Wie er auf dieses Abenteuer aufmerksam wurde? Das weiß Walter Lauter gar nicht mehr so genau. "Von Kumpels. Oder aus dem Internet. Gezielt danach gesucht habe ich jedenfalls nicht." 270 Euro beträgt die Startgebühr. Eine Prämie für den Sieger gibt es nicht, nur Finisher-T-Shirts für die Teilnehmer. Ein Amateur-Rennen. Aber was für eins: Die "Tausend Meilen von Slowakia" führen über 1600 bis 1700 Kilometer, mit 40 000 bis 50 000 Höhenmetern. Beginnen tief im Osten in den Karpaten an der slowakisch-ukrainischen Grenze. Und enden im Westen der Tschechischen Republik, unweit der deutschen Grenze.



Ein sogenanntes Self-Support-Rennen, bei dem die etwa 110 Teilnehmer keine organisierte Hilfe in Anspruch nehmen dürfen. Die Orientierung findet ausschließlich über GPS statt, die Daten wurden den Pedaleuren vorab zur Verfügung gestellt.
Regel-Verstöße werden mit Zeitstrafen oder gar Disqualifikation geahndet. Kleine Service-Leistungen bieten allein die drei - zeitlich limitierten - Checkpoints auf der Strecke. Die Zeit beginnt mit dem Start zu laufen und wird erst wieder im Ziel gestoppt.

Die Check-Liste in Sachen Ausrüstung umfasst über 90 Punkte. Darunter: ein Pfefferspray. "In den Karpaten gibt es Wölfe und Bären. Das Spray dient zu unserer Sicherheit. Eine solche Begegnung ist eher unwahrscheinlich, seine Gedanken macht man sich aber schon", sagt der Touren erprobte IT-Fachmann, der etwa 15 Fahrräder besitzt und im Jahr etwa 15 000 bis 16 000 Kilometer mit seinem liebsten Fortbewegungsmittel unterwegs ist. Eine realistische Gefahr übrigens. "Einem Rennfahrer fraß der Bär vor einigen Jahren die Schuhe, aber er fuhr barfüßig weiter, 30 Kilometer in den Bergen, und dann besorgte er sich Ersatzschuhe", erzählte Organisator Jan Kopka in einem Interview mit der Fachzeitschrift "bikesport".

Es wird ein spartanisches Leben. Ein drittes Unterhemd bezeichnet Walter Lauter bereits als Luxus. Weniger Gepäck bedeutet immer auch weniger Kraftaufwand. Die Tage sind schließlich lang. "Wenn es hell wird und die Vögel singen, stehe ich auf, um gegen 5.30 Uhr weiterzufahren. Und zwar solange, bis es dunkel wird. Also bis etwa 22 Uhr. Wenn ich einen geeigneten Schlafplatz finde oder vielleicht sogar Teilnehmer treffe, kann das natürlich auch etwas früher sein." Ultraleicht sind Zelt, Matte und Schlafsack. Ein Glücksfall wäre eine Wetterschutz-Hütte oder gar eine Einladung zum Übernachten, und sei es nur in einem Vorgarten. Vielleicht sogar mit Wasch- oder Duschmöglichkeit. "Das wäre erlaubt, weil es individuell vor Ort organisiert wäre. Wir nennen so etwas dann Trail-Magic", sagt Walter Lauter.

Jeden Abend geht eine SMS an den Veranstalter. Versehen mit den aktuellen Koordinaten und ein paar Worten zur psychischen und physischen Verfassung. Etwa soviel wie das Gepäck wiegt das Rad: neun Kilogramm. "Ich habe mich für ein Karbonrad mit Federgabel entschieden, das von der Firma Bike World Brand in Euerdorf optimal vorbereitet wurde", erzählt Walter Lauter, der auf ein Tubeless-System zurückgreift, also ohne Schlauch im Rad fährt, zur Sicherheit aber Ersatzschläuche mit sich führt. Auch ein zweiter Satz Bremsbeläge; ein Schaltzug und Schaltauge, Kabelbinder, Flick- und Werkzeug gehören zum technischen Equipment.
Der Triathlon-Lenker-Aufsatz soll während der Fahrten für etwas Entspannung sorgen. Eine gute "Investition", weil der 58-Jährige pro Tag etwa 140 Kilometer und dreieinhalb bis viertausend Höhenmeter zurücklegen will, um wie geplant nach zwölf Tagen das Ziel zu erreichen. Ausreichend Wasservorrat und energiereiche Verpflegung in Form von Riegeln oder Gels ist Pflicht.

Mit Akribie, fast liebevoll hat Walter Lauter sein Rad bepackt. Und mit System. Spricht von der Küche, vom Wohn- und Schlafzimmer am Rad. Klingt gemütlich. Der Abgleich mit der Realität sieht anders aus. "Man muss neben der notwendigen Physis auch mental stark sein für eine solche Herausforderung", sagt Walter Lauter vor seinem vielleicht größten Zweirad-Abenteuer. Auch ohne Bären und Wölfe.