Die grellen Lichter brauchte es am Dienstag in aller Früh, denn pechschwarz war die Nacht noch, als sich rege Betriebsamkeit einstellte zu diesem ungewöhnlichen Arbeitseinsatz am Bad Kissinger Sportpark. Dort, wo sich seit Monaten kein Fußballer, kein Leichtathlet bewegen durfte. Die unfreiwillige Auszeit hat der FC 06 Bad Kissingen genutzt, um sein Projekt "Vereinsheim" entscheidend voranzubringen mit dem Aufbau der Container.

Rückblick: Weil mit dem Besitzer der Eishalle samt Gaststätte keine Einigung zum bestehenden Pachtvertrag erzielt werden konnte (wir berichteten), hatte der Verein Gebrauch gemacht von seinem Sonderkündigungsrecht, war seitdem quasi obdachlos. Lediglich eine Material-Garage war dem FC 06 Bad Kissingen geblieben. Sowie die Nutzung der Umkleide-Kabinen samt Duschen, die auf Grund und Boden der Stadt stehen, also nicht in den Besitz des ukrainischen Investors übergegangen waren.

Unterstützung durch die Stadt

Mit dem Erteilen der Baugenehmigung war der Weg zum neuen Domizil bereitet. "Die Stadt, beginnend beim Oberbürgermeister, bis hin zu den zuständigen Mitarbeitern für Wasser, Abwasser und Strom, hat uns im Vorfeld super beraten und unterstützt", sagt Wolfgang Werner, der dem alten Vereinsheim nicht groß hinterher trauert. "Das Gebäude ist renovierungsbedürftig. Und für unseren Verein war der Gastraum eigentlich überdimensioniert. Die anfallenden Energiekosten sind da natürlich ein Thema", so der Vereinsboss.

Über eine Fachfirma waren die sieben Container-Module angeliefert worden, mit Hilfe eines 60-Tonnen-Krans wurden die Elemente an die passende Stelle gesetzt. Die Fundamente hatte Wolfgang Werner, ausgebildeter Dipl.-Bauingenieur, zusammen mit seinem Vereinskollegen Thomas Wenzel und mit Spielern der 1. Mannschaft montiert und exakt ausnivelliert.

"Vor etwa 30 Jahren war ich beruflich in den Bau der Deponie in Wirmsthal involviert. Schon damals hatten wir Büro-Container aufgestellt, das ist alles bei weitem nicht so steril, wie man vielleicht denkt." Klein, aber fein sei laut Wolfgang Werner die neue, in den Vereinsfarben gehaltene und etwa 84 Quadratmeter große Unterkunft, bestehend aus einem Gastraum inklusive einer kleinen Teeküche und einem Mannschaftsraum sowie einer Toiletten-Anlage. Reichlich Fenster und die zu den Spielfeldern ausgerichtete Glasfront sorgen für eine heimelige Atmosphäre. "Wir werden aber in den nächsten Wochen auch viel an der Innenausstattung machen", kündigt Wolfgang Werner an.

Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 75 000 Euro. "Dieses Projekt wird leider nicht bezuschusst, aber von Seiten unserer Mitglieder sind schon einige Spenden eingegangen. Das unterstreicht die Akzeptanz dieses Projekts, mit dem wir uns zudem eine gewisse Flexibilität bewahren", sagt Werner. Um Ostern rum soll, sofern es die Pandemie zulässt, der Ball wieder rollen beim Fußball-Bezirksligisten. Auf den ersten Sieg soll dann schon im neuen Vereinsheim angestoßen werden.