerd her. Doch für die Wollbacher Tennisspiele fährt sie jedes Mal gern in ihre Heimat: "Meine Eltern wohnen ja noch da. Meine Cousine spielt beim TSV und Belinda auch. Meine Tochter hat jetzt auch ein paar Mal ausgeholfen, weil wir krankheitsbedingte Ausfälle hatten", erzählt Klaus.


Schmerzlich vermisst

Einer dieser Ausfälle ist Belinda Schönhöfer. Gleich nach dem ersten Spiel in der Bezirklasse 2 ist eine alte Verletzung am Bein wieder aufgetreten. Schönhöfer musste operiert werden und erholt sich im Moment. "Ich hoffe, ich kann nächste Saison wieder beim TSV Wollbach dabei sein. Der Zusammenhalt dort ist wirklich schön und ich freue mich wieder darauf, mit den Mädels Tennis zu spielen", erklärt Schönhöfer. Die 41-Jährige ist begeistert vom Tennis: "Ich habe mit Fußballspielen angefangen und durch Kristin, die schon vorher in Wollbach Tennis gespielt hat, habe ich immer mal wieder dort ausgeholfen. Mit dem Fußball ging es irgendwann nicht mehr und irgendeinen Sport wollte ich machen." So kam Schönhöfer zum Tennis und möchte es seitdem nicht mehr missen. "Belinda steigert sich von Jahr zu Jahr", sagt Kristin Klaus, die stolz ist auf die Leistung ihrer Schwägerin.

Tennis spielt Kristin Klaus, seit sie sieben Jahre alt ist. "Meine Eltern haben beide gespielt und meine Brüder früher auch. Ich liebe aber auch Fußball, obwohl ich selber nie gespielt habe." In Wollbach gab es keine Fußballmannschaft. "Und allein wollte ich nicht woanders hin, so habe ich immer nur meinen Brüdern zugeschaut. Wir sind eine richtige Fußballfamilie", sagt Klaus. Mit ihrem Mann Gerd teilt Kristin die Liebe zum Fußball. Die beiden lernten sich über Kristins Bruder Dominik kennen: Schönhöfer spielte mit 16 Jahren in der Jugend des 1. FC Nürnberg, wo er Gerd kennenlernte. Die beiden wurden Freunde und ihr Kontakt brach nie ab. Auch heute noch spielen die beiden mit ihren Mannschaften gerne in Freundschaftsspielen gegeneinander.


Familie hat nicht das Nachsehen

Dass der Alltag der beiden Tennis-Damen sehr vom Fußball geprägt ist, ist kein Wunder. "Dominik ist schon immer Fußballtrainer, deshalb kenne ich es nicht anders", sagt Belinda Schönhöfer. Samstags ist sie bei jedem Heimspiel des TSV Großbardorf mit dabei. "Zu Hause wird sehr viel über Fußball gesprochen", erzählt sie. Auch bei Kristin Klaus ist das nicht anders: "Meine Töchter spielen beide Fußball. Die Kinder sind beim FC 05 Schweinfurt sogar bei den Auswärtsspielen dabei. Dadurch, dass wir so mitziehen, bleiben wir als Familie nicht auf der Strecke", erklärt die 40-Jährige.

Hat Tennis bei den Familiengesprächen zu Hause überhaupt einen Platz? "Es wird auch über Tennis gesprochen, aber überwiegend über Fußball", gibt Klaus schmunzelnd zu. Und auch bei den Schönhöfers zu Hause ist trotzdem nicht immer Fußball das Wichtigste: "Dominik unterstützt mich beim Tennis, ob es beim gemeinsamen Spielen daheim oder im Urlaub ist oder ob er mich anfeuert", sagt Belinda. So ist das auch bei Kristin: "Mein Mann ist gern dabei beim Tennis und schaut mir zu." So kommt es, dass die beiden Fußballtrainer und Freunde sonntags am Tennisplatz in Wollbach stehen und ihre Ehefrauen anfeuern.


Problemfall Urlaub

Doch bei einer solch sportlichen Familie kommt eines immer zu kurz - der Urlaub. "Den Urlaub mussten wir früher immer dem Fußball unterordnen. Aber jetzt richtet es sich zusätzlich nach unserer Tochter und ihren Schulferien", erklärt Belinda Schönhöfer. Auch bei Kristin und Gerd Klaus ist das das Einzige, was schwierig ist: "Im August geht es gar nicht. Vergangenes Jahr sind wir mal fünf Tage im August im Urlaub gewesen, da kam Gerd direkt vom Spiel zum Flughafen." Weihnachten wäre die einzige Zeit, wo alle Familienmitglieder "frei" hätten, aber das will Kristin Klaus nicht: "Wir sind beide solche Familienmenschen, wir wollen an Weihnachten zu unseren Eltern und nicht in den Urlaub." Eine Lösung des Problems hat die Klaus-Familie schon ausprobiert: Urlaub in der Rhön. "Gerd ist dann immer tagsüber zum Training gefahren und abends wiedergekommen", so Klaus. Geht alles.


Großer Aufwand

Apropos geht alles: Kristin Klaus fährt die 150 Kilometer von Eckental nach Wollbach gern. Und sie ist nicht die Einzige, die aus Mittelfranken zum Tennis nach Wollbach kommt: Auch Manuela Wittek wohnt bei Nürnberg. Ohne die Ranglisten-Erste (Klaus) und -Zweite (Wittek) wäre keine Damenmannschaft in Wollbach möglich, sagt Mannschaftskollegin Claudia Rößer. "Manchmal war es schon happig, sechs Leute zum Spieltag zusammenzubekommen. Belinda hat sich gleich nach dem ersten Spiel verletzt und berufsbedingt schieben Manuela und ich Wochenenddienste und können nicht immer kommen", so Rößer. "Wir sind total froh, dass Kristin und Manuela das auf sich nehmen, das ist schon ein Aufwand", sagt Rößer und weiß: "Kristin könnte auch in Nürnberg irgendwo spielen, aber sie will ja nicht." Vom TSV wegzugehen kommt für Klaus nämlich nicht in Frage: "Mir machen die Spiele mit Wollbach immer sehr viel Spaß. Es zieht mich nicht zu einer neuen Mannschaft in Mittelfranken, obwohl hier so viele sind. Aber zu Hause in Wollbach ist das Familie und Heimat. Und so schön. Da brauche ich keine andere Mannschaft." Tennis ist auf gewisse Weise eben kein Einzelsport. Sondern eine Familienangelegenheit.